Der deutsche Aktienmarkt ist nahezu unverändert in die Woche gestartet. Nach Kursverlusten im Tagesverlauf ließen ein leicht sinkender Ölpreis und Kursgewinne an der Wall Street die Kurse zum Handelsschluss wieder anziehen.
HB FRANKFURT/MAIN. Der deutsche Aktienmarkt hat am Montag nach einer Berg- und Talfahrt nahezu unverändert geschlossen. Spürbare Belastungsfaktoren waren im Handelsverlauf der Ölpreis, der aber am Nachmittag wieder deutlich zurückging, sowie die kräftige Inflation in der Eurozone. Kursgewinne an der Wall Street zogen den Dax zum Handelsschluß aber wieder nach oben.
Der Dax ging mit minus 0,06 Prozent auf 6 418,32 Punkte aus dem Handel. Sein Tagestief lag bei 6 308 Zählern. Der MDax gab um 0,41 Prozent auf 9 035,09 Punkte nach. Der TecDax verlor 0,17 Prozent auf 770,58 Zähler. Der US-Ölpreis, der zeitweise erstmals über 143 Dollar je Barrel (159 Liter) gestiegen war, sank bis zum frühen Abend wieder unter die Marke von 140 Dollar.
„Das war zwar ein wilder, aber kein herausragender Handelstag, weder im positiven noch im negativen Sinn“, sagte Postbank-Händler Ascan Iredi. Vor allem habe ihn die hohe Inflationsrate von vier Prozent in der Eurozone im Juni überrascht. Sie würden das Dilemma der Europäischen Zentralbank (EZB) verschärfen, sagte er.
Ökonom Holger Sandte von der WestLB beurteilte dieses Dilemma so: „Einerseits drohen mit den Inflationsraten auch die Inflationserwartungen zu steigen, was nach Zinserhöhungen ruft.“ Sie würden aber am Energiepreis-Anstieg nichts ändern, „sondern nur über den schmerzhaften Umweg einer schwächeren Konjunktur die Inflationserwartungen dämpfen“. Andererseits deuteten viele Klima- Indikatoren auf einen möglichen scharfen Abschwung hin. Die EZB wird am Donnerstag voraussichtlich den Leitzins anheben.
Die in der Vorwoche schlecht gelaufenen Aktien von Volkswagen setzten sich mit plus 2,36 Prozent auf 183,28 Euro an die Dax-Spitze. Der Autobauer holt sich mit Christian Klingler einen weiteren Porsche-Mann nach Wolfsburg. Ein Analyst sagte, der Kursanstieg von VW liege weniger bei Klingler, der ab August Vertriebsvorstand der Marke VW wird, da andere Autowerte wie Continental mit plus 2,30 Prozent und BMW mit plus 1,19 Prozent am Nachmittag ebenfalls kräftig gestiegen seien.
Nach einer Bestätigung der Einsparziele durch Vorstandschef Jürgen Großmann gewannen die Aktien des Versorgers RWE 2,10 Prozent auf 80,23 Euro. Das sei zwar nichts Neues, doch im zurzeit negativen Umfeld würden Großmanns Äußerungen, bis 2010 eine Milliarde Euro einsparen zu wollen, als erfreuliche Nachricht gewertet, hieß es von verschiedenen Seiten. Die Telekom-Aktie gewann 0,78 Prozent auf 10,40 Euro. Händlern und Analysten zufolge stützten Aussagen des Konzernchefs René Obermann, dass die Deutsche Telekom bislang keine negativen Auswirkungen der Spitzelaffäre auf das laufende Geschäft spüre, den Kurs.
Die Anteilsscheine von REpower Systems stiegen im TecDax nach Zahlenvorlage um 1,77 Prozent auf 211,78 Euro. Der Windanlagen-Hersteller hat im Rumpfgeschäftsjahr 2008 von der hohen Nachfrage nach Windenergieanlagen profitiert und bei Umsatz und Gewinn zugelegt. Die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr bis März 2009 wurden bestätigt.
Der EuroSTOXX 50 ging mit plus 0,38 Prozent auf 3 352,81 Zähler aus dem Handel. In Paris wurden leichte Gewinne verzeichnet, in London schloss die Börse fest. In den USA tendierten die wichtigsten Börsen zum europäischen Handelsschluss im Plus.
Am Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Umlaufrendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 4,68 (Freitag: 4,60) Prozent. Der Rentenindex REX sank um 0,35 Prozent auf 113,93 Punkte. Der Bund Future stieg um 0,29 Prozent auf 111,62 Punkte. Der Kurs des Euro stieg im Tagesverlauf und zeigte sich bis zum Abend dann kaum verändert. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,5764 (Freitag: 1,5748) Dollar fest. Der Dollar kostete 0,6344 (0,6350) Euro.

