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08.10.2008 
Marktschlussbericht: Börse Frankfurt

Zinssenkung verpufft an den Börsen

Mit drastischen Zinssenkungen haben sich die internationalen Notenbanken am Mittwoch vergeblich gegen den weltweiten Verfall der Börsen und wachsende Rezessionsängste gestemmt.

Lupe

HB FRANKFURT/WASHINGTON. Angeführt von US-Notenbank und Europäischer Zentralbank schraubten die Währungshüter erstmals seit den Anschlägen vom 11. September 2001 gemeinsam die Leitzinsen bis zu 50 Basispunkte nach unten. Großbritannien stützte seine Banken mit umgerechnet 65 Mrd. Euro, Frankreich und Italien erwägen ähnliche Schritte. Dennoch setzten Dax und US-Börsen ihre Talfahrt fort, auch wegen einer neuen IWF-Prognose. Danach wird die größte Bankenschieflage seit der Weltwirtschaftskrise vor 80 Jahren das Wachstum in den USA und Europa 2009 komplett abwürgen.

Neben der EZB und der US-Fed verbilligten auch die Zentralbanken Großbritanniens, der Schweiz, Chinas und Kanadas die Kreditzinsen, um das Wachstum anzukurbeln. Die EZB reduzierte bei ihrer ersten Zinssenkung seit mehr als fünf Jahren den Schlüsselzins für die Euro-Zone auf 3,75 von 4,25 Prozent. In den USA sinkt der wichtigste Zins auf 1,50 von 2,0 Prozent. Die Notenbanken hatten bislang fortlaufend Mrd. in das Finanzsystem gepumpt - das Vertrauen zwischen den Banken, die sich untereinander keine Kredite mehr geben, konnten sie damit aber nicht wiederherstellen.

Regierungen und Wirtschaftsvertreter in aller Welt begrüßten den Schritt zwar, aber der Börse half er wenig: Der Dax fiel erneut um knapp sechs Prozent. Auch in New York setzten die Börsen ihre Talfahrt fort, der Dow-Jones-Index büßte im Handelsverlauf erneut rund zwei Prozent ein. Viele Börsianer bezweifelten, das die Zinssenkungen die Finanzkrise stoppen und eine Rezession verhindern können.

Der Dax schloss mit einem Minus von 5,88 Prozent bei 5 013,62 Zählern auf dem tiefsten Stand seit November 2005. Am Vormittag war der Leitindex zeitweise um mehr als acht Prozent bis auf 4 870 Zähler abgerutscht, hatte sich dann aber wieder gefangen und seine Verluste sogar bis auf 5 319 Punkte reduziert. Auch die Nebenwerte konnten frühe Verluste etwas eindämmen. Der MDax verlor 4,77 Prozent auf 5 704,96 Punkte. Der TecDax fiel um 6,76 Prozent auf 534,28 Zähler.

Der Vertrauensverlust sei so groß, dass auch mit einer konzertierte Aktion keine schnelle Stimmungsänderung am Markt erreicht werden könne, sagte Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baaderbank der Nachrichtenagentur dpa. Trotzdem wertete er die Entscheidung der Notenbanken positiv. „Endlich ist der Ernst der Lage begriffen.“ Es sei aber bereits viel Zeit verloren. Sollte sich die Lage noch einmal dramatisch verschlechtern, sei nur zu hoffen, dass die EZB beherzter reagieren und nicht so lange warten werde.

Bankaktien erholten sich zum Teil von ihren massiven Kurseinbrüchen in jüngster Zeit. Papiere der Commerzbank standen mit einem Minus von 2,45 Prozent auf 9,96 Euro auf Platz Vier im Dax. Hypo Real Estate (HRE) hielten sich zunächst ebenfalls recht stabil, verloren dann aber zum Handelsende 8,04 Prozent auf 4,12 Euro.

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