Schlechte Zahlen vom US-Arbeitsmarkt haben zum Wochenausklang die Wall Street belastet. Doch es gibt nicht nur Verlierer. Ausgerechnet eine Brache, die es zurzeit schwer hat, verhalf dem Dow-Jones-Index zum Schluss ins Plus.
HB NEW YORK. Zu den größten Gewinnern gehörten die zuletzt stark gebeutelten US-Banken. Negative Meldungen gab es dagegen vom amerikanischen Arbeitsmarkt. Ein überraschend deutlicher Anstieg der Arbeitslosenquote verstärkte unter Händlern die Befürchtung, dass die Flaute der US-Wirtschaft noch länger andauern könnte. Unter Druck standen nach schlechten Nachrichten des finnischen Handyhersteller Nokia
Titel aus dem Telekommunikationssektor. Dagegen sorgten in der Tabakbranche Übernahmegerüchte für steigende Kurse.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss am Ende 0,3 Prozent fester bei 11 220 Punkten. Im Handelsverlauf pendelte er zwischen 11 037 und 11 245 Zählern. Der breiter gefasste S&P-500 gewann 0,4 Prozent auf 1 242 Punkte. Der Index der Technologiebörse Nasdaq
lag dagegen 0,1 Prozent im Minus bei 2 255 Stellen. In Frankfurt hatte der Dax am Freitag 2,4 Prozent tiefer bei 6 127 Punkten geschlossen. Im Wochenverlauf verlor der Dow 2,8 Prozent und der S&P 3,2 Prozent. Der Nasdaq
fiel um 4,7 Prozent und verbuchte damit den größten Wochenverlust seit Januar.
Weil Investoren ihr Geld aus dem Energie-, Rohstoff- und Technologiesektor abzogen, legten die Papiere der Banken zu. Bank of America
gewannen 5,3 Prozent, JP Morgan
4,5 Prozent und Morgan Stanley
2,5 Prozent. Die Aktien des Instituts Wachovia
schossen sogar 7,9 Prozent nach oben. Auch für die angeschlagene US-Bank Lehman Brothers
gab es gute Neuigkeiten. KKR und Blackstone
haben einem Bericht zufolge Interesse am Kauf von Teilen des Immobiliengeschäfts sowie der Vermögensverwaltung von Lehman. Die Aktien des Instituts verteuerten sich daraufhin um 6,8 Prozent.
Zu den Gewinnern zählte auch der Tabakhersteller UST, dessen Papiere über ein Viertel in die Höhe schossen. Zuvor war aus Kreisen verlautet, der Marlboro-Hersteller Altria
führe Übernahmegespräche mit UTS. Laut "New York Times" könnte bereits am Montag ein rund zehn Mrd. Dollar teurer Deal unter Dach und Fach gebracht werden. Die Altria
-Titel schlossen 1,4 Prozent im Plus. Dell
-Papiere profitierten von der Nachricht, dass der weltweit zweitgrößte Computerhersteller auf seinem Sparkurs wohl Fabriken verkaufen will. Dell
-Papiere legten 0,6 Prozent zu.
Unter Händlern blieb die Grundstimmung jedoch weiter negativ. Hauptverantwortlich dafür war die US-Arbeitslosenquote, die im August um 0,4 Prozentpunkte auf 6,1 Prozent anstieg, den höchsten Stand seit fast fünf Jahren. Analysten waren von einem geringeren Beschäftigungsrückgang ausgegangen. "Diese Abkühlung oder Rezession ist vor allem auf die Turbulenzen im Finanzsektor sowie den Anstieg der Rohstoffpreise infolge der hohen weltweiten Nachfrage zurückzuführen", sagte Händler Owen Fitzpatrick von der Deutschen Bank
. Auch sein Kollege Sasha Kostadinov von Shaker Investments blieb skeptisch. "Die Wirtschaft ist schwach, es gibt wenige Kredite und die Konsumenten sind wirklich am Strampeln."
Qualcomm
und der Blackberry
-Hersteller In Motion litten zudem unter den düsteren Aussichten von Nokia
. Der finnische Handyhersteller hatte gewarnt, dass die Sparsamkeit von Verbrauchern den Mobilfunkmarkt noch das gesamte Jahr 2008 beeinträchtigen könnte. Nokia
geht davon aus, dass der eigene Marktanteil im dritten Quartal sinken wird. Qualcomm
verloren 1,8 Prozent, In Motion 0,5 Prozent. Auch der iPhone-Hersteller Apple
verlor 0,7 Prozent. Aus Sorgen um eine weitere Abkühlung der Weltwirtschaft und fallende Ölpreise gaben die Aktien von Exxon
0,7 Prozent nach.
An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,2 Mrd. Aktien den Besitzer. 1 583 Werte legten zu, 1 518 gaben nach und 106 blieben unverändert. An der Nasdaq
schlossen bei Umsätzen von 2,26 Mrd. Aktien 1 265 im Plus, 1 512 im Minus und 150 unverändert. An den US-Kreditmärkten gaben die zehnjährigen Staatsanleihen um 10/32 auf 102-25/32 nach. Sie rentierten mit 3,661 Prozent. Die 30-jährigen Bonds verloren 05/32 auf 103-25/32 und hatten eine Rendite von 4,274 Prozent.

