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06.10.2008 
Der Markt-Monitor

Versteckter Tipp

von Ralf Drescher

Ein staatliches Hilfsprogramm jagt das andere. Doch die Börsen geben weiter nach, weil das Vertrauen zerstört ist. Auf der Suche nach Orientierung leistet die Bundesregierung Hilfe.

Eigentlich sollte man die Wochenenden abschaffen. Jedes Mal, wenn es zuletzt montags zurück an den Rechner ging, war die Welt eine andere als am Freitag zuvor. So auch diese Woche: Die USA haben es tatsächlich geschafft, ihr 700-Milliarden-Dollar Bankenrettungspaket durch den Kongress zu bringen und Deutschland hat inzwischen ein eigenes Sicherungsprogramm, das mit 568 Milliarden Euro ähnliche Dimensionen hat. Gut, es geht hier nur um Sicherheiten für den Fall aller Fälle, aber das Ziel ist das Gleiche: Irgendwie dem Markt neues Vertrauen geben.

Gelungen ist es Regierungen und Regulierern bisher allerdings höchstens, die totale Panik an den Börsen zu verhindern. Von Vertrauen kann angesichts weltweit massiv nachgebender Aktienindizes und abstürzender Bankenaktien keine Rede sein. Im Gegenteil: Wenn die Commerzbank sich am Wochenende genötigt sieht, öffentlich klarzustellen, dass ihre Refinanzierung gesichert ist, und der Aktienkurs heute trotzdem um 15 Prozent einbricht, zeigt das, wie hoch das Misstrauen der Märkte ist. Auch die negative Reaktion der Wall Street auf den Erfolg des Rettungspaketes im Kongress am Freitag untermauert die miserable Stimmung.

Von der Hypo Real Estate mag man im Zusammenhang mit Vertrauen kaum noch sprechen. So schnell wie bei der Münchener Immobilienbank ist Vertrauen wohl selten verspielt worden. Die Schieflage vergangene Woche kam nahezu aus heiterem Himmel. Am Freitag galt das Institut dann aber als gerettet. Jedoch nur, um einen Tag später ein neues Milliardenloch zu offenbaren. Dass heute Nacht bereits ein neues Rettungspaket vereinbart wurde, lässt die Börsianer zu Recht kalt. Mit einem Minus von inzwischen nur noch gut 20 Prozent ist die Hypo Real Estate sehr gut bedient.

Eine nicht enden wollende Bankenkrise mit immer neuen Krisenbanken, Rettungsaktionen im Wochentakt und ein immer dunkler werdender Konjunkturausblick: Das alles ist Gift für die Märkte. Bis die Anleger wirklich neues Vertrauen schöpfen, wird noch einige Zeit vergehen. Wer im Moment über einen Einstieg an der Börse nachdenkt, sollte sehr gründlich überlegen. Gestern Abend hat die Bundesregierung klar gestellt, dass Einlagen auf Giro-, Spar- oder Termingeldkonten sicher sind. Als Anlagetipp war das wahrscheinlich nicht gemeint. Verfehlt wäre solch ein Ratschlag im aktuellen Umfeld aber sicher nicht.

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