Sun/Oracle
Jetzt droht die transatlantische Rauferei

Die internationale Wirtschaftspresse kritisiert die EU-Wettbewerbshüter für ihr Veto bei der geplanten Übernahme von Sun Microsystems durch Oracle. BusinessWeek zweifelt an den Freisprüchen zweier ehemaliger Fonds-Manager von Bear Stearns. Business Times sagt den Tod von Full-Service-Fluggesellschaften voraus. Fundstück: Anreiz für grüne Freier.
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Die EU-Kommission hat sich offiziell gegen die Übernahme des Server-Spezialisten Sun Microsystems durch den Software-Riesen Oracle gestellt. Es gehöre längst zum Allgemeinwissen, dass Barack Obama die USA in eine neue Ära des gegenseitigen Verständnisses mit der EU geführt habe – nur komisch, dass dieses gerade bei solch nüchternen, wenn auch wichtigen Themen wie dem Wettbewerbsschutz fehle, stichelt das Wall Street Journal. Nach dem Veto der Europäischen Kommission habe das US-Justizministerium den ungewöhnlichen Schritt getan und noch einmal bekräftigt, dass es keine Bedenken habe. Stein des Anstoßes sei der kleine Anbieter MySQL, der Software für Datenbanken anbiete und den Sun vor einem Jahr gekauft habe. Die EU spekuliere darauf, dass aus dem Tochterunternehmen in Zukunft eine Konkurrenz für Oracles Datenbankenprogramme entstehen könne. Doch der Programmcode von MySQL sei ohnehin als Open-Source-Software frei verfügbar. „Die Einwände der EU machen, mit anderen Worten, keinen Sinn und würden vor Gericht kaum überleben“, ahnt die Zeitung.

Für kurze Zeit schien es so, als würden die Anti-Monopol-Behörden dies- und jenseits des Atlantiks anfangen, an einem Strang zu ziehen. „Das hat sich nun als Illusion herausgestellt, nachdem die EU ihre Einwände gegen die 7,4 Milliarden Dollar schwere Übernahme des kriselnden Hardwareherstellers durch den zweitgrößten Softwarekonzern der Welt geäußert hat“, bedauert der Economist. Jetzt drohe eine „transatlantische Rauferei“ wie 2001, als General Electric mit einer Übernahme von Honeywell gescheitert sei, was für einigen Ärger gesorgt habe. In dieser Situation helfe es nicht, dass sich Oracle kampfeslustig zeige. „Die Erklärung der Kommission zeigt ein handfestes Unverständnis für das Open-Source-Prinzip und für den Wettbewerb der Datenbanken-Software“, zitiert das Blatt Oracle. Es sei nun unklar, wie der Streit ausgehe. „Wenn sich die Übernahme noch länger hinzieht, könnte Sun irgendwann untergehen“, warnt das Blatt.

Bei der Übernahme von Sun Microsystems zeichne sich der seit Jahren schlagzeilenträchtigste Streit um eine transatlantische Übernahme ab, stellt die Financial Times Deutschland fest. Oracle-Chef Larry Ellison und der EU-Sprecher hätten bereits harsche Äußerungen ausgetauscht. Das Verhältnis sei so vergiftet, dass Beobachter von „rapide schwindenden“ Chancen auf eine erfolgreiche Fusion redeten. „Ein formeller Einwand der EU ist der erste Schritt zu einer Blockade der Fusion“, analysiert das Blatt. Hintergrund sei die Befürchtung, Oracle könnte Suns quelloffene Datenbank MySQL aushungern und nicht mehr weiterentwickeln. Die EU fordere Zugeständnisse, am besten durch den Verkauf MySQLs. „Stattdessen tobt Ellison und wirft Brüssel Inkompetenz vor. Zuvor hätte man sich vielleicht noch auf einen Verbleib von MySQL bei Oracle einigen können, wenn Oracle verbindliche Zusagen für weiteren Support der Open-Source-Gemeinde gemacht hätte“, meint das Blatt. „Nun scheinen Auswege verbaut“.

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