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26.06.2008 
Marktbericht Frankfurt

Der Dax knickt ein

Inflationsängste und Sorgen um die Finanzbranche haben am Donnerstag die Kurse an Europas Aktienmärkten ins Rutschen gebracht. Der weiter hohe Abschreibungsbedarf großer Banken, der schwache Dollar und der damit wieder dramatisch anziehende Ölpreis verstimmten die Anleger.

Dax-Anzeigetafel an der Frankfurter Börse. Foto (Archiv): dpaLupe

Dax-Anzeigetafel an der Frankfurter Börse. Foto (Archiv): dpa

HB FRANKFURT. „Die Inflationsangst ist das dominierende Thema“, sagte ein Händler.Der Dax verlor 2,4 Prozent auf 6 459,60 Punkte. Der Stoxx50 fiel um 2,3 Prozent, der Euro-Stoxx50 gar um 2,7 Prozent. In New York rutschte der Dow-Jones-Index bis zum Handelsschluss in Europa um zwei Prozent auf 11 570 Punkte und notierte damit so niedrig wie seit Herbst 2006 nicht mehr.

Als Hauptbelastungsfaktor nannten Börsianer Spekulationen auf Zinserhöhungen. Erste Daten aus deutschen Bundesländern lassen für Juni eine weitere Beschleunigung der Teuerung in der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone erwarten. Dies bestätige die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrem Vorhaben, im Juli die Zinsen zu erhöhen, sagten Analysten. Sorgen bereitet den Anlegern weiter die Wirtschaftslage in den USA, die auch nach Aussagen der US-Notenbank unklar blieb.

Der starke Euro – er stieg bis zum Abend wieder auf über 1,5750 Dollar – kam bei den Anlegern ebenfalls schlecht an. Der Exportindustrie entsteht dadurch ein beträchtlicher Wettbewerbsnachteil. Darunter leiden traditionell die Autowerte, die europaweit auf Talfahrt gingen. Auch die Lage der US-Autoindustrie bereite den Anlegern Sorge, sagte ein Händler. Die Ratingagentur Fitch hatte General Motors und Chrysler heruntergestuft. Gerüchte über eine bevorstehende Insolvenz wies Chrysler, an dem Daimler noch rund 20 Prozent hält, am Nachmittag zurück.

In Frankfurt verloren Daimler fast 3,3 Prozent und BMW 4,2 Prozent. In Paris rutschten Renault um 5,7 Prozent und Peugeot um 4,3 Prozent ab. GM verloren in New York über zwölf Prozent auf 11,21 Dollar und notierten damit so niedrig wie seit 1955 nicht mehr. Goldman Sachs hatte sich negativ über den Traditionskonzern geäußert.

Die Aktien von Continental gaben einen Teil ihres Vortagesgewinns von 8,7 Prozent wieder ab, nachdem die Ratingagentur Standard & Poor ihren Ausblick für die Verbindlichkeiten des Autozulieferers senkte. Conti fielen um 4,7 Prozent.

Europaweit standen die Bankenwerte unter Druck. Nach Einschätzung von Goldman Sachs könnte die größte US-Bank Citigroup im zweiten Quartal neun Milliarden Dollar und das weltweit größte Brokerhaus Merrill Lynch 4,2 Milliarden Dollar abschreiben. Die Aktien beider Banken brachen in New York kurz nach Börseneröffnung um vier bis sechs Prozent ein. Im Stoxx50 waren die Aktien von Fortis mit einem Kursrutsch von 19,4 Prozent auf 10,20 Euro das Schlusslicht. Der belgisch-niederländische Finanzkonzern muss sein Kapital um mehr als acht Milliarden Euro aufbessern. Der Stoxx-Bankenindex fiel um 4,4 Prozent. In Frankfurt verloren Commerzbank 4,6 Prozent, Deutsche Bank 3,3 Prozent.

Die Aktien des Hypothekenfinanzierers Hypo Real Estate brachen um 7,3 Prozent ein, nachdem der Finanzinvestor JC Flowers seinen Einstieg abgeschlossen hat. Dabei wurden Flowers mit rund 47 Prozent deutlich mehr Aktien angedient, als der Investor mit knapp 25 Prozent übernehmen wollte. Damit dürften viele Aktien wieder auf den Markt kommen. Die Aktien der Deutschen Börse verloren 6,3 Prozent. Die von mehreren Banken geplante paneuropäische Aktienhandelsplattform Turquoise hatte am Vortag ihren Start für Mitte August angekündigt.

Zu den größten Verlierern im Leitindex zählen mit einem Abschlag von vier Prozent auch Adidas, die unter der Enttäuschung der Anleger über den Zwischenbericht des US-Konkurrenten Nike litten und vom Sieg der von ihr ausgerüsteten deutschen Nationalelf nicht profitieren konnten.

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