Die deutschen Aktienindizes haben in der letzten Handelsstunde ihren Kursverfall beschleunigt. Bankaktien und die Papiere der Autobauer hat es einmal mehr besonders heftig getroffen. Dazu schockte BASF
die Anleger mit einer Gewinnwarnung. Nur die Postbank
tanzt aus der Reihe.
HB FRANKFURT. Der deutsche Aktienmarkt ist am Mittwoch tief in die Verlustzone abgetaucht. Börsianer verwiesen auf weiter vorherrschende Rezessionsängste, aufkeimende Sorgen über eine Deflation in den USA und das gekappte Gewinnziel des Chemiekonzerns BASF
als Hauptbelastungsfaktoren. Der Dax beschleunigte bis Handelsschluss seine Talfahrt und schloss knapp über seinem Tagestief bei minus 4,92 Prozent auf 4 354 Punkten. Der MDax fiel um 4,95 Prozent auf 4 926 Zähler. Der Technologieindex TecDax büßte sogar 7,56 Prozent auf 457 Zähler ein.
Einziger Dax-Gewinner waren die Aktien der Deutschen Postbank
, die 1,1 Prozent höher schlossen. Nach einem Magazinbericht über eine angeblich geplante Komplettübernahme durch die Deutsche Bank
schossen die Titel zeitweilig gut 15 Prozent nach oben. Die Deutsche Bank
dementierte allerdings ein Interesse an einer schnellen Übernahme.
Der bereits stark verunsicherte Markt habe spürbar unter der Gewinnwarnung von BASF
gelitten, kommentierte Fidel Helmer, Marktstratege der Privatbank Hauck & Aufhäuser die Entwicklung. Potenzielle Käufer hielten sich in einem solchen Umfeld noch mehr zurück als ohnehin schon. Laut Berndt Fernow, Aktienstratege der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), "stellen sich die Märkte auf eine gravierende Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage ein". Dabei herrsche Unsicherheit über die Tiefe der Rezession, an deren Beginn wir gerade stünden. Die Konjunkturdaten aus den USA am Nachmittag hätten zudem zu Deflationssorgen geführt. Nachdem am Dienstag deutlich gesunkene Erzeugerpreise veröffentlicht wurden, sei nun ein starker Rückgang der Verbraucherpreise in den USA bekannt gegeben worden.
Der Dax-Future beschleunigte seine Abwärtsbewegung kurz vor Handelsschluss. "Gerade sind wir bei 4.420 aus einer Bärenflagge nach unten durchgebrochen", sagte ein Händler. Ziel seien nun Kurse um 3.900 Punkte. Deutschland zähle allerdings zu den schwächsten Börsen europaweit, kein anderer Länder-Index liege mehr als vier Prozent unten. "Der Markt will wohl einfach "die Drei' noch mal sehen", so der Händler mit einem Hauch von Fatalismus.
BASF
-Aktien stürzten um 16 Prozent auf 21,35 Euro ab und trugen damit etwa ein Viertel zu den rund 180 Minuspunkten im Dax bei. Der weltgrößte Chemiekonzern senkte wegen des Konjunktureinbruchs erneut seine Gewinnprognose und will weltweit rund 80 Anlagen vorübergehend außer Betrieb nehmen. Der Konzern werde dieses Jahr den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sowie vor Sondereinflüssen des Vorjahres nicht mehr erreichen. "Die Gewinnwarnung kam völlig überraschend, nachdem BASF
gerade erst noch für viel Geld Ciba
gekauft hat", sagte ein Händler. Die Analysten von Merck Finck senkten ihre Anlageempfehlung und rieten den Anlegern zum Verkauf der Aktien.
Erneut verkauft wurden Automobil- und Finanzwerte. "Die Stimmung ist und bleibt schlecht. Es gibt nach wie vor keine positiven Nachrichten", sagte ein Börsianer. Die Aktien der Hypo Real Estate rutschte 21,6 Prozent auf 2,55 Euro ab, was Händler mit negativen Analystenkommentaren über den Immobilienfinanzierer begründeten. Händlern zufolge hatten die Analysten der Commerzbank
die Aktien mit einem Kursziel von 50 Cent zum Verkauf empfohlen. Deutsche-Bank-Papiere verloren sechs Prozent und die im MDax notierten Aareal-Bank-Aktien fast zwölf Prozent.
Ähnlich die Entwicklung bei den Autowerten: Der Kurs von BMW
fiel um neun Prozent, Daimler
verbilligten sich um fast sieben. Nur VW
notierten einmal mehr gegen den Dax-Trend und lagen 1,6 Prozent im Plus. Das Umfeld für Autokonzerne sei alles andere als gut, sagte ein Börsianer. "Ich kenne keinen, der jetzt noch größere Anschaffungen macht, weder einen Kühlschrank noch einen Fernseher, geschweige denn ein Auto."

