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09.10.2008 
Marktberichte aus Tokio und New York

Wall Street im Minus – Nikkei beruhigt sich

Auch die koordinierte Zinssenkung mehrerer wichtiger Zentralbanken rund um den Globus konnte die weitere Talfahrt der Wall Street am Ende nicht verhindern. Nach einer Achterbahnfahrt schloss der Dow-Jones-Index am sechsten Tag in Folge deutlich im Minus. In Tokio zeigt sich der Nikkei lange positiv und rutscht erst kurz vor Handelsschluss leicht ins Minus.

Auch das koordinierte Vorgehen von zahlreichen Notenbanken rund um den Globus konnte die Börsianer am Mittwoch nicht beruhigen. Foto: apLupe

Auch das koordinierte Vorgehen von zahlreichen Notenbanken rund um den Globus konnte die Börsianer am Mittwoch nicht beruhigen. Foto: ap

HB NEW YORK/TOKIO. Nach einem Minus von fast zehn Prozent am Mittwoch hat sich die Lage an der Börse in Tokio heut deutlich stabilisiert. Laut Händlern fanden Anleger wieder den Mut, die stark gefallenen Kurse für Käufe zu nutzen. Dem Nikkei bescherte das zeitweise ein deutliches Plus. Allerdings gab der japanische Leitindex im späten Handel einen seine Gewinne wieder ab und beendete den Handel schließlich doch 0,5 Prozent schwächer bei 9 157 Punkten.

Positiv zeigen sich Sektoren, in denen die Kurse in den vergangenen Tagen deutlich eingebrochen waren wie Großhandel und Maschinenbau. Die Papiere von Handelsunternehmen wie Marubeni, Itochu und Komatsu notieren deutlich im Plus, nachdem der Sektorindex in den vergangenen fünf Handelstagen um insgesamt 25% eingebrochen war.

Dabei gab es keine guten Daten aus der Branche: Die Auftragseingänge der japanischen Maschinenbauunternehmen sind im August überraschend deutlich gefallen. Wie die Regierung mitteilte, wurde gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt ein Minus von 14,5 Prozent verzeichnet. Analysten hatten im Mittel mit einem Minus von nur 3,6% gerechnet. Im Vergleich zum Vorjahresmonat lagen die Auftragseingänge um 13,0% niedriger. Der Ordereingang im Maschinenbau wird von Volkswirten als vorlaufender Indikator für die Entwicklung der Ausgaben der Unternehmen für langfristige Sachanlagen gewertet.

Angesichts der Folgen der Finanzkrise hat die japanische Zentralbank am 17. Handelstag in Folge eingegriffen, um für Stabilität am Geldmarkt zu sorgen: Die Bank of Japan pumpte umgerechnet 14,6 Mrd.Euro in den Markt. Auf diese Weise versucht die Zentralbank die Kosten für kurzfristige Kredite im Interbankengeschäft zu drücken, um die Banken dazu zu bewegen, sich gegenseitig mehr Mittel zu leihen.

In New York hatte der Dow-Jones-Index den Handel mit einem Minus von zwei Prozent bei 9258 Punkten beendet. Im Verlauf hatte er zwischen einem Hoch von 9628 und einem Tief von 9194 Punkten gependelt. Der breiter gefasste S&P-500 gab 1,1 Prozent nach auf 984 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sank um 0,8 Prozent auf 1740 Stellen. Vorausgegangen waren dramatische Verluste an den Börsen in Europa. In Frankfurt ging der Leitindex Dax 5,9 Prozent tiefer bei 5013 Punkten aus dem Handel. Er schloss damit auf dem tiefsten Stand seit November 2005.

Zudem verlautete aus Regierungskreisen, dass die USA prüfen, mehrere Banken teilweise zu verstaatlichen. Die vom Kongress jetzt im Rahmen des 700 Milliarden Dollar umfassenden Rettungspakets gewährten Vollmachten zum Umgang mit der Finanzkrise eröffneten der Regierung eine Reihe von Möglichkeiten, hieß es.

Ein derartiger staatlicher Einstieg bei Banken wäre zu vergleichen mit dem Vorgehen der britischen Regierung. Die britische Regierung hatte am Mittwoch angekündigt, acht der größten Banken teilweise zu verstaatlichen, um die Stabilität auf dem Finanzmarkt wiederherzustellen. Auf den britischen Plan angesprochen, sagte US-Finanzminister Henry Paulson, er weise diese Idee nicht zurück. Er wolle jedoch nicht darüber spekulieren, welches der neuen Rechte die Regierung nun anwende.

Außerdem sagte Finanzminister Henry Paulson, dass er weitere Bankenpleiten erwartet: „Wir müssen anerkennen, dass einige Finanzinstitutionen trotz der neuen Vollmachten des Finanzministeriums scheitern werden“, sagte Paulson in Washington. Der Minister stellte klar, dass das 700 Mrd. Dollar schwere Paket der Regierung aber nicht dazu da sei, „jede existierende Finanzinstitution um ihrer selbst willen zu retten“, sagte der Minister.

Zu den großen Verlierern an der Wall Street gehörten erneut Finanzwerte. Die Bank of America-Aktien setzten nach ihren früher als erwartet vorgelegten Quartalszahlen ihre Talfahrt fort und fielen um 7,6 Prozent. Papiere der Citigroup gaben fünf Prozent nach. Nach stärkerem Auftakt fielen dem Trend entsprechend auch Morgan-Stanley-Papiere um 4,8 Prozent.

Zur Eröffnung der neuen Berichtssaison trübten auch schlechte Zahlen bei Alcoa das Bild. Der Preisverfall bei Aluminium und eine gesunkene Nachfrage haben den Quartalsgewinn des Konzerns überraschend um mehr als die Hälfte geschmälert. Alcoa-Aktien verloren knapp zwölf Prozent. Traditionell läutet Alcoa die Serie von US-Quartalsberichten ein, auf die Börsianer wegen der eskalierenden Finanzkrise nun mit banger Erwartung blicken.

Deutliche Gewinne verbuchte dagegen die Aktie des US-Saatgutriesen Monsanto. Der weltweite Boom auf den Agrarmärkten hat dem Konzern im vergangenen Geschäftsjahr ein Rekordgeschäft beschert. Monsanto-Titel legten um 9,8 Prozent zu.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 2,13 Mrd. Aktien den Besitzer. 750 Werte legten zu, 2451 gaben nach und 35 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 3,52 Mrd. Aktien 728 im Plus, 2054 im Minus und 88 unverändert. An den US-Kreditmärkten fielen die zehnjährigen Staatsanleihen um 45/32 auf 102-20/32. Sie rentierten mit 3,679 Prozent. Die 30-jährigen Bonds sanken 27/32 auf 107-04/32 und hatten eine Rendite von 4 083 Prozent.

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