Sentix Marktradar
Die Angst ist da - endlich!

Die Stimmung an den Börsen ist denkbar schlecht. Bei Aktien und dem Euro herrscht Angst – und das ist gut so, sagen die Experten des Analysehauses Sentix. Doch es fehlt etwas Entscheidendes, um Entwarnung zu geben.
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DüsseldorfAn den Märkten herrscht Krisenstimmung. Die Schuldenkrise hat die Börsen fest im Griff. Der Dax ist erstmals seit Jahresbeginn wieder unter die Marke von 6.000 Punkten gefallen. „Die Angst der Anleger ist deutlich messbar“, sagt Manfred Hübner von Sentix. Das Analysehaus befragt wöchentlich 3.500 Investoren und liefert so einen Einblick in die Psychologie der Börsianer. „Bei vielen Märkten wie etwa dem Euro Stoxx 50 nähern wir uns Extrembereichen.“ Auch für den Dax sehen Anleger derzeit schwarz. Vor allem kurzfristig trauen die Investoren den Aktienmärkten nichts mehr zu, im Gegenteil. Die Stimmung ist unterirdisch, hat sogar ein neues 52-Wochen-Tief erreicht. „Leider geben auch die mittelfristigen Werte nach, allerdings weniger stark als die kurzfristige Stimmung“, sagt Hübner.

Die Sentix-Datenlage ist zwar prinzipiell positiv für die Märkte. Denn wenn kurzfristig die Angst regiert, dann ist das eigentlich ein Signal dafür, dass die Märkte bald drehen. „Doch um strategische Entwarnung zu geben, fehlt noch ein Puzzleteil“, so der Sentix-Experte. „Bisher beobachten wir lediglich eine schleichende Portfolio-Bereinigung, es fehlt noch immer ein klassischer Ausverkaufstag.“

Sorgen bereitet den Experten vor allem die mittelfristige Wertwahrnehmung. Noch in der vergangenen Woche hatten sich Hübner und sein Team über die überraschende Stabilisierung der mittelfristigen Erwartungen gewundert, doch damit ist es nun vorbei. Der Wert ist auf ein neues Jahrestief abgeschmiert. „Die Verunsicherung ist groß, doch die Chance auf eine technische Erholung bleibt“, sagt Hübner. „Allerdings dürften mittelfristig orientierte Anleger eine solche Kurserholung eher als Verkaufschance werten.“

Die aktuelle Datenlage erinnert ihn stark an den vergangenen August. Damals ging es auch kräftig abwärts, es folgte eine Stabilisierung mit geringen Kursausschlägen nach oben, doch dann ging es wieder abwärts. „Ähnlich dürfte es auch jetzt wieder laufen“, so Hübner.

Größtes Sorgenkind ist die Konjunktur. „Auch hier kippt die Stimmung“, sagt der Experte. „Euro-Land wird konjunkturell immer mehr zum globalen Sorgenkind.“ Dass die Euro-Zone in ihrer heutigen Form noch lange Bestand hat, glaubt er nicht. „Die Märkte treiben die Politik zur ultimativen Entscheidung“, sagt Hübner. „Solange die Politik sich aber verweigert, erodiert das Vertrauen in den Märkte immer weiter.“

Die Sentix GmbH ist der führende Anbieter von Stimmungsindikatoren und Sentimentanalysen in Europa. Mehr als 3.500 Investoren beteiligen sich wöchentlich an den Umfragen, die einen umfassenden und zeitnahen Einblick in die Psychologie der Börse gewährt. Das sentix Marktradar durchleuchtet Woche für Woche, welche Sentimententwicklungen für die Märkte relevant sind. Erfahren Sie mehr unter http://www.sentix.de

Jessica Schwarzer
Jessica Schwarzer
Handelsblatt / Chefkorrespondentin Börse

Kommentare zu " Sentix Marktradar: Die Angst ist da - endlich!"

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  • @Birte, @AllesQuatsch, @William ... ich lese gerade erst diese Beiträge hier und muss grinsen über so viel - Entschuldigung! - Borniertheit.

    Sentix untersucht mittelfristige und kurzfristige Stimmungen (und damit Stimmungsschwankungen) bei institutionellen und privaten Anlegern. Dies betrifft jene Marktteilnehmer, die ständig im Markt aktiv sind und daher auch sehr kurzfristig bis mittelfristig (Zeitraum 6 Monate) die Entwicklung beobachten bzw. handeln. Wenn man die Marktbewegungen in diesen Zeitfenstern betrachtet, dann kann man leicht erkennen, dass die Bullen von dieser Woche letzte Woche „bearish“ oder "flat" gewesen sein müssen, immer wieder also ihre Positionen ändern. Sentix tut nichts anderes als die Korrelation zwischen Preis- und Stimmungsbewegung zu analysieren. Ist die Korrelation kurzfristig positiv so sind die Schlussfolgerungen andere als bei entsprechend negativen oder nicht erkennbaren Korrelationen usw. - Als jahrelanger Beobachter kann ich sagen: Sentix liegt mit seinen Kurzfrist-Prognosen sehr oft richtig. Entscheidend ist aber, dass selbst die Schieflagen für den Marktteilnehmer wichtige "Botschaften" enthalten - weiß er nämlich, dass andere entscheidende Marktteilnehmergruppen als die von Sentix befragten in den Handel eingreifen.

    Die "Behavioral Finance" zielt im Grunde auf nichts Anderes ab als andere Analysemethoden auch: sie möchte Positionierungen im Markt ermöglichen. Die Besonderheit dabei ist, dass sie versucht, die Triebkräfte im Markt VOR der Preisbewegung mittels Sentiment-Erhebung zu erfassen. Die Anwürfe "stupid", "Spam" usw. entbehren leider jeder sachlichen Argumentation. Mir fällt dazu nur der Spruch des Kabarettisten Dieter Nuhr ein: "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten."

  • Vielleicht sollte man in dem Artikelheader einen Button "als Spam melden" einfügen?

  • das gibt mir zu denken. ich habe mir mal den dax-chart angeschaut. vor 10 jahren war der nicht mal die hälfte wert. und wenn ich mir den chart noch genauer so anschaue, sehe ich eigentlich eine seitwärtsbewegung mit leichter aufwärtstendenz. was soll also die panikmache? wenn der dax bei 4000 wäre, dann sollte man sich langsam sorgen machen. hier wird auf hohem niveau gejammert.

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