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30.04.2007 
Anleger blicken auch auf Zinsentwicklung

Unsicherheit am türkischen Aktienmarkt

Die politischen Turbulenzen in der Türkei haben an den Finanzmärkten deutliche Spuren hinterlassen. Türkische Aktien verloren am Montag so stark wie seit fast einem Jahr nicht mehr. Der Leitindex ISE-100 der Istanbuler Börse fiel um mehr als fünf Prozent zurück. Nach Meinung von Fondsmanagern und Analysten wird die Unsicherheit auch noch eine Weile anhalten.

rad/rp DÜSSELDORF/FRANKFURT. Die politischen Turbulenzen in der Türkei haben an den Finanzmärkten deutliche Spuren hinterlassen. Türkische Aktien verloren am Montag so stark wie seit fast einem Jahr nicht mehr. Der Leitindex ISE-100 der Istanbuler Börse fiel um mehr als fünf Prozent zurück. Nach Meinung von Fondsmanagern und Analysten wird die Unsicherheit auch noch eine Weile anhalten. Einen Ausverkauf wie im Mai vergangenen Jahres, als die Kurse binnen fünf Wochen um die Hälfte einbrachen, erwarten sie aber nicht. „Es gibt sehr viele Fragezeichen, aber ich glaube nicht, dass der Markt in eine große Krise hineinläuft“, sagt Manfred Zourek, Türkei-Experte der österreichischen Erste Sparinvest. „Der Großteil der Investoren sieht die langfristigen Chancen in der Türkei. Wenn sich die Lage stabilisiert, wird neues Geld in den Markt fließen“, ist Zourek überzeugt.

Allerdings könnte bis dahin einige Zeit vergehen. Oliver Stönner-Venkaterama, Investmentstratege der Cominvest, erwartet, dass die Spannungen zwischen der Regierung und dem Militär über die Nachfolge im Präsidentenamt sowohl die türkische Lira, als auch die Aktien- und Anleihemärkte des Landes zunächst noch belasten werden. „Die nächsten Wochen, schlimmstenfalls die nächsten Monate, werden recht unsicher“, sagt Stönner, „zumal die regulären Parlamentswahlen erst im November stattfinden.“

Die Hoffnung der Märkte ruht auf einer schnellen Lösung der Krise:„Es hängt alles von der politischen Lage ab. Eine vorgezogene Parlamentswahl wäre vermutlich die beste Lösung, um die Unsicherheit kurzfristig aus dem Markt zu nehmen“, meint Sebatian Kahlfeld, Co-Fondsmanager des DWS Türkei. Allerdings sei auch diese kein Allheilmittel, je nachdem, wie die Regierungsbildung anschließend verlaufe. „Je mehr Parteien für eine Mehrheit nötig sind, desto größer ist die Unsicherheit.“

Unter dem Strich überwiegt bei den Experten die Meinung, dass sich Regierung und Militär letztlich zu einer Konsenslösung durchringen werden. Zu einem Putsch werde es nicht kommen, erwartet Angelika Millendorfer, Leiterin des Bereichs Aktien/Emerging Markets bei Raiffeisen Capital Management (RCM) in Wien. „Ansonsten würden die Hoffnungen der Türkei auf einen EU-Beitritt einen weiteren Schlag erhalten“, erwartet die RCM-Expertin ein Szenario, das in der Türkei alle vermeiden wollen. Schließlich profitiert die Türkei schon jetzt von der zunehmenden Verflechtung mit der EU.

Nach einer Zeit der Unsicherheit sollten die Marktteilnehmer nach Meinung der Experten deshalb ihren Blick wieder auf die Fundamentaldaten lenken. Und die sehen nicht schlecht aus. Rein von den volkswirtschaftlichen Daten sei die Türkei ein sehr interessanter Markt, sagt Zourek. Für die nächsten zehn Jahre rechnet er im Schnitt mit jährlichen Wachstumsraten von vier bis sechs Prozent. Außerdem sei die Bereitschaft zu politischen Reformen über alle politische Lager verbreitet. „Dieses Potenzial rechtfertigt das höhere Risiko, das Anleger in der Türkei eingehen.“

Entscheidend für Aktien- wie auch für Anleiheinvestoren ist neben der politischen Situation in den kommenden Monaten vor allem die Zinsentwicklung in der Türkei. Im vergangenen Jahr hatte die türkische Zentralbank die Leitzinsen in mehreren Schritten um insgesamt 425 Basispunkte auf 17,5 Prozent angehoben, um die unter starken Druck geratene Lira zu stützen und die Inflation zu bremsen. Die hohen Zinsen dürften die Binnenkonjunktur in den ersten beiden Quartalen 2007 dämpfen. In jüngster Zeit haben Investoren auf wieder sinkende Zinsen spekuliert.

„Wenn die Zinsen wie erwartet wieder sinken, bleibt das langfristige Bild ungetrübt“, sagt Kahlfeld. „Günstigere Finanzierungsbedingungen stützen die private Bautätigkeit, den Konsum und auch die Übernahmetätigkeit. Das alles ist gut für den Aktienmarkt.“

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