Es war der größte Kurseinbruch seit den Anschlägen vom 11. September 2001: Innerhalb weniger Stunden fiel der Dax um mehr als sieben Prozent - zum Handelsschluss notierte er bei 6 790 Punkten. Händler sprachen von panikartigen Verkäufen: "Die Nerven liegen blank." Die Aussichten für den morgigen Tag sind nicht besser.
6762,77 - die Kurstafel im Frankfurter Handelssaal zeigt den tiefsten Stand des Tages im Dax. Foto: ap
HB FRANKFURT. Angst vor den Folgen einer Rezession in den USA hat am Montag die Anleger in Europa erfasst. Der Dax stürzte bis Handelsschluss um 7,1 Prozent auf 6 790 Punkte ab. Das war der größte prozentuale Tagesverlust seit den Anschlägen vom 11. September 2001, als der Dax 8,5 Prozent verloren hatte. Einige Börsianer sprachen von einem "Schwarzen Montag". Noch am ersten Handelstag des neuen Jahres hatte der Dax 8 100 Punkte erreicht.
"Rette sich, wer kann" heiße die Devise, fasste Helaba -Marktanalyst Mirko Pillep zusammen. "Alles wird rausgeworfen. Die Nerven liegen blank." ICF-Händler Dirk Müller erklärte, der Kurseinbruch habe crashartige Züge. Von einem Börsenkrach oder Crash mochten Händler aber generell noch nicht sprechen, da traditionell erst ein Kurssturz von über zehn Prozent als Crash gelte. Mit 409 Mill. gehandelten Aktien war das Handelsvolumen sogar noch höher als nach den Anschlägen am 11. September 2001. Der Umsatz belief sich auf 19 Mrd. Euro. Zum Vergleich: am vergangenen Montag wurden nicht einmal halb so viele Aktien gehandelt.
Bild für Bild: Die großen Finanzmarktkrisen seit 1987
"Das ist wie ein Schneeballsystem. Fallende Kurse ziehen fallende Kurse nach sich", sagt Boris Boehm, Fondsmanager bei der Nordinvest. "Die Börse neigt zur Übertreibung - erst war die Gier, die die Kurse auf ein Rekordniveau getrieben hat, jetzt sehen wir die Angst", beschreibt Fondsmanager Dennis Nacken von Allianz Global Investors die Lage. Da die US-Börsen am Montag wegen eines Feiertages geschlossen bleiben, hätten viele Anleger Angst vor dem nächsten Tag, erklärte ein Händler.
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Börsianer vermuten, dass vor allem die amerikanischen Investoren angesichts der Subprime-Krise die Flucht aus Europa angetreten sind. "Dafür spricht, dass der Euro mit den europäischen Indizes fällt", erklärt Pillep. Börsianer klagten, dass es kaum Käufer gebe. "Niemand hält dagegen, es sieht fast so aus, als wollte überhaupt niemand mehr Aktien haben", klagt ein Händler. "Keiner will in eine fallendes Messer greifen", sagte ICF-Händler Müller.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Sichere Häfen gibt es nicht mehr
Die Kursabschläge gingen quer durch alle Branchen und trafen auch Aktien von Unternehmen, die sonst gerne als sicherer Hafen gesehen werden - wie die Versorger. E.ON
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Aktien verloren 8,8 Prozent auf 132,97 Euro, RWE
gut sieben Prozent auf 87,06 Euro.
Die größten Verluste wiesen aber die Finanztitel auf, die von der Krise am US-Immobilienmarkt am ärgsten betroffen sind. Die US-Investmentbank Bear Stearns
verdoppelte am Montag ihre Prognose für Abschreibungen der Commerzbank
im Zusammenhang damit. Commerzbank
-Aktien
verloren zehn Prozent auf 18,96 Euro. Die Titel der Deutschen Bank
brachen um 7,3 Prozent ein. Die Postbank
-Aktien
verloren fast acht Prozent. Am ärgsten traf es mit einem Einbruch von 18,5 Prozent erneut die Aktien des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate, die vorige Woche nach überraschenden Abschreibungen schon über 30 Prozent an Wert eingebüßt hatten.
Sehr heftig traf es auch die Deutsche Börse,
den Favoriten des Börsenjahres 2007, deren Aktien um zehn Prozent auf 103,88 Euro absackten. "Da machen die Anleger einfach Kasse", sagte ein Händler.
Einen Ausverkauf gab es auch bei den Nebenwerten. Der MDax verlor 5,8 Prozent auf 7940 Punkte. Zu den größten Verlierern zählten einige Chemieaktien, die als konjunktursensitiv gelten. SGL
Carbon verloren 12,5 Prozent und Wacker Chemie
zehn Prozent. Die Titel von ProSieben brachen um 11,6 Prozent auf 12,05 Euro ein. Bei den Technologiewerten machten die Anleger bei den Aktien der Solarunternehmen Kasse. Centrotherm,
einer der erfolgreichsten Börsengänge des vorigen Jahres, fiel um fast 20 Prozent auf den Ausgabekurs von 34,50 Euro zurück. Der TecDax fiel um neun Prozent auf 720 Punkte.
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Die US-Aktienfutures haben am Montag angesichts von Sorgen vor einer US-Rezession deutlich im Minus tendiert. Der S&P-Future notierte 3,9 Prozent tiefer, der Nasdaq 3,45 und der Dow-Jones
-Future
3,5 Prozent. Die Börsen in New York blieben am Montag wegen eines Feiertags geschlossen. Die Futures deuten damit aber auf deutliche Kursabschläge zu Handelsbeginn am Dienstag hin.
An den anderen Handelsplätzen weltweit kam es am Montag zu regelrechten Panikverkäufen, weil Anleger ein Übergreifen des US-Abschwungs auf die Weltwirtschaft fürchten.
Der 225 Werte umfassende japanische Nikkei-Index hatte den Handel 3,86 Prozent niedriger bei 13 325 Punkten beendet. Damit hat er seit Juli etwa eine Viertel seines Wertes aufgegeben. Der breiter gefasste Topix-Index verlor 3,56 Prozent auf 1293 Zähler.
Die Börse in Hongkong lag 2,8 Prozent im Minus, in Seoul betrug der Verlust 2,9 Prozent. Auch Taiwan und Singapur lagen in Minus. Die US-Börsen hatten am Freitag leichte Verluste hinnehmen müssen.
Besonders hart traf es Exportfirmen, die vom amerikanischen Markt abhängig sind. LG.Philips
verlor 4,7 Prozent, Toyota
Motor 3,3 Prozent und Sony
2,1 Prozent. Im Zuge der Hypothekenkrise blieben auch Bankentitel weiter unter Druck. Mizuho-Financial-Aktien fielen um fast fünf Prozent.
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