Unerwartet gute Daten aus der US-Wirtschaft haben dem deutschen Aktienmarkt am Donnerstag Schub gegeben. Die US-Regierung hatte ihre Schätzung für die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal auf 3,3 Prozent revidiert, nachdem sie das BIP zunächst mit 1,9 Prozent veranschlagt hatte.
Unerwartet gute Daten aus der US-Wirtschaft haben dem deutschen Aktienmarkt am Donnerstag Schub gegeben.
HB FRANKFURT. Den dritten Tag in Folge haben sich die Anleger am deutschen Aktienmarkt von überraschend positiven US-Konjunkturzahlen mitreißen lassen. Der Dax setzte am Donnerstagnachmittag zum Höhenflug an und schloss 1,6 Prozent höher bei 6 420 Zählern. Der europäische Stoxx50 legte 1,5 Prozent auf 2911,52 Punkte zu. Auslöser war eine unerwartet deutliche Erholung der US-Wirtschaft im Frühjahrsquartal. Ermutigt griffen daraufhin Anleger dies- und jenseits des Atlantiks wieder zu Aktien. „Solche Daten werden in so einem nervösen Markt natürlich sehr gut aufgefasst“, sagte ein Börsianer. „Das ist aber nur ein Strohfeuer, das von dem Konjunkturpaket der US-Regierung ausgelöst wurde“, warnte HSBC-Volkswirt Stefan Schilbe.
Vor allem die zuletzt wegen der Finanzkrise gemiedenen Bankenwerte erlebten ein Comeback, der europäische Branchenindex stieg um 3,2 Prozent. Für Auftrieb sorgte die Bilanz von Credit Agricole, deren Aktien in Paris rund neun Prozent zulegten. Die Abschreibungen der französischen Bank fielen niedriger als erwartet aus.
Tagesgespräch blieben die Übernahmespekulationen um die Dresdner Bank. Die Aktien von Allianz gewannen 3,89 Prozent auf 113,50 Euro. Die Aufspaltung der Tochter Dresdner Bank in eine Investmentbank- und eine Privatkundensparte ist nach Angaben der Allianz ausgesetzt. Ein Allianz-Sprecher sagte, dass es zumindest eine zeitliche Verschiebung geben werde.
Inzwischen bestätigten der Versicherer und auch die als Dresdner-Interessentin gehandelte Commerzbank, dass für Sonntag jeweils eine außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrats einberufen sei. Der Stopp des Aufspaltungsprozesses spreche eher für eine schnelle Lösung mit der Commerzbank, sagte Uwe Otten von der Bank Vontobel. Commerzbank-Titel verteuerten sich um 1,89 Prozent auf 20,46 Euro. Dabei schmeckt den Anlegern eigentlich nicht, dass die Commerzbank bei einem Deal den Investmentarm der Dresdner mitübernehmen müsste. „Der brachte schon der Allianz hohe Wertberichtigungen ein, zudem liegt der Commerzbank-Fokus auf dem Mittelstandsgeschäft“, erläuterte ein Börsianer.
An der Indexspitze kletterten die Aktien der Deutschen Börse um 6,05 Prozent auf 63,66 Euro. Händlern zufolge kursierten erneut Gerüchte am Markt, dass der Börsenbetreiber Teile der Abwicklungstochter Clearstream verkaufen will. Siemens-Titel legten um 2,18 Prozent auf 74,96 Euro zu. Der Mischkonzern spricht mit ausländischen Staatsfonds über einen Einstieg.
K+S-Titel verloren nach anfänglichen Gewinnen im MDax 2,77 Prozent auf 80,00 Euro. Der Düngemittelhersteller will seine Kaliproduktion in den kommenden Jahren mit massiven Investitionen ausbauen. Dies berge aber auch Risiken, meinten Analysten. Unter den kleinen Werten stiegen Fielmann-Papiere nach starken Zahlen um 3,88 Prozent auf 51,99 Euro. Auch die Ergebnisse von Air Berlin stießen auf positives Echo - die Aktien kletterten um 3,08 Prozent auf 4,01 Euro.
Infineon-Aktien schnellten um mehr als fünf Prozent nach oben, als Gerüchte über ein Angebot von Elpida für die Speicherchiptochter Qimonda die Runde machten. Weniger beliebt waren Aktien von europäischen Einzelhändlern. Börsianern zufolge erfüllten die Ergebnisse von Ahold und Casino die Erwartungen nicht erfüllt. Der entsprechende Sektorindex konnte nur ein vergleichsweise mageres Plus von 0,6 Prozent vorweisen. Ahold-Aktien fielen um vier Prozent, Carrefour gaben um 2,3 Prozent nach. Der französische Konzern legt am Freitag Quartalszahlen vor.
Die angehobene Schätzung der US-Regierung für die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal auf 3,3 Prozent von zuvor 1,9 Prozent hievte den Dow-Jones-Index um mehr als ein Prozent nach oben. Unterstützung erhielt die Wall Street auch von der Verbilligung des Ölpreises auf unter 115 Dollar.
Zu den größten Gewinnern gehörten die Titel des weltgrößten Anleiheversicherers MBIA mit einem Kurssprung von zeitweise 23 Prozent. MBIA will Kommunalanleihen im Volumen von 184 Mrd. Dollar von seinem US-Konkurrenten FGIC rückversichern und erhält dafür eine Prämie von 741 Mill. Dollar.

