Sentix Marktradar

Investoren schreiben den Euro ab

Die Stimmung der Anleger wird immer schlechter. Die meisten rechnen damit, dass der Euro auseinanderbricht und die Börsenkurse fallen. Die aktuelle Umfrage des Analysehauses Sentix macht wenig Hoffnung – im Gegenteil.
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Fallende Kurse erwartet: Investoren sehen mittelfristig rabenschwarz für deutsche Aktien. Quelle: dpa

Fallende Kurse erwartet: Investoren sehen mittelfristig rabenschwarz für deutsche Aktien.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Mehrheit der Anleger an den Finanzmärkten rechnet mit dem Zerfall der Euro-Zone. Das hat eine Umfrage des Analysehauses Sentix ergeben. Von den rund 1000 Befragten erwarteten 56 Prozent, dass innerhalb der kommenden zwölf Monate mindestens ein Land aus der Währungsunion austreten wird.

Dabei betrachteten rund 89 Prozent Griechenland als den wahrscheinlichsten Austrittskandidaten. Einen Abschied Deutschlands aus der Währungsunion halten 5,3 Prozent für möglich, darunter vor allem Privatanleger. Auf Platz drei der möglichen Austrittskandidaten folgt Spanien, das 1,3 Prozent der Befragten als Wackelkandidaten ansehen. An der Umfrage beteiligten sich private und institutionelle Investoren.

Nicht viel besser ist die Stimmung, wenn es um die Entwicklung der Aktienmärkte in den kommenden Wochen geht. „Die Stimmung der Anleger wird von Woche zu Woche schlechter“, sagte Patrick Hussy von Sentix. Das sogenannte mittelfristige Sentiment läuft der Börsenentwicklung in der Regel einige Wochen voraus. Es gilt als Indikator für die künftige Entwicklung der Märkte.

In den vergangenen Tagen rutschte der Dax bereits deutlich ab - allein am heutigen Montag ging es um mehr als zwei Prozent abwärts. Der große Absturz sei das aber noch nicht, meinte Hussy.

Obwohl die Investoren mittelfristig rabenschwarz sehen, verkaufen sie aber ihre Bestände nicht. Im Gegenteil: „Die Profis haben in der laufenden Konsolidierung ihre Aktieninvestments wieder etwas hochgefahren“, sagt Hussy. Doch wie passen diese Umfrageergebnisse zusammen? Warum kaufen die Investoren noch zu, wenn sie doch mit fallenden Kursen rechnen. „Wir erleben hier eine kognitive Dissonanz, ein Spannungsverhältnis zwischen dem Denken und dem Handeln“, erklärt Hussy. „Doch Menschen ertragen eine solche kognitive Dissonanz nicht lange, sie fühlen sich damit äußerst unwohl.“ Es brauche oft nur ein einziges Ereignis wie beispielsweise den Absturz einer bekannten Aktie oder eine unerwartet schlechte Wirtschaftszahl und schon würden die Investoren handeln, teilweise sogar sehr extrem.

Die aktuelle Umfrage zeigt deutlich, dass Anleger sich auf weiter fallende, vielleicht sogar stark fallende Kurse einstellen müssen. „Jeglicher Hoffnungsschimmer ist an den Märkten zuletzt verpufft“, so Hussy. Das Ja der Griechen zum Euro, die schnelle Regierungsbildung, die teils positiven Signale vom Rentenmarkt – die Stimmung der Investoren konnte das nicht aufhellen. Hussy wundert das nicht: „Die Konjunktur rückt wieder stärker in den Fokus der Anleger“, sagt er. „Zuletzt gab es viele negative Konjunkturdaten, nicht nur aus Europa.“ Keine guten Zeichen für eine weitere Erholung an den Märkten, ganz im Gegenteil.

 

Die Sentix GmbH ist der führende Anbieter von Stimmungsindikatoren und Sentimentanalysen in Europa. Mehr als 3.500 Investoren beteiligen sich wöchentlich an den Umfragen, die einen umfassenden und zeitnahen Einblick in die Psychologie der Börse gewährt. Das sentix Marktradar durchleuchtet Woche für Woche, welche Sentimententwicklungen für die Märkte relevant sind. Erfahren Sie mehr unterhttp://www.sentix.de

 

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17 Kommentare zu "Sentix Marktradar: Investoren schreiben den Euro ab"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Austrian:
    "Das Beste am Handelsblatt sind die Kommentare! DIE machen echte Hoffnung! Danke liebe Kommentatoren!"

    In der Tat. Deswegen nochmal mein Dank ans Handelsblatt, diese intensive Diskussion auf ihrer Platform zuzulassen. Auch das ist ein Dienst am Vaterland. ;)

  • Titel: "Investoren schreiben den Euro ab": 89% rechnen damit, dass Griechenland austritt. Das wars aber auch!. Platz 2: Ganze 5% rechnen mit dem Austritt Deutschlands (also 95% NICHT), bei Platz 3, Spanien, rechnen gar 99% mit dem verbleib in der Eurozone. Zu deutsch: 95% der Insevstoren rechnen damit, dass außer Griechenland kein anderes Land den Euro verlassen wird. Die Überschrift zum Artikel ist also kognitiver Schwachsinn! Gleichzeitig dokumentiert sie die mediale Hetzjagd auf den Euro, die Hauptverursacher der aktuellen Krise ist. Redakteuer als willfährige Büttel der Shortseller!

  • PAPPERLAPAPP - GRIECHENLAND IST PLEITE!
    Bis zum Schluß den Artikel gelesen. Erst dann nicht mehr gewußt, warum? Kognitive Dissonanz!
    Und so dürfen wir wohl auf Geistheiler, Konkursbesprecher und astrologische Wahrsager neben Quacksalbern vertrauen, die uns insgeheim mitteilen werden, was so FIMOSTAPO und GOLDMAN-SACHS so mit uns und Griechenland vorhaben. Und mit dem Rest vom Pippi-Europa:
    NONKOGNITIVE KONKORDANZ!
    Ob das klappt?
    Im 21. Jhdt.?
    Da,..., .. habe sie, vom Himmel herab, diee Eingebung:
    EINFÜHRUNG DES AMERIKANISCHEN DOLLAR IN DER
    SONDERWIRTSCHAFTSZONE GRIECHENLAND ENDE DES JAHRES!

  • Wann begreift es endlich der letzte Mensch, dass die Börsen und die Banken nichts anders als ein grosses Spielcasino sind.
    Leider mit nicht gleichen Aufsichtsregeln. Denn dann hätten schon lange einige Mitspieler (Banken, sowie Staaten) dringend gesperrt werden müssen.

  • Ein gutes Beispiel kognitiver Dissonanz.

  • Laut Habla war die Aktienrendite der letzten 10 Jahre durchschnittlich 3,1%.
    Wer 2007 einen Goldbarren kaufte, zahlte dafür 17 500 €.
    Heute bekommt er dafür mindestens 40 000 €.
    Was glauben die verehrten Sachverständigen, wie der Goldpreis sich entwickeln wird, wenn das kommt, was jeder weiß, aber dank "kognitiver Dissonanz" erfolgreich verdrängt.
    Ich halte es mit dem sagenhaften US-Grünspan, der gesagt hat:
    "Die Goldbesitzer werden die Einzigen sein, die ihr Vermögen erhalten können." Zitat Ende.

  • Man munckelt übrigens, dass Berlusconi mit "Italien raus aus dem Euro" wieder an die Macht gelangen will.

    Dann mach ich nur noch Urlaub in Italien. :-))

  • Das Beste am Handelsblatt sind die Kommentare! DIE machen echte Hoffnung! Danke liebe Kommentatoren!

  • Eine gute Nachricht.

    Wenn die Griechen endlich raus sind, gehen die anderen auch. Wie schon der Zahnarzt weiß: "Von der Lücke zur Brücke". Aber bis zur Kauleiste dann.

  • "Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich's Wetter oder es bleibt, wie es ist!"

    So ungefähr erscheint in den letzten Wochen (Monaten, Jahren) die Kakophonie der selbsternannten Finanzexperten. Und unsere Medien scheuen sich nicht, den Quatsch auch noch abzudrucken.

    Klar, Griechenland könnte aus dem Euro austreten. Das ist noch lange kein Zerfall der Eurozone. Eine gewisse Inflation ist sicherlich zu erwarten, insbesondere in Deutschland aufgrund der im Vergleich niedrigen Verbraucherpreise und der höheren Lohnabschlüsse. Vermögensgegenstände werden sicherlich überdurchschnittlich ansteigen. Aber 5% Inflation über ein paar Jahre wären bei entsprechenden Lohnabschlüssen eine harmlose Lösung des Problems. Wenn die Zeit dazu genutzt wird (und das ist der schwierigste Punkt), in den Krisenstaaten neben dem Fiskalpakt eine funktionierende Steuerbehörde und ein Hartz4-ähnliches System einzuführen, wäre die Krise in 5 Jahren Geschichte.

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