dpa-afx PARIS/LONDON. Die europäischen Börsen haben am Freitag dank deutlicher Kursgewinne eine wechselhafte Handelswoche versöhnlich abgeschlossen. Zwischenzeitlich abschmelzende Kursgewinne konnten dank im Verlauf aufgehellter Stimmung an Wall Street wieder ausgebaut werden. Besonders gefragt waren dank steigender Rohstoffpreise Öl- und Bergbautitel, während die zuletzt deutlich unter Druck stehenden Finanztitel teilweise weitere Verluste hinnehmen mussten. Börsianer zeigten sich jedoch vorsichtig optimistisch, dass mit dem möglichen Verkauf von Lehman Brothers
ein weiteres Problem der Kreditkrise gelöst werden könnte.
Der Eurostoxx 50 gewann 1,74 Prozent auf 3 278,02 Zähler und verzeichnete damit im Wochenvergleich einen Zuwachs von 2,89 Prozent. Am Donnerstagnachmittag stand noch ein Wochenverlust von 0,33 Prozent zu Buche. Der Stoxx 50 stieg um 1,82 Prozent auf 2 858,68 Zähler und schloss damit um 3,79 Prozent höher als in der Vorwoche. Der französische CAC-40-Index zog um 1,97 Prozent auf 4 332,66 Punkte an. Der britische Ftse 100 verbesserte sich um 1,85 Prozent auf 5 416,70 Zähler.
Repsol
-YPF sprangen mit plus 5,61 Prozent auf 20,14 Euro an die Spitze des Eurostoxx. Neben dem nach jüngsten Abschlägen wieder erholten Ölpreis verwiesen Börsianer auf Aussagen der spanischen Baufirma Sacyr
Vallehermoso. Demnach denkt das Unternehmen über einen Verkauf seines 20-Prozent-Anteils an Repsol
nach. Das sei Teil der Politik, die bisherigen Investitionen zu überprüfen. Erst im April hatte Sacyr
Vallehermoso seinen Anteil an der französischen Eiffage
verkauft. Ob sich bereits potenzielle Käufer gemeldet hätten, wurde von einer Sprecherin zunächst nicht kommentiert.
Papiere des italienischen Öl- und Energiekonzerns Eni
gewannen 3,17 Prozent auf 20,86 Euro, Total stiegen um 2,15 Prozent auf 45,705 Euro. In London verbesserten sich Royal Dutch Shell
um 1,62 Prozent auf 1 763 Pence und BP
um 1,59 Prozent auf 505,75 Pence.
Stahlaktien von Arcelormittal verteuerten sich um 5,07 Prozent auf 46,09 Euro, unter den ebenfalls sehr festen Versorgern ragten im Eurostoxx Gaz de France
mit plus 4,80 Prozent auf 36,715 Euro heraus. Im "Footsie" kletterten BG Group gar um 6,09 Prozent auf 1 146,63 Pence. An der Spitze des britischen Leitindex dominierten allerdings Bergbauwerte. So sprangen Eurasian Natural um 9,06 Prozent auf 714,05 Pence an, Anglo American
folgten mit plus 8,41 Prozent auf 2 502 Pence und waren damit gleichzeitig bester Wert im Stoxx.
Finanzwerte zeigten sich dank der möglichen Rettung von Lehman Brothers
zwar mehrheitlich deutlich erholt, einige Titel weiteten die Kursverluste aber nochmals aus. Allen voran Deutsche Bank
, die als schwächster Stoxx-Wert 2,53 Prozent auf 57,90 Euro verloren. Die britischen Hbos sanken um 1,66 Prozent auf 283,55 Pence. Barclays
reduzierten die jüngsten Verluste indes um 3,55 Prozent auf 346,25 Pence. Die Bank wird in einem Medienbericht neben der Bank of America
als möglicher Interessent für Lehman Brothers
genannt.
In London waren Thomas Cook
und Tui Travel
nach Bekanntgabe von finanziellen Schwierigkeiten des Konkurrenten XL Leisure gefragt. Die Titel der Tui
-Tochter stiegen um 7,33 Prozent auf 232,97 Pence. Thomas Cook
sprangen 6,70 Prozent auf 249,21 Pence hoch. Nachdem ein Rettungspaket für den britischen Anbieter von Pauschalreisen nicht zustande gekommen war, kündigte XL Leisure am Freitag Insolvenz an. Analysten von Landsbanki Kepler bestätigten Tui Travel
und Thomas Cook
mit "Buy". Sie rechnen damit, dass die beiden größten Reiseveranstalter sich weiter gut entwickeln werden, während kleinere Anbieter ihre Kapazitäten stark kürzen müssten.
Aktien der SAS
Group gewannen in Stockholm nach zwischenzeitlicher Aussetzung 15,34 Prozent auf 55,25 Kronen. Die angeschlagene skandinavische Fluggesellschaft hat erstmals in vorsichtiger Form Gespräche mit möglichen Interessenten an einer Übernahme bestätigt. Das Unternehmen erklärte am Freitag zu Medienberichten über bereits laufende Verhandlungen zwischen SAS
und Lufthansa
: "Wir bestätigen, dass wir verschiedene strukturelle Möglichkeiten für den Konzern prüfen. Dabei führt SAS
Gespräche über eine mögliche strukturelle Lösung." Die Lufthansa
wollte keine Stellung nehmen.

