Nach einer Reihe ordentlicher Quartalszahlen und angesichts weiter sinkender Ölpreise haben die US-Börsen am Dienstag im Plus geschlossen. Die Spanne zwischen Gewinnern und Verlierern war enorm: Während Fluggesellschaften zum Höhenflug ansetzten, ging es für etliche Technologiewerte abwärts.
HB NEW YORK. Dank eines Ölpreises, der unter 128 Doller lag und damit so niedrig, wie seit Juni nicht mehr, haben die US-Börsen am Dienstag fester geschlossen. Bei den Investoren keimte die Hoffnung auf, mit geringeren Energiekosten könne auch die Nachfrage der Konsumenten wieder anziehen. Davon profitierten Papiere wie Coca-Cola und Wal-Mart. Auch positive Geschäftszahlen von Caterpillar, DuPont und General Electric sorgten für gute Stimmung. Der positive Trend überschattete am Ende schlechte Nachrichten aus dem Technologiesektor, wo vor allem Apple die Händler enttäuschte. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 1,18 Prozent höher bei 11 602 Punkten, nachdem er sich im Verlauf zwischen 11 387 und 11 616 bewegt hatte. Der breiter gefasste S&P-500 legte 1,35 Prozent auf 1277 Punkte zu. Der Technologie-Index Nasdaq schloss 1,07 Prozent im Plus mit 2303 Zählern.
Das Barrel Öl kostete mit 127,95 Dollar gut drei Dollar weniger als am Montag. Parallel legte der Dollar um knapp zwei Cent zu, so dass ein Euro nur noch 1,57 Dollar wert war. „Diese wichtigen Einflussgrößen entwickeln sich in die richtige Richtung. Ich glaube, ein starker Dollar kann den Ölpreis noch weiter drücken“, sagte Analyst Tim Ghriskey von Solaris Asset Management. In der Folge legten die Aktien von Coca-Cola und Wal-Mart jeweils um über drei Prozent zu. Beide Unternehmen leiden traditionell stark unter hohen Energiekosten und der oft damit einhergehenden Konsumentenzurückhaltung.
Angesichts hoher Spritkosten und der lahmenden US-Konjunktur gaben weitere Fluggesellschaften für das zweite Quartalen rote Zahlen bekannt. Der Fall der Ölpreise bescherte der krisengeschüttelten Branche dennoch massive Kursgewinne. So schoss die United-Airlines-Mutter UAL um 69 Prozent senkrecht in die Höhe auf 8,41 Dollar.
Der weltgrößte Baumaschinenhersteller Caterpillar steigerte seinen Gewinn im zweiten Quartal überraschend deutlich und übertraf die Erwartungen. Die Aktie legte daraufhin um rund zwei Prozent zu. Auch der Chemiekonzern DuPont übertraf mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen. Die Titel gewannen zwei Prozent. Die Aktien General Electric stiegen beflügelt von einem neuen Kooperationsabkommen in Abu Dhabi um knapp drei Prozent.
Aus der Finanzbranche gab es nach den guten Zahlen von der Bank of America vom Montag erneute positive Zeichen. Wachovia erlitt in den vergangenen drei Monaten zwar einen Verlust von 8,86 Mrd. Dollar und kündigte eine Dividendenkürzung an. Jedoch erklärte das Unternehmen, keine Kapitalerhöhung zu benötigen und genügend Vermögenswerte in der Hinterhand zu haben. Das beruhigte die Märkte und ließ die Wachovia-Papiere nach einem anfänglichen Kursrutsch mit einem satten Plus von 27 Prozent aus dem Markt gehen. Ganz anders American Express: Der Konzern warf die Prognose für das laufende Jahr über den Haufen, die Titel gaben um 7,1 Prozent auf 37,99 Dollar nach.
Enttäuschende Geschäftsprognosen kamen hingegen aus der Technologiebranche, welche die Börsen im frühen Handel ins Minus drückten. Der erfolgsverwöhnte Mac-, iPhone- und iPod-Hersteller Apple wird nach eigener Schätzung im laufenden Vierteljahr ein Viertel weniger verdienen als an der Wall Street erwartet. Angesichts der Wirtschaftsflaute sind sich die Börsianer deshalb nicht mehr so sicher, ob Apple in Zukunft wie gewohnt die eigenen Geschäftsprognosen übertrumpfen kann. Da half auch ein kräftiger Gewinnanstieg im vergangenen Quartal nichts: Die Apple-Aktie fiel um drei Prozent.
Auch der Chiphersteller Texas Instruments sprach angesichts eines Gewinnrückgangs von einer Abschwächung der Geschäfte. Die Aktie stürzte um knapp 15 Prozent ab. An den europäischen Börsen hatte bereits ein trüber Ausblick des Mobilfunk-Giganten Vodafone die Aktien der gesamten Telekom-Branche auf Talfahrt geschickt.
An der New Yorker Stock Exchange wechselten rund 1,57 Mrd. Aktien den Besitzer. 2227 Werte legten zu, 926 gaben nach und 78 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,56 Mrd. Aktien 1912 im Plus, 926 im Minus und 102 unverändert. An den US-Kreditmärkten gaben die zehnjährigen Staatsanleihen um 19/32 auf 98-02/32 nach. Sie rentierten mit 4,116 Prozent. Die 30-jährigen Bonds verloren 28/32 auf 95-07/32 und hatten eine Rendite von 4,675 Prozent.

