Sentix Marktradar
Anleger sollten sich auf unruhige Zeiten einstellen

Die Börsen brechen ein. Doch es gibt genug Anleger, die sich davon nicht schrecken lassen. Sie setzten schon wieder auf steigende Kurse - und könnten damit zu früh dran sein.
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Obwohl die Unruhe an den Märkten anhält, kann von einer Aufgabestimmung unter den Investoren nicht gesprochen werden. Die sentix Stimmungsindizes verzeichnen auf die kurze Sicht sogar einen leichten Anstieg. Kurzfristig orientierte Trader decken demnach Shorts ein oder setzen sogar wieder auf steigende Kurse. Diese fehlende Angst ist untypisch für eine Trendwendesituation und spricht eher für eine Konsolidierungsphase im übergeordneten Abwärtstrend.

Auch die mittelfristigen Sentimentwerte, welche die Wertwahrnehmung der Investoren reflektieren, mahnen weiter zur Vorsicht. Obwohl der Dax um mehr als 20 Prozent unter seinen Jahreshochs notiert, messen wir hier ein neues 52 Wochen-Tief. Investoren erkennen damit weiterhin keinen „Value“ in den Aktien. Damit können wir auch nicht auf die viel zitierten Schnäppchenjäger hoffen, die sonst nach heftigen Kursverlusten für eine Gegenkraft sorgen. 

Vergleicht man die aktuelle Situation unter Sentiment-Gesichtspunkten mit vergangenen Entwicklungen, so gleicht diese am ehesten derjenigen im November 2008, als die Bundesregierung vor die Presse trat und alle Spareinlagen der Bundesbürger garantierte. Auch dieser Tage hoffen die Anleger auf „rettende“ Signale der Politik. Letztlich bewirken solche Gesten nur, dass Anleger im Zustand der Hoffnung gehalten werden, aber eine Trendwende wird so weniger wahrscheinlich.

Die Geschichte von 2008 lehrt, dass die Aktienmärkte ihre Panik trotzdem durchleben mussten – nur eben vier Monate später. Auch diesmal deutet vieles darauf hin, dass die begonnene Abwärtsbewegung zwar zwischenzeitlich konsolidieren kann, jedoch mindestens drei bis vier Monate vergehen dürften, ehe ein neuer Aufwärtstrend ausgebildet werden kann. Wie tief es dazwischen noch gehen wird, ist dagegen nur schwer zu ermessen. Nachdem aber bereits der Beginn dieser Abwärtsbewegung einen der höchsten Verluste im Dax der letzten 30 Jahre bewirkte, sollten Investoren nicht mit dem Besten rechnen.

Manfred Hübner
Manfred Hübner
Sentix / Geschäftsführer

Kommentare zu " Sentix Marktradar: Anleger sollten sich auf unruhige Zeiten einstellen"

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  • Das Geschaeft mit der Angst!

  • Ich vermute auch, dass die Talsohle noch nicht erreicht ist. Es wird bestimmt noch einige Abwärtsspiralen geben, denn die Krisenherde sind noch lange nicht beseitigt, geschweide denn überhaupt angegangen. Bisher wurden die negativen Aspekte lediglich mit einem Lächeln überdeckt und das wird nicht reichen!
    Allerdings wird jede Krise etwas anders sein, als die davor. Also von Parllelen zu sprechen ist möglich, aber vermutlich nicht wirklich vergleichbar. Jede Krise hat ihre eigenen Merkmale! Leider wissen wir meist erst danach, wie sie wirklich verlaufen ist. Das Paradoxe daran, wir kennen meist schon vorher die Ursachen, allerdings werden sie immer ignoriert, bis die Katastrophe dann letztendlich eintritt. Irgendwie ein typisches, sich wiederholendes Merkmal der Menschheitsgeschichte.

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