Nach dem schweren Erdbeben in China hat die Regierung die Schließung von Förderstätten und Industrieanlagen angeordnet. An der Shanghaier Börse wurden zahlreiche Aktien vom Handel ausgesetzt. Vor allem Versicherer gerieten unter Abgabedruck. Experten äußerten die Befürchtung, das Beben könne den Inflationsdruck weiter erhöhen. Auch Einschätzungen zu den Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum liegen mittlerweile vor.
Das schwere Erdbeben im Südwesten Chinas hat die Börse in Shanghai am Dienstag ins Minus gezogen. Foto: ap.
HB PEKING/SHANGHAI. Nach dem schweren Erdbeben in China hat die Regierung Sicherheitsüberprüfungen für Kohlbergwerke, Chemieanlagen und Gaswerken angeordnet. Die Behörde für Arbeitssicherheit erklärte am Dienstag auf ihrer Webseite, der Betrieb müsse umgehend eingestellt und die Mitarbeiter in Sicherheit gebracht werden.
Die Behörde äußerte sich nicht dazu, wie groß die Schäden an den Fabriken sind. Der größte Stromversorger des Landes erklärte, mindestens Elektrizitätswerke und acht Umspannwerke seien ausgefallen.
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In der Stadt Shifang nördlich der Provinzhauptstadt Chengdu stürzten zwei Chemiewerke ein, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Hunderte Menschen wurden unter den Trümmern verschüttet, mehr als 80 Tonnen giftiges Ammoniak traten aus. Rund 600 Menschen kamen ums Leben. Allerdings berichtete Xinhua nicht, ob die Todesfälle auf das Beben oder die Chemikalien zurückzuführen waren.
Toyota und andere japanische Unternehmen mit Werken im Erdbebengebiet stellten die Produktion vorübergehend ein. Toyota erklärte, die Produktion im Werk von Sichuan ruhe bis zum Mittwochmorgen. Bisher habe man bestätigen können, dass 1 200 der 1 600 Mitarbeiter dort in Sicherheit seien. Der Autobauer stellt in Sichuan jährlich rund 13 000 Fahrzeuge her. Auch Yamaha und Fujitsu stellten ihr Produktion in der Stadt Chengdu ein.
Die beiden Börsen des Landes stellten am Dienstag den Handel mit Papieren von 66 Unternehmen ein, die ihren Sitz im Katastrophengebiet haben.
Der SSE Composite schloss als einziger asiatischer Leitindex leichter. Er ging mit 3 560 Punkten und einem Abschlag von 1,84 Prozent aus dem Handel, nachdem er zu Handelsbeginn gar 3,3 Prozent abgerutscht war.
Vor allem die Versicherer verbuchten Verluste. Mehrere Brokerhäuser äußerten die Befürchtung, das Beben könne den Inflationsdruck in China noch erhöhen.
Die Börse in Hongkong schloss nach positiven Vorgaben aus den USA im Plus. Der Hang Seng Index stieg um knapp zwei Prozent auf 25.552 Punkte. Der H-Index der Aktien vom chinesischen Festland legte 2,3 Prozent zu.
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Die Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum wurden jedoch eher gering eingeschätzt.
So geht aus einem aktuellen Report der Analysten von Merrill Lynch hervor, dass das Erdbeben in Südwestchina wahrscheinlich keine größeren Auswirkungen auf die Konjunktur des Landes bzw. dessen Wirtschaftspolitik haben dürfte.
Die Auswirkungen dürften geringer sein als jene aus dem Schneesturm zu Beginn des Jahres. Das Beben betreffe anders als der Schneesturm einen kleineren Teil des Landes. In einigen Teilen Chinas könnten aber als Folge des Bebens Inflationssorgen neue Nahrung erhalten. Der Grund: Mögliche Versorgungsengpässe als Resultat unterbrochener Transportwege.
Die Agrarproduktion dürfte dagegen allenfalls kleine Auswirkungen zu spüren bekommen. Die Währung des Landes dürfte wenn überhaupt nur minimale Folgen zu spüren bekommen, da sich das Beben in einem Teil Chinas ereignet habe, der für den Außenhandel vernachlässigbar sei.
In der hauptsächlich betroffenen Provinz „Sichuan“ handele es sich um kein Zentrum des Verarbeitenden Gewerbes und „Sichuan“ trage nur 3,9 Prozent des Brutto-Inlandprodukts bei.
Dennoch stellt das Beben eine Herausforderung für die kommunistische Regierung dar. Sie stützt ihr Mandat darauf, dass sie die Ordnung aufrechterhält, für wirtschaftliches Wachstum sorgt und in Katastrophenfällen Hilfe leistet. Sie musste angesichts der bevorstehenden Olympischen Spiele, der Unruhen in Tibet und hoher Inflation rasch reagieren.
Das Beben in der Provinz Sichuan vom Montag hatte eine Stärke von 7,9 erreicht. Mindestens 10.000 Menschen kamen ums leben. Das Erdbeben war das folgenschwerste in China seit 1976. Damals wurden in der Stadt Tangshan in der Nähe von Peking 240 000 Menschen getötet.
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