Sentix Marktradar
„Ein wenig mehr Hysterie wäre gar nicht schlecht“

Der Dax legt heute deutlich zu und klettert über 7.100 Punkte. Doch für Entwarnung ist es noch zu früh. Die Stimmung an der Börse wird von Woche zu Woche schlechter - sie ist aber noch nicht schlecht genug.
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DüsseldorfNachdem der Dax am Freitag unterhalb der psychologisch wichtigen Marke geschlossen hatte, erobert er sie heute locker zurück. Der Index kletterte sogar kurzzeitig über 7100 Punkte. Doch für Entwarnung ist es noch zu früh. „Die Stimmung ist schlecht, könnte aber noch ein bisschen mehr Pessimismus vertragen, um ein antizyklisches Kaufsignal zu generieren", sagt Patrick Hussy vom Analysehaus Sentix. „Ein Bruch der 7.000 Punkte-Marke wäre ein idealer Katalysator, um einen Ausverkauf auszulösen.“ Sentix befragt wöchentlich mehr als 3.500 institutionelle und private Investoren und liefert so einen Einblick in die Psychologie der Börsianer.

„Es ist eine gehörige Portion Angst im Markt, aber Panik ist das noch nicht“, fasst Hussy die Ergebnisse des aktuellen Marktradars zusammen. Ein wenig mehr Hysterie wäre aber gar nicht schlecht, um wieder klare Kaufsignale zu sehen. Denn die kurzfristige Stimmung der Anleger gibt den Sentix-Experten ein antizyklisches Signal. Je größer die Angst der Börsianer, desto eher dreht der Markt. „Ein letztes Quäntchen Angst fehlt noch, aber trotzdem haben wir insgesamt ein Bild, das mittelfristig positiv erscheint“, so Hussy. „Die kurzfristige Stimmung verschlechtert sich, doch die mittelfristigen Erwartungen der Anleger sind relativ stabil.“

Für eine deutliche Erholung der Märkte bräuchte es also nochmals einen deutlichere Rücksetzer. "Kommt es zu einer Angst-Attacke der Anleger und der Dax rutscht bis zu seiner Unterstützungszone um 6.880 Punkte ab, könnte das ein interessanter Einstiegssignal sein", sagt Hussy. Ein solcher, kurzfristiger Mini-Crash wäre die optimale Voraussetzung für nachhaltig steigende Kurse. "Eine klassische Bärenfalle, das wäre ideal"' ergänzt er. Bärenfallen charakterisieren sich dadurch, dass sie offensichtliche Verkaufssignale liefern, um damit nervöse Anleger abzuschütteln.

Häufig wird jedoch wenige Tage danach die Bewegung gekontert, die Märkte sind dann aufgrund der überaus negativen Stimmung frei für einen neuen Bullenmarkt. "Unser Time Differential Index, der den Unterschied zwischen kurzfristiger Stimmung und mittelfristiger Markterwartung misst, ist nur noch wenige Punkte von einem solchen Kaufsignal entfernt."

Schon jetzt könnten Anleger darüber nachdenken, Positionen aus- oder aufzubauen und unterbewertete Substanzwerte einsammeln. Wann das von vielen Börsianern wahrscheinlich sehnlichst erwartete Kaufsignal kommt, darüber mag Hussy keine Prognose abgeben. Er warnt allerdings wie bereits im Oktober: "Die Konsolidierung endet unschön."

Die Sentix GmbH ist der führende Anbieter von Stimmungsindikatoren und Sentimentanalysen in Europa. Mehr als 3.500 Investoren beteiligen sich wöchentlich an den Umfragen, die einen umfassenden und zeitnahen Einblick in die Psychologie der Börse gewährt. Das sentix Marktradar durchleuchtet Woche für Woche, welche Sentimententwicklungen für die Märkte relevant sind. Erfahren Sie mehr unter: www.sentix.de

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Jessica Schwarzer
Jessica Schwarzer
Handelsblatt / Chefkorrespondentin Börse

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