Deutschland steht nach Einschätzung der führenden Wirtschaftsgutachter des Landes schon am Rande einer Rezession. Vor diesem Hintergrund rückten nun auch Konjunkturdaten wieder stärker in den Vordergrund. Im Fokus steht Börsianern zufolge weiter die Lage am Geldmarkt, wo sich die Banken gegenseitig seit Wochen kein Geld mehr leihen. Die Rettungspakete der meisten Länder zielen darauf ab, dieses Vertrauen wiederherzustellen. "Da muss man Geduld haben, das ist ein langwieriger Prozess", sagte ein Händler.
Anders als in der vergangenen Woche gerieten diesmal vor allem die Aktien der Unternehmen unter Druck, die besonders stark unter einer Konjunkturschwäche zu leiden haben. In Frankfurt rauschten deswegen Siemens
um 14 Prozent in die Tiefe. Daneben verbuchten weitere acht der insgesamt 30 Dax-Werte Verluste im zweistelligen Prozentbereich.
ThyssenKrupp
, Salzgitter
und ArcelorMittal fielen zwischen elf und 14 Prozent, zusätzlich belastet von einem pessimistischen Ausblick eines asiatischen Konkurrenten. Der südkoreanische Stahlhersteller Posco, die weltweite Nummer vier der Branche, hatte angesichts der Finanzkrise vor einer Abschwächung des Wachstums im vierten Quartal gewarnt.
Finanzwerte wurden ebenfalls in die Tiefe gerissen. Hypo Real Estate gaben um 9,1 Prozent nach, Deutsche Bank
sackten sogar um 12,5 Prozent ab. Schwächer als der Gesamtmarkt zeigten sich auch die meisten Autowerte. Daimler
und BMW
fielen um zehn Prozent und MAN
um über zwölf Prozent. Die VW
-Aktien widersetzten sich jedoch - einmal mehr - der Entwicklung am Gesamtmarkt und gehörten mit einem Plus von elf Prozent zu den wenigen Gewinnern in Europa. "VW ist mittlerweile eine eigene Anlageklasse", sagte ein Händler. Die Aktie habe sich völlig von fundamentalen Faktoren abgekoppelt.
Infineon
verbuchten zunächst ebenfalls Kursgewinne, mussten diese aber im Laufe des Tages abgeben und schlossen als zweitgrößter Dax-Verlierer 12,6 Prozent tiefer. Am Morgen hatten die Titel noch von einem überraschend starken Anstieg des Quartalgewinns des US-Chipherstellers Intel
profitiert. Doch selbst dessen Aktien konnten sich angesichts der fallenden Kurse am Gesamtmarkt und der Furcht vor schlechteren Zeiten nur mit Mühe im Plus halten und notierten im Laufe des US-Handels 0,9 Prozent höher.

