Angesichts der anhaltenden Finanzkrise hat sich die Talfahrt des Dax zum Wochenschluss beschleunigt. Er beendete den Xetra-Handel am Freitag sieben Prozent tiefer bei 4 544 Zählern und schloss damit auf dem tiefsten Stand seit rund drei Jahren. Im Tagesverlauf war er zeitweise um knapp zwölf Prozent eingebrochen, so stark wie selten zuvor in seiner 20-jährigen Geschichte.
HB FRANKFURT. Binnen Wochenfrist büßte der Leitindex etwa 22 Prozent an Wert ein. Dies ist rund die Hälfte des gesamten Kursverlustes seit Jahresbeginn von etwa 40 Prozent. Der Aktienumsatz übertraf am Freitag mit 455,5 Mio. gehandelten Papieren den Durchschnitt der vergangenen 90 Handelstage (178,4 Mio. Aktien) um mehr als das Doppelte. Nur 1989 und während der Asien-Krise 1997 hatte es noch höhere Tagesverluste für den Index gegeben.
An der Wall Street war der Dow Jones zur Eröffnung um 8,1 Prozent auf ein Fünf-Jahres-Tief gefallen. Der Nasdaq gab sechs Prozent nach. Bei Xetra-Handelsschluss in Deutschland notierte der Dow noch fünf Prozent schwächer bei 8 150 Stellen. Der Nasdaq verlor vier Prozent auf 1 580 Punkte.
Die Anleger hätten Angst vor einem von der Finanzkrise ausgelösten weltweiten Wirtschaftsabschwung, sagte ein Frankfurter Börsianer. Die Folge sei ein massiver Käuferstreik. „Jetzt werden alle Szenarien durchgespielt: Vom Weltuntergang bis zur globalen Rezession“. Wer seine Investments mit Schulden finanziert habe, sehe sich nun zu Notverkäufen gezwungen.
„Es wäre fast besser, wenn jetzt endlich der große reinigende Ausverkauf käme“, sagte ein Börsianer mit Blick auf die vergleichsweise moderaten Umsätze. „Denn erst wenn sich auch der Letzte von seinen Papieren getrennt hat, kann es wieder aufwärtsgehen.“ Volkswirt Peter Dixon von der Commerzbank sagte: „Einer meiner Kollegen formulierte es folgendermaßen: „Game over. Bitte Münzen einwerfen.'“
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„Am besten wäre es, wenn wir alle Börsen für einige Tage dichtmachen“, sagte ein Aktienhändler. „Dann könnten alle etwas zur Ruhe kommen. Außerdem gebe es dann genügend Zeit, damit sich alle Banken zusammensetzen und ihre Risiken restlos offenlegen können. Dies wäre ein wichtiger Schritt, um das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen.“
Die Deutschen Börse plant nach eigenen Angaben bislang nicht, den Aktienhandel in Deutschland komplett einzufrieren. In einigen anderen Ländern wie zum Beispiel Österreich, Island oder Russland waren die Börsen am Freitag zumindest teilweise geschlossen geblieben.
Große Erwartungen an G7
Große Erwartungen richten sich auf das Treffen der führenden Industrienationen am Wochenende. „Von dem G-7-Treffen erhoffen sich einige eine Art schwedische Lösung für die Krise - also mindestens eine Teil-Verstaatlichung der Banken“, sagte ein Händler. Nach Aussagen eines führenden Koalitionspolitikers plant die Bundesregierung ein Rettungspaket nach britischem Vorbild. Die Londoner Regierung will für mindestens 50 Milliarden Pfund Anteile an strauchelnden Instituten erwerben.
Finanzwerte führer Verliererliste an
Vor allem Finanzwerte warfen Anleger in hohem Bogen aus ihren Depots. In Frankfurt brachen die Aktien der Deutschen Bank um 16 Prozent auf 31,225 Euro ein. In London verbuchten einmal mehr HBOS und Royal Bank of Scotland die größten Abschläge. Deren Papiere rutschten um 19 Prozent beziehungsweise um 20,7 Prozent ab. In der Schweiz fielen die Titel der Credit Suisse um 16,2 Prozent, an der Pariser Börse gaben die Aktien der Societe Generale 13 Prozent nach.
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Einziger Gewinner im Dax war - wie so häufig in den vergangenen Tagen - Volkswagen. Die Titel verteuerten sich um 15,2 Prozent auf 342 Euro. Händlern zufolge wird am Markt weiter darüber gerätselt, ob sich ein Investor verspekuliert hat und sich nun zu jedem Preis mit VW-Aktien eindecken muss.
Die Angst vor einer globalen Rezession hat auch den Ölpreis am Freitag auf ein neues Jahrestief gedrückt. Am Freitag rutschte der Preis der US-Leichtöl der Sorte WTI rund acht Prozent auf 78,86 Dollar je Barrel (159 Liter). Brent verbilligte sich ebenfalls um rund acht Prozent auf 75,95 Dollar. „Die Märkte spielen den großen Konjunkturabschwung“, begründete ein Händler den Preisrückgang.

