Die US-Börsen haben am Dienstag nach einer Berg- und Talfahrt überwiegend schwächer geschlossen. Belastet wurden die Märkte von Sorgen vor weiteren Bankenpleiten und Äußerungen von US-Notenbankchef Ben Bernanke.
HB NEW YORK. Demnach steht der gesamte Finanzsektor weiterhin unter immensem Druck und die US-Wirtschaft sieht sich nach wie vor einer ganzen Reihe von Schwierigkeiten gegenüber. Die Furcht vieler Anleger vor einer Ausweitung der US-Kreditkrise drückte auch den Dax zeitweise auf ein Zwei-Jahres-Tief. Der Euro kletterte zwischenzeitlich auf ein Rekordhoch von 1,6038 Dollar. Begrenzt wurden die Verluste jedoch durch einen starkes Absinken des Ölpreises um zwischenzeitlich mehr als neun Dollar.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte fiel bis zum Handelsschluss um 0,84 Prozent auf 10 962 Punkte. Im Verlauf pendelte er zwischen 10 827 und 11 123 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index verlor 1,09 Prozent auf 1214 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq lag dagegen 0,13 Prozent im Plus bei 2215 Punkten. In Deutschland beendete der Dax den Handel 1,9 Prozent im Minus bei 6081,70 Punkten.
Bernanke sagte bei einer Anhörung vor dem US-Senat in Washington, ein schwächer werdender Häusermarkt, eine Verschärfung der Bedingungen bei der Kreditvergabe durch die Banken und die Möglichkeit weiter steigender Ölpreise bedrohten die US-Wirtschaft. Die rasche Stabilisierung des US-Finanzsystems sei derzeit die höchste Priorität der Fed, betonte Bernanke.
Erst vor zwei Tagen hatten die Fed und das Finanzministerium Hilfsmaßnahmen für die wegen der Kreditkrise schwer angeschlagenen halbstaatlichen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac angekündigt. Anleger befürchteten dennoch ein Ausweiten der Krise sowie erhöhte Risiken für die US-Wirtschaft und das Finanzsystem weltweit. Fannie-Mae-Aktien brachen um 27,3 Prozent ein, Freddie-Mac-Papiere rutschten 26 Prozent ab.
Auch die Titel der Bank of America und des Versicherers American International Group gaben jeweils mehr als acht Prozent ab. Dagegen legten die Papiere von Lehmann Brothers 6,6 Prozent zu. Einem Zeitungsbericht zufolge erwägt Lehman-Chef Richard Fuld Möglichkeiten, die viertgrößte US-Investmentbank von der Börse zu nehmen.
Zu den Gewinnern gehörten auch die Aktien von Sprint Nextel. Die Papiere schossen angefeuert von Übernahmegerüchten 9,4 Prozent in die Höhe. Der Sender CNBC hatte berichtet, die südkoreanische SK Telecom habe Übernahmegespräche mit dem drittgrößten US-Mobilfunkanbieter aufgenommen. Eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte der Nachrichtenagentur Reuters jedoch, bei den Gesprächen gehe es lediglich um eine Zusammenarbeit im Technologiebereich und nicht um einen möglichen Kauf.
Im Fokus des Interesses standen auch die Aktien von General Motors. Der angeschlagene US-Autobauer kündigte ein umfassendes Sanierungsprogramm an. Das Unternehmen will die Lohnkosten um 20 Prozent senken und seine Kapitaldecke deutlich stärken. Zudem kündigte GM an, die Dividendenzahlungen vorerst zu stoppen. Börsianer begrüßten die Pläne, die GM-Aktie legte 4,9 Prozent zu.
Ebenfalls im Plus notierten die Aktien des Pharma- und Medizintechnikkonzerns Johnson & Johnson. Das Unternehmen verdiente im zweiten Quartal mehr als erwartet und hob seine Ergebnisziele für dieses Jahr erneut an. Das Papier legte fast zwei Prozent zu.
Der Preis für ein Fass US-Leichtöl fiel um mehr als sechs Dollar auf 138,56 Dollar. Als Gründe nannten Händler Sorgen über die wirtschaftliche Situation in den USA, Gewinnmitnahmen und nachlassende Ängste vor einem Streik brasilianischer Ölarbeiter.
An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,86 Mrd. Aktien den Besitzer. 811 Werte legten zu, 2402 gaben nach und 46 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,78 Mrd. Aktien 1167 im Plus, 1733 im Minus und 114 unverändert.
An den US-Kreditmärkten stiegen die zehnjährigen Staatsanleihen um 9/32 auf 100-12/32. Sie rentierten mit 3,828 Prozent. Die 30-jährigen Bonds sanken 4/32 auf 98-18/32 und hatten eine Rendite von 4,463 Prozent.

