Schlechte Nachrichten aus der Finanz- und Automobilbranche haben den Anlegern am deutschen Aktienmarkt am Freitag die Stimmung verdorben. Auch der nicht enden wollende Höhenflug des Ölpreises sorgte für trübe Mienen. Als schockierend bezeichnete ein Experte die Zahlen der Dresdner Bank.
HB FRANKFURT. "Die Serie der Hiobsbotschaften reißt einfach nicht ab", sagte ein Händler. Vor dem Wochenende stieg der Preis für ein Barrel Öl auf über 125 Dollar. Der Dax büßte bis zum Abend knapp ein Prozent auf 7 003 Zähler ein und verlor damit in der abgelaufenen Woche rund 0,6 Prozent. Der Stoxx50 schloss am Freitag 1,4 Prozent niedriger bei 3 228 Zählern.
Auf den Finanzwerten lasteten vor allem die schlechten Zahlen von AIG. Der weltgrößte Versicherer hatte einen Quartalsverlust in Rekordhöhe bekanntgegeben und eine 12,5 Mrd. Dollar schwere Kapitalerhöhung angekündigt. Die AIG-Titel fielen daraufhin an der US-Börse um über acht Prozent.
Für trübe Stimmung in Europa sorgten zudem die detaillierten Ergebnisse der Allianz. Unerwartet hohe Verluste bei der Tochter Dresdner Bank verhagelten dem Münchener Finanzkonzern die Quartalsbilanz. Allianz-Aktien verloren ein Prozent auf 129,05 Euro. Europaweit waren Aktien der Finanzbranche nicht gefragt, im Stoxx50 zählten Titel wie die der Royal Bank of Scotland und von Barclays mit Kursabschlägen von über zwei Prozent zu den größten Verlierern.
Aus der Autobranche kamen schlechte Nachrichten aus Japan. Toyota enttäuschte Anleger mit seinen Geschäftszahlen. Der Nettogewinn des japanischen Konzerns brach um mehr als 25 Prozent ein, und für das Gesamtjahr rechnet der Weltmarktführer erstmals seit sieben Jahren mit einem rückläufigen Nettogewinn. Im Dax verloren die Titel von BMW mit 4,2 Prozent Minus auf 36,12 Euro am stärksten, allerdings drückte ein Dividendenabschlag. Daimler gaben 0,9 Prozent auf 51,71 Euro nach.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Gerüchte treiben Aktien von Eon und Deutscher Telekom
Nach Vorlage der Zwischenbilanz von Linde gerieten auch die Aktien der Industriegasefirma unter Druck. Sie sackten um 4,1 Prozent ab auf 92,15 Euro. Umsatz und operatives Ergebnis hätten unter den Erwartungen gelegen, sagten Experten. "Das zeigt, dass sich die Kreditkrise so langsam auch auf die Realwirtschaft auswirkt", sagte ein Börsianer. Sollte klar werden, dass Linde kein Einzelfall ist, dürfte es der Dax bald schwer haben. Daneben nutzten Händlern zufolge viele Anleger die Zahlen für Gewinnmitnahmen, da sich die Linde-Aktie in den vergangenen Monaten überdurchschnittlich entwickelt hatte.
Wie Sie auch vom Auf und Ab der Märkte mit Zertifikaten profitieren, lesen Sie alle 14 Tage im Zertifikate-Newsletter von Handelsblatt.com.
» Hier geht's zur Anmeldung.
Neben Fakten sorgten wie so oft am Freitag Gerüchte für Gesprächsstoff auf dem Parkett. Am Markt wurde unter anderem herumgereicht, dass der französische Versorger EdF für Eon bieten werde, falls er beim geplanten Verkauf von British Energy nicht zum Zug komme. Ein anderes Gerücht besagte, der Finanzinvestor Blackstone wolle seinen Anteil an der Deutschen Telekom aufstocken.
In beiden Fällen bezeichneten Börsianer den Wahrheitsgehalt der Spekulationen als eher gering. Die Aktien der Telekom sowie von Eon zählten dennoch mit einem Plus von 0,5 Prozent auf 11,81 Euro und einem Prozent auf 126,96 Euro zu den größten Gewinnern im Dax.
