dpa-afx PARIS/LONDON. Die europäischen Börsen haben am Donnerstag angeführt von den Finanzwerten zu einer leichten Erholung von ihren massiven Verlusten der vorigen Tage angesetzt. Händler blieben allerdings skeptisch. "Die Stimmung hat sich nicht wirklich verbessert", sagte ein Händler. Die Zinssenkungen am Vortag seien lediglich ein Schritt in die richtige Richtung gewesen - insgesamt sei dies aber noch nicht genug.
Der Eurostoxx 50 kletterte gegen Mittag um 2,06 Prozent auf 2 750,14 Zähler, nachdem er am Vortag um mehr als sechs Prozent abgerutscht war. Der Stoxx 50 gewann 1,27 Prozent auf 2 390,24 Zähler. Für den französischen CAC-40-Index ging es um 3,02 Prozent auf 3 602,60 Punkte hoch. Der Londoner Ftse 100 stieg um 2,20 Prozent auf 4 462,86 Punkte.
Arcelormittal kletterten nach einem zunächst verhaltenen Start um 8,76 Prozent auf 25,015 Euro. Der weltgrößte Stahlkonzern stellt trotz der Auswirkungen der Finanzkrise für den restlichen Jahresverlauf weiteres Wachstum in Aussicht. Der operative Gewinn (Ebitda) solle in der zweiten Jahreshälfte insgesamt den Rekordwert aus dem ersten Halbjahr übertreffen, teilte das Unternehmen mit. Für das abgeschlossene dritte Quartal bestätigte Arcelormittal das Ziel eines Ebitda von mehr als 8,5 Mrd. Dollar
Banken- und Finanzwerte waren europaweit gefragt. Händler verwiesen auf einen Pressebericht, demzufolge die US-Regierung Beteiligungen an amerikanischen Banken erwägt. Mit einem solchen Schritt könnte das Vertrauen in die Finanzbranche gestärkt werden. Dies sei leicht positiv für den Finanzsektor, sagte ein Börsianer. So kletterten Societe Generale
um 7,09 Prozent auf 61,37 Euro, für Credit Agricole
ging es um 4,94 Prozent auf 13,38 Euro hoch. Auch der niederländische Finanzkonzern Aegon
gewann trotz weiterer Abschreibungen im dritten Quartal 4,72 Prozent auf 4,30 Euro. Die Kapitalbasis sei allerdings stark, teilte Aegon
mit.
Dexia
Banque gaben gegen Mittag einen Großteil der frühen Gewinne wieder ab und stiegen in Paris noch um 0,83 Prozent auf 6,05 Euro. Die Regierungen Belgiens, Frankreichs und Luxemburgs haben sich auf einen neuen Rettungsplan für die Hypothekenbank geeinigt. Die Regierungen garantieren ein Jahr lang für neue Mittelaufnahmen von Dexia
bei anderen Banken und institutionellen Anlegern, berichtete der belgische Rundfunksender Rtbf.
In London begaben sich Bankenwerte ebenfalls auf Erholungskurs. Allen voran schnellten Hbos an der "Footsie"-Spitze um 32,48 Prozent auf 155,00 Pence nach oben. Einem Bericht des "Daily Telegraph" zufolge strebt die Lloyds TSB
Group nach den massiven Kursverlusten der Hbos-Aktien Neuverhandlungen für die geplante Übernahme an. Lloyds lehnte einen Kommentar ab - die Titel gewannen 9,88 Prozent auf 230,75 Pence. Zu den stärksten Werten zählten auch Royal Bank of Scotland
(RBS)
mit plus 17,31 Prozent auf 106,375 Pence. Positiv wirkte auch eine Studie der Citigroup
- die Analysten hoben den britischen Bankensektor von "Underweight" auf "Neutral".
Aviva
kletterten um 8,18 Prozent auf 434,25 Pence. Der britische Versicherer hat nach Ankündigung des milliardenschweren staatlichen Rettungspakets seine starke Kapitalbasis bekräftigt. Darüber hinaus habe sich Aviva
stärker gegen weitere Kursverluste an den weltweiten Märkten abgesichert.
Minenwerte zählten nach herben Vortagesverlusten ebenfalls zu den Zugpferden in Großbritannien. Für Antofagasta
ging es um 10,61 Prozent auf 333,50 Pence hoch, Rio Tinto
und BHP
Billiton legten ähnlich stark zu. Unterdessen litten Scottish & Southern Energy
neben einem fallenden Ölpreis unter einer Abstufung der Dresdner Kleinwort. Die Analysten hatten die Einschätzung von "Hold" auf "Sell" gekappt. Die Aktie verlor daraufhin als einer der schwächsten Werte im britischen Leitindex 4,32 Prozent auf 1 240,00 Pence.

