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13.10.2008 
Der Markt-Monitor

Ein erster Strohhalm

von Ralf Drescher

Heftige Kursgewinne zum Start lassen auf eine erfreulichere Woche an den Börsen hoffen. Für Euphorie gibt es angesicht von Rezessionssorgen und anhaltender Unsicherheit im Bankensektor keinen Anlass. Aber die Hoffnung auf ein Ende der rasanten Talfahrt wächst.

Welch ein Start in die Woche. Anders als in der vergangenen Woche, als sämtliche Rettungsaktionen für die taumelnde Finanzwelt schnell verpufften, scheint die Börse die konzertierten Hilfsbemühungen vom Wochenende als echtes Hoffnungssignal zu werten. Kursgewinne von sechs Prozent beim Dax, zehn Prozent beim TecDax und 20 Prozent und mehr bei einzelnen Aktien spiegeln die Erleichterung der Investoren deutlich wider.

Gleichzeitig mehren sich die positiven Stimmen von Politikern und Finanzexperten, die den Höhepunkt der Finanzkrise ganz nah, wenn nicht sogar überwunden sehen. Selbst der IWF – bisher einer der größen Mahner in der Krise – hat heute in Person seines Chefs Dominique Strauss-Kahn erklärt, dass das Schlimmste jetzt womöglich überstanden sei. Fast scheint es, als hätten die Verantwortlichen neben den monetären Rettungsplänen am Wochenende auch eine konzertierte rhetorische Stützungsaktion für die Finanzmärkte vereinbart.

Vor Euphorie sollten sich Anleger allerdings hüten. Die Chancen für eine Rettung des Bankensystems stehen sicherlich deutlich besser als zuvor. Sicher ist es aber nicht, dass die Pläne greifen – zumal die Details noch weitgehend unbekannt sind. Entscheidend ist die nachhaltige Reaktion der Märkte. Nur wenn sie neues Vertrauen fassen und wieder ausreichend Kapital in den Kreislauf geben, kann eine Bankensanierung gelingen. Überdies lauert im Schatten der Bankenkrise eine andere Gefahr namens Rezession. Bisher kann niemand sagen, wie lang und heftig der Wirtschaftsabschwung in den USA und in anderen Industriestaaten ausfallen wird. Die jüngsten Prognosen lassen jedenfalls eher Schlimmes erwarten.

Die gute Nachricht für Anleger ist, dass ein Teil der Rezessionszenarien im Einbruch der vergangenen Wochen schon Niederschlag gefunden hat. Abzulesen ist das an den heftigen Verlusten, die undifferenziert durch alle Sektoren verliefen. Die schlechte Nachricht ist, dass eine schnelle Erholung an den Börsen unwahrscheinlich ist. Niemand sollte jetzt den Fehler machen und auf eine stürmische Gegenbewegung in Richtung alter Hochs spekulieren. So lange das wirtschaftliche Umfeld Unsicherheit schürt, wird der Markt volatil bleiben, kräftige Anstiege sind in dieser Gemengelage nicht zu erwarten.

Sofern die Rezession nicht ganz übel zuschlägt, scheint andererseits zumindest das weitere Rückschlagpotenzial begrenzt. Die Börsen senden heute ein positives Signal. Man kann dieses als ersten Strohhalm werten, an den sich Anleger klammern können. Für mehr ist es aber noch zu früh.

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