Neue Hoffnung auf ein Ende der Konjunkturflaute hat die US-Aktienmärkte am Donnerstag belebt. Die Börsen schlossen mit deutlichen Aufschlägen. Grund für den Optimismus war eine unerwartet deutliche Erholung der US-Wirtschaft im Frühjahrsquartal.
HB NEW YORK. Unterstützung erhielt die Wall Street von der Verbilligung des Ölpreises auf rund 115 Dollar. Zeitweise hatte das Barrel am Donnerstag mehr als 120 Dollar gekostet. Händler begründeten den Rückgang des Ölpreises mit einer Ankündigung der Internationalen Energieagentur (IEA), im Falle von Fördereinbußen wegen des Tropensturms "Gustav" strategische Ölreserven freigeben zu wollen.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verbuchte ein Plus von 1,85 Prozent und schloss auf seinem Tageshöchststand von 11 715 Punkten. Im Handelsverlauf bewegte sich der Index zwischen 11 499 und 11 715 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index gewann 1,48 Prozent auf 1300 Zähler. Der Nasdaq
-Composite legte 1,22 Prozent auf 2411 Punkte zu. Auch die deutschen Anleger ließen sich von den Konjunkturdaten aus den USA mitreißen: Der Deutsche Aktienindex (Dax) ging in Frankfurt mit einem Aufschlag von 1,6 Prozent auf 6420 Punkte aus dem Handel.
Das US-Bruttoinlandsprodukt stieg mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 3,3 Prozent nach 0,9 Prozent im Vorquartal und damit stärker als bislang angenommen. Auch der private Konsum erwies sich im Frühjahr stärker als erwartet. Die privaten Ausgaben machen zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung aus. Der Arbeitsmarkt zeigte sich zuletzt ebenfalls robust. "Die BIP-Daten waren ermutigend und das ist es, was die Investoren wirklich sehen wollen: dass es ein bisschen aufwärts geht", sagte Bruce Zaro von Delta Global Advisors in Boston.
Zu den größten Gewinnern gehörten die Titel des weltgrößten Anleiheversicherers MBIA
mit einem Kurssprung von fast 35 Prozent. MBIA
will Kommunalanleihen im Volumen von 184 Mrd. Dollar von seinem US-Konkurrenten FGIC rückversichern. Dafür erhält MBIA
eine Prämie von 741 Mill. Dollar, die das Unternehmen angesichts der Kreditkrise dringend gebrauchen kann.
Auch die Aktien des angeschlagenen Hypothekengiganten Fannie Mae
setzten ihre Erholung mit einem Kursanstieg von knapp 23 Prozent fort. Der Hypothekenfinanzierer kündigte personelle Konsequenzen aus der anhaltenden Kreditkrise an. Zudem äußerte sich die Investmentbank Lehman Brothers
relativ optimistisch: Dem Konzern gehe es nicht so schlecht wie befürchtet, komme womöglich ohne neue Geldspritzen aus. Im Schlepptau von Fannie Mae
kletterten die Aktien des Konkurrenten Freddie Mac
um rund elf Prozent. "Die Börse gewinnt zunehmend Vertrauen, die Turbulenzen an den Finanzmärkten und die hohen Ölpreise dürften nicht in einer Rezession münden", sagte Jim Awad von W.P. Stewart & Co in New York.
Auch außerhalb des Finanzsektors legten Aktien zu. Die Papiere von Sears
rückten nach einem zunächst schwachen Auftakt um gut vier Prozent vor, obwohl der Einzelhändler weniger als erwartet verdiente und sich skeptisch zu den Geschäftsaussichten äußerte. Die Anteilsscheine von Tiffany
& Co legten über zehn Prozent zu, nachdem der Juwelier wegen guter Geschäfte außerhalb der USA seine Prognose für das Gesamtjahr anhob. Im ersten Halbjahr hatte Tiffany
mehr verdient als erwartet.
An der New York Stock Exchange wechselten rund 0,96 Mrd. Aktien den Besitzer. 2485 Werte legten zu, 646 gaben nach und 71 blieben unverändert. An der Nasdaq
schlossen bei Umsätzen von 1,62 Mrd. Aktien 2078 im Plus, 753 im Minus und 130 unverändert. An den US-Kreditmärkten sanken die zehnjährigen Staatsanleihen um 4/32 auf 101-25/32. Sie rentierten mit 3,784 Prozent. Die 30-jährigen Bonds kletterten indes um 4/32 auf 102-01/32 und hatten eine Rendite von 4,377 Prozent.

