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05.09.2008 
Marktbericht

Weltbörsen: „Das ist ein perfekter Sturm“

An den Börsen weht den Anlegern zum Wochenausklang ein eisiger Wind entgegen: Weltweit sind die Kurse wegen wieder größer werdenden Sorgen über eine Abkühlung der Weltwirtschaft kräftig unter Druck geraten. Mit dem neuerlichen Rückschlag hat sich auch die technische Situation an den Märkten wieder eingetrübt. Neue US-Arbeitsmarktdaten am Nachmittag könnten die Situation noch verschärfen.

An den Weltmärkten tanzt der Bär. Illustration: Handelsblatt.com

An den Weltmärkten tanzt der Bär. Illustration: Handelsblatt.com

HB FRANKFURT. In Tokio schloss der asiatische Leitindex Nikkei 2,8 Prozent schwächer auf einem Fünf-Monats-Tief bei 12 212 (-345) Punkten, nachdem er zeitweise sogar bis auf der 12 163 Punkte gefallen war und Händler sogar einen Absturz unter die 12 000-Punkte-Marke nicht ausgeschlossen hatten. Besonders exportorientierte Aktien gerieten unter Druck. Der Hang-Seng-Index in Hongkong gab sogar um mehr als drei Prozent auf 19 753 Zähler nach. Marktteilnehmer begründeten die Abschläge vor allem mit der Schwäche an den US-Börsen, wo der Dow Jones fast drei Prozent schwächer geschlossen hatte. Auch der Dax war am Donnerstag fast drei Prozent niedriger aus dem Handel gegangen und setzte seine Talfahrt am Freitag fort.

Der Hang-Seng-Index in Hongkong fiel ebenfalls deutlich um 2,3 Prozent auf 19 924 Punkte, nachdem er zeitweise sogar mehr als drei Prozent im Minus bei 19 753 Zähler notiert hatte. Der H-Index der Aktien vom chinesischen Festland verlor 2,35 Prozent. Mit dem Unterschreiten der Marke von 20 000 Punkten kehrte der Hang Seng auf den Stand von Ende 2006 zurück - alle Kursgewinne der Rally von 2007 waren verloren. 2007 hatte der Index insgesamt 39 Prozent zugelegt.

Die Börse in Shanghai schloss mit einem Abschlag von 3,3 Prozent bei 2202 Punkten. Auch hier belasteten die schlechten Nachrichten aus den USA. Für Unruhe auf dem Parkett sorgte zudem der geplante Börsengang einer großen Brokerage-Firma. Die Aussicht auf eine weitere Aktienemission ließ die Anleger um das Gleichgewicht von Kapitalangebot und-nachfrage fürchten.

Auch die wichtigsten europäischen Aktienindizes weiteten am Freitag im Handelsverlauf ihre Verluste aus. Für den Eurostoxx 50 ging es zuletzt um 1,28 Prozent auf 3 233,03 Zähler nach unten. Im Verlauf hatte der europäische Leitindex bei 3 208 Punkten den tiefsten Stand seit Juli markiert. Der Stoxx50 mit Werten aus Großbritannien und der Schweiz büßte 0,87 Prozent auf 2 787,45 Zähler ein. Der französische CAC-40-Index verlor 1,14 Prozent auf 4 255,15 Punkte. Der Londoner FTSE 100 fiel um 1,14 Prozent auf 5 301,00 Punkte.

Der Dow-Jones-Index hatte am Donnerstag nach Handelsschluss in Europa belastet von Sorgen über die Lage am Arbeitsmarkt seine Verluste auf drei (zuvor 2,2) Prozent ausgeweitet, der Technologie-Index Nasdaq-Composite fiel um 3,2 (zuvor zwei Prozent). In der abgelaufenen Woche sind die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe überraschend gestiegen. Zudem meldete der Arbeitsmarkt-Dienstleister ADP einen abermaligen Beschäftigungsrückgang im Privatsektor. "Nun machen sich Anleger ihre Gedanken über die monatlichen Arbeitsmarktdaten am Freitag", sagte Händler Dave Rovelli von Canaccord Adams. Ein überraschend stark gestiegener ISM-Einkaufsmanagerindex konnte die Stimmung nicht heben.

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Die US-Statistik zu den Arbeitsmarktdaten für August wird um 14.30 Uhr MESZ veröffentlicht. An der Wall Street rechnen Analysten vor diesem Hintergrund mit weiteren Verlusten am Freitag. "Alle machen sich Sorgen wegen der Zahl, die da kommt", sagte ein Händler in New York, Dave Rovelli. "Das ist ein perfekter Sturm." Analysten rechnen im Schnitt mit einem Stellenabbau außerhalb der Landwirtschaft von 75 000. Die Arbeitslosenquote dürfte unverändert bei 5,7 Prozent verharren.

Daneben seien die Börsianer derzeit vor allem für die europäische Wirtschaft extrem negativ eingestellt. "Da die EZB gestern keine Zinssenkungssignale gegeben hat, wird sich daran so schnell nichts ändern", sagte ein Analyst.

"Da viele Anleger nun von einer Rezession ausgehen, werden jetzt fallende Unternehmensgewinne an der Börse eingepreist", sagte ein anderer Händler. Auffällig sei dabei das Comeback des US-Dollar. Der Euro fiel entsprechend stark zurück und notierte zeitweise unter 1,43 Dollar, so niedrig wie seit Oktober 2007 nicht mehr. Am Morgen notierte er um 1,43 Dollar, nachdem er den New Yorker Handel mit 1,4240 Dollar beendet hatte.

Insgesamt hat sich die technische Situation an den Aktienmärkten mit dem Rückschlag vom Donnerstag eingetrübt. Staud Research spricht mit Blick auf den Dax von "einer mittleren Katastrophe", auch weil der Abschwung "impulsive Strukturen" aufweise. Als negativ gesehen wird von Analysten der deutlich steigende Umsatz bei fallenden Kursen. Sollte der Dax unter 6 160 fallen, würden neue Jahrestiefs unter 6 000 Punkten wahrscheinlicher, heißt es. Indizes wie der Hang Seng oder der russische RTS seien bereits auf Jahrestiefs gefallen. Die Analysten von Equinet meinen, der S&P-500 habe ein "rising wedge" aufgelöst. Der Bruch der 1 270er Unterstützung lege einen Fall auf den Unterstützungsbereich zwischen 1 197 und 1 187 nahe, so Equinet. Nur ein Rückerobern der 1 270er Marke löse das negative Szenario auf.

Die Ölpreise zeigten sich kaum verändert. Im frühen Handel kostete ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Oktober 107,77 Dollar und damit elf Cent weniger als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent lag bei 106,36 Dollar - das waren sechs Cent mehr als am Donnerstag.

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