Nach vergeblichen Erholungsversuchen hat der deutsche Aktienmarkt am Freitag schwach geschlossen. Händler sagten, dass der Druck über die Futures-Märkte komme. Zudem seien die Umsätze angesichts des Nationalfeiertages in den USA und der dort geschlossenen Märkte extrem gering.
HB FRANKFURT. Erneuter Verkaufsdruck auf den Finanztiteln hat den deutschen Aktienmarkt am Freitag wieder auf Talfahrt geschickt. Eine negative Studie der Investmentbank Goldman Sachs belastete nicht nur den Sektor, sondern die gesamte Marktstimmung. Der Leitindex Dax sank nach einem freundlichen Auftakt um 1,28 Prozent auf 6 272,21 Zähler und damit auf den niedrigsten Schlussstand seit März. Im Wochenverlauf gab er damit 2,3 Prozent nach. Der MDax der mittelgroßen Werte verlor 0,21 Prozent auf 8 480,22 Zähler. Der Technologiewerte-Index TecDax büßte 0,60 Prozent auf 734,26 Zähler ein.
Dass Goldman Sachs in einer Branchenstudie zu europäischen Geldinstituten mit einem weiteren Kapitalbedarf der Banken von 60 bis 90 Mrd. Euro rechnet, habe den Anlegern die Stimmung verdorben, sagte ein Händler. "Allerdings waren die Handelsvolumina wegen des US-Feiertags sehr gering", sagte ein weiterer.
„Nachdem sich eine Erholung nicht durchsetzen konnte, müssen wir wohl mit einem erneuten Test des Jahrestiefs bei 6 168 Punkten rechnen“, meinte ein Händler. Man erwarte im Handel zwar eine Gegenbewegung, aber das bisherige Fehlen eines echten Ausverkaufs sorge für Zurückhaltung bei potenziellen Schnäppchenjägern. Zur Vorsicht gemahne auch, dass bisherige Erholungsansätze rasch verpufft seien.
Die Aktien der Commerzbank
verloren 4,34 Prozent auf 18,74 Euro und die der Postbank
4,80 Prozent auf 52,55 Euro. Die Titel der Deutschen Bank
fielen um 2,83 Prozent auf 54,23 Euro, ungeachtet der vor wenigen Tagen gemachten Aussagen, dass im zweiten Quartal keine Kapitalerhöhung nötig sei. "Mögliche Maßnahmen im dritten oder vierten Quartal waren damit ja nicht ausgeschlossen worden und die Unsicherheit bleibt folglich bestehen", sagte ein Börsianer.
Zu den wenigen Aktien mit Gewinnen zählten die von Infineon
mit plus 1,95 Prozent auf 4,71 Euro. Ernsthafte Gründe gebe keine, hieß es. Die Kursbewegungen von Infineon
seien inzwischen selbst für versierte Börsianer schwer nachvollziehbar geworden und kaum zu erklären.
Aktienanalysen - Wie die Marktstrategen die Lage sehen
Die Titel von Tui
stiegen um 0,49 Prozent auf 14,33 Euro. John Fredriksen, der größte Einzelaktionär des Touristikunternehmens fordert die sofortige Ablösung des Vorstandsvorsitzenden Michael Frenzel. "Wir glauben, dass weitreichende Änderungen in der Führung dieses Unternehmens notwendig sind", schrieb Fredriksen in einem Brief an den Tui
-Aufsichtsrat, der dem "Handelsblatt" vorliegt.
Im MDax verloren die Anteilsscheine von EADS
5,37 Prozent auf 11,45 Euro und waren damit schwächster Wert im Index. Sie wurden vor allem von einer negativen Studie belastet: Die neuen Szenarien für die Konjunktur und den Öl-Preis hätten zu wesentlichen Änderungen im Bewertungsmodell geführt, hieß es bei Cheuvreux. Die Analysten kürzten daher das Kursziel von 18 auf 15 Euro. Kaum Einfluss hatte dagegen die Mitteilung des Airbus-Konzerns, es seien exklusive Verhandlungen mit dem Zulieferer Daher über eine Mehrheitsbeteiligung an dem französischen Kleinflugzeugspezialist EADS
Socata aufgenommen worden.
Im TecDax setzten sich die Titel von Centrotherm
Photovoltaics mit plus 4,37 Prozent auf 52,29 Euro an die Spitze. Sie profitierten von einer Mitteilung am Vortag über Aktienrückkäufe und einer Studie der Commerzbank
, in der unter anderem die gute Auftragslage des Solartechnologie-Unternehmens hervor gehoben wurde.
