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04.08.2005 
Anleger gönnen sich eine Atempause

Dax schließt unter 4900 Punkten

Der Markt sei nach der starken Juli-Rally nun etwas „heiß gelaufen“, sagten Aktienhändler am Donnerstag. Einer Umfrage der Börse zufolge sind die Anleger in puncto Dax-Entwicklung mittlerweile so pessimistisch wie seit Wochen nicht mehr.

HB FRANKFURT. Der deutsche Aktienindex hat am Donnerstag knapp über seinem Tagestief geschlossen. Er ging mit einem Minus von 1,00 % auf 4874,06 Punkte aus dem Handel. Der TecDax verlor 1,32 % auf 591,08 Zähler. Der MDax hingegen behauptete sich gut mit plus 0,29 % auf 6755,65 Punkte.

Kursverluste bei Auto- und Technologiewerten haben den Dax auf Talfahrt geschickt. Unter Druck standen auch die Titel der Münchener Rück nach einem Gewinneinbruch im zweiten Quartal. „Der Markt war reif für eine Konsolidierung“, urteilte Christian Schmidt, Marktanalyst bei Helaba Trust. Seit Anfang Juli hat der Standardwerteindex rund sieben Prozent an Wert gewonnen. „Die Frage ist jetzt, wie weit es nach unten geht, bevor die ersten die Kursverluste zum Einstieg nutzen“, ergänzte Schmidt. Als Belastungsfaktor nannten Börsianer auch den zuletzt wieder gestiegenen Euro und den bei knapp 62 Dollar notierenden Preis für US-Leichtöl.

Verkauft wurden neben Auto- auch Technologiewerte. Angeführt von Kursverlusten von Epcos, Aixtron und GPC Biotech nach enttäuschenden Quartalszahlen rutschte der TecDax 1,3 % auf 591 Punkte ab. Im Dax verzeichneten Werte wie Infineon, Siemens und SAP Kursverluste von bis zu zwei Prozent. Händler erklärten das Minus mit der Abwärtstendenz des Gesamtmarktes, auf die Technologiewerte besonders sensibel reagierten.

Zu den größten Dax-Verlierern zählten mit Abschlägen von mehr als zwei Prozent die Titel von Daimler-Chrysler und BMW. „Nach der jüngsten Kursrally ist bei den Autowerten etwas die Luft raus“, sagte ein Händler. Ein anderer verwies auf den starken Ergebniseinbruch bei BMW, der der Aktie schon am Mittwoch zugesetzt hatte.

Um 1,3 % auf 93,89 € fielen die Papiere der Münchener Rück. „Das Nettoergebnis ist auf Grund der hohen Steuerlast deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben“, sagte Karsten Keil, Analyst bei Helaba Trust. Operativ habe die Münchener Rück aber eine recht starke Entwicklung im zweiten Quartal verzeichnet.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Übernahmespekulationen geben Commerzbank Auftrieb

Ein Minus von 1,3 % verzeichneten die Papiere von Thyssen-Krupp. „Der ganze Stahlsektor ist zuletzt sehr gut gelaufen, da streichen einige ihre Gewinne ein“, sagte ein Händler.

Erneute Übernahmespekulationen sowie charttechnische Faktoren gaben den Commerzbank-Aktien Auftrieb. Die Titel stiegen zeitweise um rund drei Prozent auf den höchsten Stand seit Mai 2002 auf 19,95 €. „Es gibt Gerüchte, dass Santander an der Commerzbank Interesse haben könnte“, sagte ein Händler. Seit langem wird am Markt immer wieder über potenzielle Interessenten spekuliert. Börsianer erklärten das Plus auch mit Anschlusskäufen, nachdem die Aktie die charttechnische Marke bei 19 € überwunden habe.

Die Aktien des Industriegase- und Gabelstaplerspezialisten Linde zählten nach einem überraschend kräftigen Ergebnisanstieg des Konzerns im ersten Halbjahr zu den größten Dax-Gewinnern. Sie schlossen 1,6 % höher. „Die Zahlen sind sehr gut ausgefallen und haben beim Ebita über meinen Erwartungen gelegen“, sagte LRP-Analystin Silke Stegemann.

Mit Verkäufen quittierten die Anleger den enttäuschenden Ausblick von Epcos. Die Papiere rutschten um mehr als elf Prozent. „Viele Anleger haben auf eine Turn-around-Story bei Epcos gesetzt und sind nun böse überrascht worden“, sagte ein Händler. Epcos rechnet für das Gesamtjahr nun mit einem operativen Verlust.

Die Aktien des Anlagenbauers Aixtron brachen um sieben Prozent ein. Wegen einer schwachen Auftragslage schraubte der Anlagenbauer sein Umsatzziel für das laufende Geschäftsjahr herunter. Ein Plus von 5,3 % verbuchten im MDax die Aktien des Energiedienstleisters Techem. Neben dem Zukauf im Kerngeschäft stütze eine Erhöhung des Kursziels durch UBS den Kurs, sagte ein Händler.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Anleger immer pessimistischer

Anleger immer pessimistischer

Die Anleger im Dax sind zur Mitte dieser Woche so pessimistisch geworden wie zuletzt Anfang Mai. Das zeigt die neue Umfrage von Cognitrend im Auftrag der Deutsche Börse zur Stimmung am deutschen Aktienmarkt. Der Anteil der „Bullen“ nahm verglichen mit der Umfrage zur Mitte vergangener Woche um 6 Prozentpunkte ab auf nur noch 43%. Der Anteil der „Bären“ wuchs um 7 Punkte auf 38%, weil auch das Lager der Neutralen um einen Punkt geschrumpft ist.

Damit habe sich die Stimmung nun drei Wochen in Folge eingetrübt, so Cognitrend-Analyst Gianni Hirschmüller in einer Bewertung. Die Anleger hätten nach oben keine Gewinne eingefahren und wollten nun mit Short-Positionen Profite erzielen. Das sei sehr riskant, weil der Dax den Marktteilnehmern nun regelrecht davon rennen könnte. Nach unten dürften die „Bären“ spätestens bei 4750 Punkten Gewinne aus Shorts mitnehmen. Der Angriff der „Bären“ könnte aber auch in einem Desaster und einem fulminanten Short-Squeeze enden.

Im TecDax sei der Optimismus weiterhin vergleichsweise hoch, so Cognitrend. Der Bären-Anteil sei aber immer noch groß genug für mögliche Eindeckungsrallys.

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