Die US-Immobilienkrise und eine daraus resultierende Flucht der Investoren aus riskanten Anlagen hat die Aktienmärkte weltweit auf Talfahrt geschickt. In New York verlor der Börsenindex Dow Jones am Donnerstag zwischenzeitlich mehr als 440 Punkte - und zum Handelsschluss stand noch immer einer der größten Tagesverluste in diesem Jahr auf der Kurstafel.
HB/tor NEW YORK/FRANKFURT. Dow schloss 2,26 Prozent tiefer bei 13 473 Punkten - ein Minus von mehr als 300 Zählern. Im Handelsverlauf hatte er sich zwischen 13 335 und 13 783 Punkten bewegt. Der S&P-500 verlor 2,33 Prozent auf 1482, der Technologie-Index Nasdaq
1,84 Prozent auf 2599 Zähler. Der Börsenbetreiber NYSE setzte Handelsbeschränkungen in Kraft, die den Verkauf großer Aktienpakete bei fallenden Kursen begrenzen. Zum Vergleich: In der Folge des Kurseinbruchs in China im Februar - des bisher stärksten Einbruchs dieses Jahres - sackte der Dow Jones um 416 Punkte ab.
US-Finanzminister Henry Paulson hat sich zurückhaltend zu dem Kursrutsch an den US-Börsen geäußert. "Wir werden immer Schwankungen haben", sagte er dem Fernsehsender Bloomberg. "Was wir derzeit sehen, ist eine Neubewertung von Risiken, und wenn wir eine Neubewertung von Risiken auf breiter Front haben, haben wir Schwankungen." Die USA erlebten eine erhebliche Korrektur beim Häuser-Markt. Es werde noch einige Zeit dauern, bis die Probleme gelöst seien. Die US-Wirtschaft sei indes weiter gesund und die weltweite Wirtschaftswachstum stark.
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Anhaltende Sorgen über die "Subprime"-Krise auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt und der Käuferstreik auf dem Markt für Firmenkredite haben die Anleger nervös werden lassen. In dieser Woche konnten Milliardenkredite für den US-Autobauer Chrysler und die Übernahme der britischen Drogeriekette Alliance Boots nicht am Markt untergebracht werden. "Angesichts der raschen Rationierung auf den Kreditmärkten sinkt auch die Wahrscheinlichkeit weiterer Buy-outs rasant", schreibt Richard Bernstein, Investment-Stratege beim Brokerhaus Merrill Lynch
in New York. Der Übernahmeboom der Private-Equity-Branche steht demnach vor seinem Ende.
In den USA stieg zudem der Volatilitätsindex VIX auf den höchsten Wert seit 13 Monaten. Der VIX misst die Schwankungen auf den amerikanischen Aktienmärkten. Besonders Finanzwerte bekamen die neue Risikoscheu der Investoren zu spüren. So fiel der Kurs der Citigroup
zwischenzeitlich um 4,5 Prozent. Die Aktie der Deutschen Bank
verlor bereits den dritten Handelstag hintereinander an Boden und steht jetzt auf dem niedrigsten Stand seit März. Viele Anleger flohen in den sicheren Hafen amerikanischer Staatsanleihen. Dadurch sackte die Rendite für die 10-jährigen US-Treasuries auf 4,80 Prozent.
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Zu den schlechten Nachrichten über die Entwicklung am Immobilienmarkt gehörten die Daten zum Verkauf neuer Eigenheime. Sie wiesen für den Juni einen überraschend starken Rückgang um 6,6 Prozent aus. Der Immobilienmarkt-Boom war in den vergangenen Jahren der wichtigste Antrieb für die US-Konjunktur gewesen. Mit steigenden Zinsen stürzte die Branche in eine Krise und drückt auch die Stimmung an den Finanzmärkten.
Zudem wiesen mit D.R. Horton
und Beazer Homes zwei weitere Baufirmen Quartalsverluste aus. Sie folgten damit dem Rivalen Pulte. Die Aktien der drei Firmen verloren zwischen 1,8 und 8,7 Prozent. Der Kurs des Baukonzerns WCI stürzte 12,8 Prozent ab, nachdem WCI erklärte, die Immobilien-Krise erschwere seine Suche nach einem Übernahme-Interessenten.
Finanzwerte gerieten ebenfalls in den Hausbau-Sog sowie die Sorgen über zunehmende Finanzierungsprobleme bei Fusionen, die zuletzt zu den Höhenflügen an den Aktienmärkten beigetragen hatten. Aktien von JP Morgan
und Citigroup
gaben mehr als 2,5 Prozent nach.
Zu den Tagesverlierern gehörte auch der Mineralölkonzern Exxon
Mobil, der im im zweiten Quartal weniger als erwartet verdiente. Seine Aktie fiel um 4,3 Prozent. US-Leichtöl hatte sich zwischenzeitlich um 1,2 Prozent verteuert, gab im Handelsverlauf aber rund einen Dollar nach und kostete zu Börsenschluss 74,85 Dollar. Marktbeobachter sagten, die Kursverluste an der Börse deuteten auf eine Abschwächung der Wirtschaft und damit der Benzin-Nachfrage hin.
Zu den Gewinnern gehörten die Aktien von Ford
und Apple
. Beide Firmen hatten unerwartet gute Zahlen vorgelegt.
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An der New York Stock Exchange wechselten rund 2,78 Mrd. Aktien den Besitzer. 317 Werte legten zu, 3066 gaben nach und 73 blieben unverändert. An der Nasdaq
schlossen bei Umsätzen von 3,4 Mrd. Aktien 541 im Plus, 2543 im Minus und 79 unverändert. An den US-Kreditmärkten stiegen die zehnjährigen Staatsanleihen um 26/32 auf 97-23/32. Sie rentierten mit 4,794 Prozent. Die 30-jährigen Bonds kletterten 31/32 auf 96-24/32 und hatten eine Rendite von 4,961 Prozent. Der Euro notierte mit 1,3747 Dollar gegenüber 1,3718 Dollar am Vortag.

