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09.07.2008 
Konflikt zwischen AKP und Kemalisten

Türkische Staatskrise belastet Börse

von Gerd Höhler

Polizeirazzien, Putschgerüchte und ein drohendes Verbot der Regierungspartei: Die Türkei geht durch die schwerste Staatskrise seit drei Jahrzehnten. Das lässt Istanbuls Finanzmärkte nicht kalt.

Ein türkischer Soldat hält Wache am Bosporus: Die Staatskrise drückt auf den Aktienmarkt. Foto: dpaLupe

Ein türkischer Soldat hält Wache am Bosporus: Die Staatskrise drückt auf den Aktienmarkt. Foto: dpa

ISTANBUL. Aktien und Anleihen sind auf Talfahrt, die Lira verliert immer weiter an Wert. Die meisten Analysten sehen keine baldige Trendwende. Mit türkischen Aktien war bisher eine gute Rendite zu erzielen. 2007 legte der Leitindex IMKB-100 um stolze 53 Prozent zu. Jetzt aber müssen die Anleger bluten: Mit einem Minus von über 40 Prozent seit Jahresbeginn notiert das Bosporus-Börsenbarometer fast dreimal so tief im roten Bereich wie der internationale Vergleichsindex MSCI Emerging Markets. Auch die Währung musste Federn lassen. Gegenüber dem Euro verlor die Lira seit Jahresbeginn rund zwölf und zum Dollar fast sechs Prozent.

Wie weit die Kurse noch abstürzen, hängt auch von den elf Verfassungsrichtern in Ankara ab. Sie beraten seit vergangener Woche über das Schicksal der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP von Ministerpräsident Tayyip Erdogan. Generalstaatsanwalt Abdurrahman Yalcinkaya will die seit Ende 2002 regierende AKP verbieten lassen, weil sie angeblich die Einführung der Scharia, des islamischen Rechts, in der Türkei plant. Mit einem Urteil wird im August gerechnet.

"Die politische Situation ist zunehmend angespannt", meint Lars Christensen, Chefanalyst der Danske Bank. Während man noch vor einem Jahr auf eine Beilegung des Machtkampfes zwischen der kemalistischen Elite und der religiös geprägten Regierung hoffen konnte, erscheine diese Option jetzt immer unwahrscheinlicher. Die Konfrontation spitze sich zu.

Dies umso mehr, als der Machtkampf nicht nur vor dem Verfassungsgericht ausgetragen wird. Vergangene Woche ließ die Regierung mehr als 20 mutmaßliche Verschwörer festnehmen, unter ihnen zwei ehemalige Vier-Sterne-Generäle. Sie sollen einen Staatsstreich geplant haben.

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