Sentix Marktradar

Der Euro-Ausverkauf hat begonnen

Der Vertrauensverlust scheint unaufhaltsam und wächst von Woche zu Woche. Die Anleger reagieren immer panischer: Die Angst vor einem Zerfall der Euro-Zone treibt sie aus dem Euro-Raum.
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Ein griechischer Euro vor der Dax-Kurve: Die Börse reagiert empfindlich auf jede weitere Nachricht aus Athen. Quelle: dpa

Ein griechischer Euro vor der Dax-Kurve: Die Börse reagiert empfindlich auf jede weitere Nachricht aus Athen.

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DüsseldorfTiefrote Vorzeichen an der Börse: Der Dax liegt mehr als drei Prozent im Minus, nachdem er bereits am Freitag fast zwei Prozent verloren hatte. Auch der Euro gerät zum US-Dollar immer weiter unter Druck. „Der Ausverkauf hat begonnen“, sagt Patrick Hussy. Für den Sentix-Experten ist das keine Überraschung.  Das Analysehaus befragt wöchentlich 3.500 Investoren und liefert so einen Einblick in die Psychologie der Börsianer.

In den vergangenen Wochen zeigte der Sentix Marktradar vor allem eins: Das Vertrauen der Anleger in den Euro und in die europäischen Aktienmärkte erodiert immer mehr, gleichzeitig wächst die Angst vor weiteren Eskalationsstufen der Schuldenkrise. „Was wir jetzt sehen, ist die Reaktion auf dieses Stimmungsbild“, sagt Hussy. „Wir sehen einen letzten Ausverkaufsimpuls, der in der Regel von sehr schlechten Nachrichten begleitet wird. Die dadurch ausgelösten Ängste führen bei den Anleger zu Panikverkäufen.“

Die Situation spitzt sich zu: Griechenland steht endgültig vor der Pleite und es wird immer wahrscheinlicher, dass auch Spanien unter den Rettungsschirm schlüpfen wird. Die Folge: Investoren sichern Positionen ab oder stellen sie gleich ganz glatt, steigen also aus. „Das alles geschieht sehr emotional – Angst und Panik überwiegen“, erklärt Hussy. „Rationale Argumente werden dann nicht mehr gehört.“

Der Sentix-Experte liest aus den aktuellen Umfragedaten – genauer aus dem Time Differential Index – aber auch einen möglichen Kontraindikator ab. Denn obwohl die Angst sehr groß ist, hat sich die mittelfristige Stimmung für die Gemeinschaftswährung nicht weiter verschlechtert. „Ein Kaufsignal“, analysiert Hussy. „Es würde uns nicht wundern, wenn der Euro bei 1,20 US-Dollar einen Boden ausbilden würde und dann eine längere Erholungsphase anstehe.“

Kaufen, wenn die Kanonen donnern
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26 Kommentare zu "Sentix Marktradar: Der Euro-Ausverkauf hat begonnen"

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  • .. SPD und GRÜNE werden mit persönlichen Bürgschaften
    Griechenland und den EURO retten ! Wo ist das Propblem ?

  • Hi, der User Radiputz (10:57) zeigt eine Auswahl guter Möglichkeiten auf. Beinahe hätte er damit einen Volltreffer gelandet.

  • Gratuliere, gute Auswahl...

  • N a, das ist doch wohl klar, Fremdwährungskonten, Aktien, Australien, Singapur, Hongkong, meinetwegen auch ein paar ausgesuchte US-Werte, dazu Nestle, Roche, also Schweizer Aktien, Norwegische Kronen ins Schließfach neben den Goldbarren, dazu ein paar Oldtimer für´s Vergnügen und wer sich auskennt Kunst.

  • "Ein informativer Artikel über den Aktienmarkt. Wäre es nicht toll, jeden Tag einen Artikel über die Realwirtschaft zu lesen? Wo das Geld der ehrlichen Leute verdient wird, das Arbeitsplätze schafft, das den Wohlstand der Völker aufgebaut hat?"

    Richtig, aber damit kann keine Gier befriedigen, sondern müßte sich eigene Gedanken machen und eigene Investitionen immer wieder vorher analysieren, den Markt selbst beobachten und schauen wo man langfristig am besten investiert.
    Der Analystenmarkt, die Börsenbriefe, die Finanzpresse und alle anderen die Tipps zum "Geld machen" geben, nutzen das Sicherheitsbedürfnis aus, spielen damit und bringen so "die Märkte" in eine Richtung, die mit realer Wirtschaft nichs mehr zu tun hat. Die Finanzwirtschaft regelt so tatsächlich die Politik, bringt diese in Zugzwang welcher streng genommen, nicht nötig ist, wenn man eine am Bedarf produzierende Wirtschaft hat. Aber auch der Bedarf wird inzwischen so manipuliert, das sogar solche Firmen wie Facebook mit einer immensen Überbewertung den Bedarf vom realen Wert abkoppeln und für weitere Unsicherheiten sorgen.

  • Nur wer sich in diesen Sog nicht reinziehen läßt gewinnt auch.
    Ich darf mich anderen Kommentatoren anschließen, großes Gebrüll, Untergang, Pleite - der Dollar sinkt, der Euro steigt, dasselbe wenn Euro sinkt, und Dollar steigt.
    Sinkt der Euro, werden die USA-Exporte teurer, hier kommt irgendwann wieder Schwenk, genauso umgekehrt.
    Das kommt so sicher wie der Sonnenaufgang, nur den kann man besser berechnen, sprich man muß sich nicht abhängig von Luftschleusen machen und sich aus Derivaten und Hebelfonds raushalten. Denn die Bücher und Tipps für angebliche gute und effektive Geldanlagen, die verkauft werden, werden um derer selbst willen als Produkte verkauft. Die eigene Nase ist immer noch beste Investition.

  • Ein informativer Artikel über den Aktienmarkt. Wäre es nicht toll, jeden Tag einen Artikel über die Realwirtschaft zu lesen? Wo das Geld der ehrlichen Leute verdient wird, das Arbeitsplätze schafft, das den Wohlstand der Völker aufgebaut hat?
    Gerade wir in DE haben doch noch eine gut funktionierende Realwirtschaft, von der das UK und die USA nicht mal nachts zu träumen wagen, die in den letzten Jahrzehnten ihre Realwirtschaft in Billiglohnländer ausgelagert und seitdem durch ihre Finanzbetrugswirtschaft, ohne zu arbeiten, wie im Paradies, Geld verdienen wollten. Dieser Traum hat sich seit 2007 ausgeträumt, als die Finanzbetrugswirtschaft kollabierte und von den ehrlichen Steuerzahlern, den Arbeitern und Angestellten, die jeden Morgen an der Stechuhr stehen, gerettet wurden. Gerettet ist das falsche Wort. Die Finanzbetrugsmafia sitzt immer noch auf ca. 600 Billionen $ absolut wertloser Papierschnipsel, aus den Bilanzen in Schattenbanken ausgelagert, um sie vor dem sofortigem Kollaps zu bewahren. Da is nix mehr zu retten, da is Feierabend.
    Die Jungs und Mädels in der Finanzbetrugswirtschaft, die man mit Billionen vor dem sofortigem Kollaps gerettet hatte, erhalten Löhne und Boni, als wäre noch nie etwas gewesen, bezahlt von den ehrlichen Bürgern, deren Löhne und Sozialleistungen immer weiter gekürzt werden. Nur durch ein Trennbankensystem kann diese Finanzbetrugsgesellschaft vernichtet werden. Doch dies wissen die gekauften Politiker schon zu verhindern.

    Wir sind die 99%!! Der Aufstand der Massen – schon mehr als nur überfällig. Wie lange wollen wir diesem schamlosen Treiben einer selbsternannten Elite noch zuschauen, die sich mit den erhaltenen Steuergeldern über Parteispenden unsere Politiker kaufen, die entgegen ihrem Amtseid das Volk verraten?
    Wie man mit Hochverrätern umgeht, kann man in den Geschichtsbüchern nachlesen. Wie lange muss ein Volk gedemütigt, geknechtet und versklavt werden, bis sich Widerstand regt? Wie immer man das interpretieren mag!!

  • Wer sagt / schreibt "kaufen, wenn die Kanonen donnern", dem rufe ich zu: "Greife nie in ein fallendes Messer".
    Wer sagt / schreibt "Greife nie in ein fallendes Messer" , dem rufe ich zu: "Kaufe, wenn die Kanonen donnern".
    Bitte weniger Bauernregeln im Wirtschaftsjournalismus ;-)

  • Hi Wadenwicker, wäre toll wenn Sie mir mal erklären würden, WIE/WO Sie die Kohle angelegt haben. Gerade eine Wohnung verkauft .....

  • Solche Fragen beantworte ich grundsätzlich nicht. Big Brother hört bzw. liest immer mit.

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