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15.07.2008 
Marktschlussbericht: Börse Frankfurt

Dax: Crash auf Raten

Die Turbulenzen um die angeschlagenen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac haben am Dienstag auch am europäischen Aktienmarkt für Erschütterungen gesorgt. Der Dax fiel zeitweise auf ein Zwei-Jahres-Tief und schloss 1,9 Prozent im Minus bei 6 081 Punkten.

Der bronzene Bär vor der Frankfurter Börse. Foto: apLupe

Der bronzene Bär vor der Frankfurter Börse. Foto: ap

HB FRANKFURT. Der EuroStoxx50 der größten Börsenwerte der Euro-Zone gab 2,3 Prozent auf 3 142,73 Zähler nach. Wegen der geplanten Übernahme durch Schaeffler konnten sich Continental-Aktien dem Abwärtstrend entziehen.

„Die Kreditkrise hat uns wieder voll eingeholt“, sagte ein Händler. „Die Angst ist groß, dass in den USA eine Kettenreaktion ausgelöst wird.“ Die US-Regierung hatte zwar am Vortag ein Rettungspaket Fannie Mae und Freddie Mac aufgelegt. Börsianern zufolge fürchten aber viele Investoren, dass die Hilfen nicht ausreichen, um der Finanzkrise Herr zu werden. „Es geht um unvorstellbare Summen“, spielte ein Händler auf das Volumen der Schuldverschreibungen der beiden Institute an. Dieses entspricht mit fünf Billionen Dollar mehr als einem Drittel des US-Bruttoinlandsprodukts.

Für zusätzlichen Druck auf den Aktienmarkt sorgte ein pessimistischer Konjunkturausblick des US-Notenbankchefs Ben Bernanke. „Er hat die Wachstumsrisiken relativ stark betont“, sagte ein Börsianer. „Da seine Aussagen aber nicht wirklich überraschen, bleibt der Einfluss begrenzt.“ An der Wall Street rutschten der Dow Jones und der Nasdaq-Index jeweils um bis zu 2,1 Prozent ab, lagen bei Xetra-Handelsschluss nur noch rund ein halbes Prozent im Minus bei 10.969 beziehungsweise 2 202 Punkten.

Der Ölpreis gab seine anfänglichen Gewinne ab. Die richtungweisende US-Sorte WTI verbilligte sich bis zum frühen Abend auf 138,23 Dollar je Barrel (159 Liter). Im Gegenzug übersprang der Euro vorübergehend wieder die Marke von 1,60 Dollar, nachdem er am Vormittag zeitweise auf ein Rekordhoch von 1,6038 Dollar geklettert war.

Von einem Ausverkauf oder gar Panik mochten Börsianer trotz der teilweise drastischen Kursverluste nicht sprechen. „Das ist eher ein Crash auf Raten“, sagte einer von ihnen mit Blick auf das jeweils rund 25-prozentige Minus von Dax und EuroStoxx seit Jahresbeginn. Die Aktienumsätze der beiden Indizes lagen im Rahmen des Durchschnitts der vergangenen 90 Handelstage.

Schaeffler legt Offerte für Conti vor

Das mit Abstand größte Plus im Dax verbuchten die Titel von Continental, nachdem der fränkische Auto- und Industriezulieferer Schaeffler offiziell 69,37 Euro je Conti-Aktie geboten hatte. Die Papiere, die unmittelbar zuvor schon bei 70 Euro notiert hatten, bauten ihre Gewinne sogar noch aus und schlossen 11,6 Prozent im Plus bei 73,42 Euro. Börsianer begründeten dies mit Spekulationen auf einen Bieterwettkampf.

Wegen der Kreditkrise trennten sich Anleger vor allem von Finanzwerten. Acht der zehn größten Verlierer im EuroStoxx50 gehörten zu dieser Branche. Das mit Abstand größte Kursminus von elf Prozent verbuchte dabei Fortis. Der Finanzkonzern hatte Anleger mit der Ankündigung einer Kapitalerhöhung und Dividendenkürzungen geschockt.

An der Frankfurter Börse gehörten die Titel der Allianz mit einem Minus von 5,5 Prozent auf 102,56 Euro zu den größten Verlierern. In London rutschten die Aktien der Royal Bank of Scotland (RBS) um 7,1 Prozent auf 165,41 Pence ab.

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