Sentix Marktradar
Anlegern am Anleihemarkt droht ein heißes Quartal

Das zweite Quartal ist meist das schwächste für den Bondmarkt. Kommt es auch diesmal so? Einige Indikatoren deuten auf die Möglichkeit eines Comebacks für Anleihen hin. Anleger könnte das auf dem falschen Fuß erwischen.
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FrankfurtDie Aussichten für den Bondmarkt haben sich aufgehellt. Das zeigt zum Beispiel das mittelfristige sentix Sentiment. Dieses beginnt zu drehen. Darin drückt sich eine beginnende positive Wertwahrnehmung aus, die verschiedene Ursachen haben dürfte. Die erste Ursache scheint in dem Erreichen „runder Marken“ begründet. So notieren zweijährige Bundesanleihen fast bei zwei Prozent, fünfjährige bei knapp drei Prozent. Zehnjährige erreichten 3,5 Prozent und 30-jährige Anleihen die Vier-Prozent-Marke. Der Ankereffekt der Behavioral Finance lässt grüßen. Nachdem die Anleger die Erfahrung extremer Niedrigzinsen gemacht haben, wirken diese Renditeniveaus plötzlich attraktiv und fördern die Wertwahrnehmung.

Der zweite Positivfaktor ist in den Konjunkturerwartungen zu sehen. Der Zenit ist durchschritten, für die USA war sogar ein relativ starker Rückgang der Erwartungswerte feststellbar und Japan ist in die Rezession geglitten. Das führt zu einer positiveren Sicht auf die Bonds, einer beginnenden Irritation gegenüber Aktien und als Endergebnis zu einem spürbaren Shift in der Asset Allocation-Einschätzung bei den Profis.

Gemäß den sentix Investitionsgraden sind die Anleger in Bonds stark untergewichtet, vor allem in Bonds mit längeren Laufzeiten. Damit könnten vor allem längere Laufzeiten wieder stärker gesucht werden, wobei der Einfluss der neuaufgeflammten Euro-Solvenzdiskussion in diesem Umfeld schwer zu kalkulieren sein wird. In Euroland dürfte das Spiel wohl nur für die beste Bonität aufgehen (Bunds). Die Tendenz zum „flattening“ dürfte den Bundesanleihen erhalten bleiben, aus dem „bearish flattener“ der letzten Monate könnte aber ein „bullish flattening“ werden. Das würde die Anleger erneut auf dem falschen Fuß erwischen.

Unter "flattenings" versteht man die Tendenz, dass sich der Zinsabstand zwischen zwei- und zehnjährigen Anleihen verringert. Von einem "bearish flattening" spricht man, wenn gleichzeitig das allgemeine Zinsniveau steigt. In diesem Szenario verlieren kurzlaufende Anleihen durch einen überdurchschnittlichen Zinsanstieg besonders stark. Im Szenario eines „bullishen flattenings“ verringert sich der Abstand zwischen den kurz- und langlaufenden Zinsen ebenfalls, das Zinsniveau sinkt dabei jedoch zumindest für die langlaufenden Anleihen. Hier sind also überdurchschnittliche Kursgewinne möglich, während kurzlaufenden Anleihen eventuell nur seitwärts tendieren.

Unter dem Strich bietet das zweite Quartal Bonds wahrscheinlich ein deutlich größeres Potenzial als das erste. Die Anleger, die sich auf einen Bond-Bärenmarkt eingerichtet haben, könnten nun doppelt erwischt werden. Im ersten Quartal unterschätzte man „nur“ die Portfoliowirkung eines „bearish flatteners“. Damit hat man zwar auch Geld verloren, gegenüber dem Bondmarkt als Ganzem jedoch meist eine Outperformance erzielt. Im Falle eines „bullish flatteners“ liegt man jedoch mit der derzeitig von vielen Akteuren favorisierten Positionierung (Hauptgewicht in kurzlaufenden Anleihen) wahrscheinlich deutlicher daneben.

 

Manfred Hübner
Manfred Hübner
Sentix / Geschäftsführer

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