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23.01.2008 
Kurse in Europa und Amerika geben weiter nach

Zinssenkung verpufft an der Börse

Die Zinssenkung der US-Notenbank ist bereits einen Tag danach verpufft. Am Mittwoch bestimmten erneut Rezessionsängste die Börsen und schickten die Aktienkurse auf Talfahrt. Zudem erschreckten der Computerhersteller Apple und der Handyproduzent Motorola die Anleger mit schlechten Geschäftsprognosen. Experten sind sich nun über die Entwicklung an den Märkten weitgehend einig.

An der Wall Street lagen die Nerven blank. Doch zum Handelsschluss erlebten die US-Börsen dann eine rasante Aufholjagd. Foto: dpaLupe

An der Wall Street lagen die Nerven blank. Doch zum Handelsschluss erlebten die US-Börsen dann eine rasante Aufholjagd. Foto: dpa

HB NEW YORK/FRANKFURT. Die US-Börsen gaben gleich nach der Eröffnung um rund zwei Prozent nach. Im späten Handeln konnten sie sich dann aber, gestützt durch Kursgewinnen bei Finanztiteln, in positives Terrain retten und Eibußen des Vortages wettmachen.

In Europa kam es indes erneut zu kräftigen Verlusten. Das deutsche Aktienbarometer Dax gab in der Spitze um mehr als fünf Prozent nach und verbuchte damit seit Anfang des Jahres einen Einbruch um mehr als 20 Prozent. Auch andere europäische Börsen gaben stark nach. Nur an den asiatischen Börsen war es am Morgen zu einer Erholung gekommen.


»  Berichte von den internationalen Börsen

Experten befürchten, dass die Finanzkrise zu keinem schnellen Ende kommt. Kenneth Rogoff, Professor an der Harvard-Universität und ehemaliger Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds, sieht die Börsianer von Rezessionsängsten geplagt. "Das wird die Aktienkurse weiter drücken. Den Dow-Jones-Index sehe ich am Jahresende bei 10 000 bis 11 000 Punkten", sagte er dem Handelsblatt. Damit würde der US-Index um weitere rund 2 000 Zähler fallen.

Analysten in den USA rechnen ebenfalls nicht mit einer baldigen Erholung. Tobias Levkovich, Chefstratege der Citigroup, kürzte seine Erwartungen für den S&P-500-Index um mehr als sieben Prozent. Die Zinssenkungen der US -Notenbank kämen zu spät, um einen Einbruch bei den Unternehmensgewinnen noch abzuwenden, sagte Levkovich. Nach Einschätzung von Merrill Lynch hat die Rezession in den USA bereits begonnen. Ein Anzeichen für den sich anbahnenden Abschwung ist auch das wachsende US-Haushaltsdefizit. Wie das Haushaltsamt des Kongresses mitteilte, dürfte es in diesem Jahr auf 250 Mrd. Dollar ansteigen. Im vergangenen Jahr lag es noch bei 163 Mrd. Dollar.

Auch in Deutschland sind die Akteure hochgradig nervös. Niemand traue den US-Börsen über den Weg, sagte Ascan Iredi, Aktienhändler bei der Postbank: "Es kann doch nicht sein, dass die Börsen in Europa und den USA so viel schlechter dastehen als der US-Markt, der von der Krise am stärksten betroffen ist." Spekulationen verstärkten die Unsicherheit: "Es kursieren den ganzen Tag Gerüchte über neue Milliardenabschreibungen bei Banken, und niemand weiß, was er glauben soll", sagte Iredi. Der Dax könne kurzfristig noch bis auf 5 850 Punkte fallen, erwartet er.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Investoren flüchteten deshalb "in den sicheren Hafen der Staatsanleihen"

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