Die Furcht vor der Rezession hat die US-Börsen fest im Griff: Der Dow Jones verbrachte den gesamten Tag in der Verlustzone, das Minus wuchs schließlich zum zweithöchsten Tagesverlust der Geschichte an. Dabei verschärften ausgerechnet Aussagen von Fed-Chef Ben Bernanke die Situation. Die Nikkei in Tokio folgte dem Trend und ging ebenfalls in die Knie.
Nicht zuletzt der Konjunkturbericht der US-Notenbank Fed ließ den Dow Jones erneut heftig sinken. Foto: dpa
NEW YORK/TOKIO. Die Börse in Tokio konnte sich den schlechten Vorgaben aus den USA nicht entziehen und verliert bis rund 45 Minuiten vor Handelsschluss zehn Prozent. Der japanische Leitindex steht um 7.15 Uhr deutscher Zeit bei 8592 Punkten. Abgesehen von den US-Vorgaben belasteten die Aufwertung des Yen und die Sorgen um die Weltkonjunktur.
Sony rutschen um rund zehn Prozent ab und TDK um 13 Prozent. Der Rückgang des Halbleiterindex in den USA um 8,9 Prozent drückt die entsprechenden Papiere in Japan. Advantest sinken um rund 18 Prozent. Sorgen um eine schwächere globale Nachfrage nach Industriemetallen und der damit einhergehend rückläufige Ölpreis lasten auf Rohstofftiteln. Itochu und Mitsui & Co. verbilligen sich jeweils um rund 17 Prozent. Die Papiere des Ölförderers Inpex Holdings verlieren 13 Prozent.
An den Börsen in New York zeichnet sich immer mehr ab. dass sich die Investoren inzwischen nicht mehr nur um die Stabilität des Bankensystems sorgen, sondern sich auf eine schwere Rezession einrichten. Die Folgen waren heftige Kursverluste an den Aktienmärkten in Europa und den USA. Noch zu Beginn der Woche hatten die Börsenindizes in Reaktion auf die Hunderte von Milliarden Dollar schweren Rettungspakete zahlreicher Regierungen zugelegt – allerdings nach heftigen Kurseinbrüchen in der Woche zuvor.
Anhaltende Rezessionsängste haben die US-Börsen am Mittwoch kräftig ins Minus gedrückt. Der Dow Jones verzeichnete den größten prozentualen Tagesverlust seit Oktober 1987. Anleger fürchten, dass die bisherigen Maßnahmen zur Lockerung der Kreditklemme nicht ausreichten, um eine weltweite Abkühlung der Konjunktur abzuwenden. Die Sorgen der Investoren wurden durch Äußerungen von US-Notenbank-Chef Ben Bernanke über den Zustand der Wirtschaft und schwache Konjunkturdaten zusätzlich angeheizt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte fiel 7,87 Prozent auf 8577 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 sank um 9,03 Prozent auf 907 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 8,47 Prozent auf 1628 Punkte.
Auch am deutschen Aktienmarkt hat sich am Mittwoch nach den Kursgewinnen der Vortage größtenteils Ernüchterung ausgebreitet. Nach schlechter als erwartet ausgefallenen Konjunkturdaten aus den USA, rutschte der Dax tief ins Minus. Der Leitindex fiel um 6,5 Prozent und schloss bei 4 861 Punkten.
Die Lage der US-Wirtschaft hat sich nach Einschätzung der Notenbank Federal Reserve im vergangenen Monat weiter verschlechtert. Auch die Perspektiven hätten sich in allen zwölf Fed-Bezirken im September eingetrübt, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Konjunkturbericht „Beige Book“. Der Einzelhandel spüre die Zurückhaltung der Verbraucher. Zugleich strichen Unternehmen angesichts der unsicheren Konjunkturperspektiven ihre Investitionspläne zusammen. Der Inflationsdruck habe im September etwas nachgelassen. Zugleich habe sich die Lage am Arbeitsmarkt in den meisten Regionen eingetrübt.
Die Notenbank Fed senkte zuletzt zudem die Leitzinsen in einer international abgestimmten Aktion um 50 Punkte auf 1,5 Prozent, um sich gegen den wirtschaftlichen Abschwung zu stemmen. An den Märkten ist eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte Ende Oktober schon in den Kursen vorweggenommen.
Die Rezessionsängste in den USA wurden durch aktuelle Daten zum Einzelhandel weiter geschürt. Vor allem wegen der schleppenden Auto-Nachfrage ging der Umsatz im September binnen eines Monats um 1,2 Prozent zurück - das größte Minus seit drei Jahren. Die Einzelhandelsdaten gelten als wichtiger Indikator für die weltgrößte Volkswirtschaft. Entsprechend gaben die Papiere von Wal-Mart 8,06 Prozent nach. Die Titel des Baumaschinen-Herstellers Caterpillar verloren sogar 11,4 Prozent.
US-Notenbankpräsident Ben Bernanke bezeichnete die Finanzkrise als große Bedrohung für das Wachstum und nährte damit Hoffnungen auf eine Zinssenkung. Die Krise bremse durch eine eingeschränkte Vergabe von Krediten an Firmen, Verbraucher und staatliche Ebenen die Wirtschaftsleistung, sagte der Fed-Chef. „Wir werden alle uns zur Verfügung stehenden Werkzeuge nutzen, um das Funktionieren des Marktes und die Liquidität zu verbessern.“
Bernanke betonte zugleich, dass die Krise keineswegs mit der Depression in den 30er Jahren vergleichbar sei. Anders als damals habe man schnell reagiert, um die Märkte zu stabilisieren, sagte der Fed-Chef. Die großen internationalen Notenbanken pumpen seit Monaten Milliarden in den Geldmarkt, um diesen vor dem Austrocknen zu bewahren. Die Banken misstrauen sich wegen der Finanzkrise und sind nicht mehr bereit, sich untereinander Geld zu leihen. Damit ist der Geld- und Kreditkreislauf zwischen den Banken nahezu zum Erliegen gekommen. Die Notenbanken springen in dieser Krisensituation nun als letzte Geldgeber in die Bresche.
Die Notenbank senkte zuletzt zudem die Leitzinsen in einer international abgestimmten Aktion um 50 Basispunkte auf 1,5 Prozent, um sich gegen den Abschwung zu stemmen. An den Märkten ist eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte Ende Oktober zur Stimulierung des Wachstums schon in den Kursen vorweggenommen.
Auch die Fed-Bankerin Janet Yellen hatte sich zuletzt pessimistisch über die Konjunktur geäußert. Die US-Wirtschaft stecke offenbar schon in einer Rezession, sagte die Chefin der Federal Reserve Bank von San Francisco auf einer Finanzkonferenz in Kalifornien. Zugleich hatte sie Hoffnungen auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik einen Dämpfer verpasst, indem sie Zinssenkungen als „kein Allheilmittel“ bezeichnete. Yellen ist allerdings in dem für die Zinspolitik zuständigen Offenmarktausschuss der Fed nicht stimmberechtigt.
Bei den Banken konnten sich die Titel von JPMorgan und Wells Fargo nach Vorlage ihrer Geschäftsberichte nicht gegen den allgemeinen Abwärtstrend behaupten. Die Aktien von JPMorgan verloren rund 5,5 Prozent, Wells Fargo notierten um 0,5 Prozent schwächer. Auch Citigroup-Papiere büßten 12,8 Prozent ein, die Anteilsscheine von Morgan Stanley verloren sogar 16,3 Prozent.
Bei den Einzelwerten stand auch Coca-Cola im Mittelpunkt. Der weltgrößte Getränkehersteller hatte dank einer kräftigen Nachfrage auf dem internationalen Markt besser als erwartete Zahlen vorgelegt. Coca-Cola-Aktien schlossen ein Prozent im Plus.
Der weltgrößte Chiphersteller Intel ist bislang ebenfalls weitgehend von der Konjunkturschwäche verschont geblieben und hat seinen Quartalsgewinn überraschend kräftig gesteigert. Die Aussichten für das vierte Quartal bezeichnete das Unternehmen, das als Stimmungsbarometer für die Technologiebranche gilt, aber als unsicher. Intel-Papiere fielen um fast sechs Prozent.
An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,68 Milliarden Aktien den Besitzer. 340 Werte legten zu, 2848 gaben nach und 25 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,54 Milliarden Aktien 369 im Plus, 2401 im Minus und 78 unverändert. An den US-Kreditmärkten stiegen die zehnjährigen Staatsanleihen um 26/32 auf 100-04/32. Sie rentierten mit 3,982 Prozent. Die 30-jährigen Bonds kletterten 33/32 auf 104-19/32 und hatten eine Rendite von 4,225 Prozent.

