Sentix Marktradar
Schnäppchenjäger verzweifelt gesucht

Die Aktienkurse stürzen ab, doch zum Einstieg drängt es kaum einen Anleger. Die Stimmung schwankt zwischen Hoffnung und Depression. Wichtig wäre jedoch eine Akzeptanz der nach wie vor brenzligen Situation.
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FrankfurtDie Aktienmärkte kommen nicht zur Ruhe. Was sich an der viel zu schwachen technischen Erholung der letzten beiden Wochen schon zeigte, wurde in dieser Woche zur Gewissheit: Der Dax fällt auf ein neues Jahrestief und damit den niedrigsten Wert seit Sommer 2009 zurück.

Mit Blick auf die Sentix-Sentimentwerte kann dies nicht überraschen, denn trotz der starken Verluste der letzten Wochen nehmen die Anleger Aktien noch immer nicht als günstig war. Somit ist auch weit und breit nichts bis wenig von den sogenannten Schnäppchenjägern zu sehen, die zu anderen Zeiten einem schwächelnden Markt zur Hilfe kamen. Und selbst die zwischenzeitlich in unseren Daten messbare Angst war schon letzte Woche wieder verflogen - und ist noch nicht wieder zurückgekehrt.

Betrachtet man den Medien- und Analystentenor, so fällt auf, dass allenthalben große Ratlosigkeit bis Unverständnis über den - scheinbar plötzlich - über uns hereingebrochenen Bärenmarkt zu beobachten ist. Deshalb kann sich auch keine Angst entwickeln, sondern es regieren Gefühle von Hoffnung bis Depression. Wir brauchen jedoch den Zustand der Akzeptanz um eine nachhaltige Gesundung der Märkte zu erleben und diese Akzeptanz setzt Erkenntnis und Einsicht voraus.

Bleibt die Frage, was von den Investoren zu akzeptieren ist. Da wäre zunächst die konjunkturelle Abkühlung zu nennen, die gemäß der neuesten Daten des Sentix-Konjunkturindex weiter voranschreitet und - gemessen an den Lagewerten - relativ zügig auf die Realwirtschaft überzugreifen droht. Für die USA bleibt es bei der Diagnose, dass eine Rezession außerordentlich wahrscheinlich ist. Beides ist noch nicht Bestandteil des Marktkonsens.

Die zweite, bittere Pille dieser Tage ist die Handlungsunfähigkeit von Notenbanken und Politik, die Krisenursachen nachhaltig einzudämmen. Hier ist zum Beispiel eine EZB zu nennen, die nach unseren Daten schon in dieser Woche ihre geldpolitische Haltung ändern müsste, es jedoch kaum tun wird. Auch das Risiko, dass irgendeines der zur Abstimmung über die Euro-Hilfspakete aufgerufenen Parlamente aus der Reihe tanzt, gehört zu diesem Komplex.

Und last but not least wächst die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland nicht mehr im Euro zu halten ist, zumal sich die Zeichen mehren, dass die griechische Regierung zunehmend erschöpft ist und am Ende vielleicht einfach keine Lust mehr hat, sich alle drei Monate für ihre "mangelnden Bemühungen" vor einer "Troika" rechtfertigen zu müssen.

Sollten diese Risiken zeitgleich Realität werden, wäre ein Szenario zu akzeptieren, welches dann den Anleger auch wirklich Angst bereiten dürfte.

Manfred Hübner
Manfred Hübner
Sentix / Geschäftsführer

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