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09.07.2008 
Bankenbilanzierung

Der Markt entscheidet

von Hans Nagl

Stellen Sie sich vor, Sie sind bettelarm, kurz vor dem Verhungern und haben noch einen Van Gogh zu Hause. Nun könnten Sie theoretisch das Meisterwerk verkaufen. Nur: Weil momentan alle Hunger leiden, interessiert sich niemand für alte Bilder. Ist ihr Van Gogh dann Millionen wert - oder vielleicht eher nichts?

Genau vor diesem Problem stehen die Banken, die in den Strudel der US-Hypothekenkrise geraten sind. Sie dauert nun ein Jahr und hat weit mehr als Subprime-Verbriefungen erfasst. Nach wie vor gibt es strukturierte Produkte, die niemand kaufen will und die wie Leichen im Keller in den Bilanzen der Institute liegen. Ob sie am Ende tatsächlich ausfallen oder satte Erträge liefern, interessiert die streikenden Investoren wenig. Die Banken müssen die Papiere zum Marktpreis ansetzen und verbuchen Milliardenverluste.

Nun könnte man natürlich hergehen und sagen, bei den Papieren handelt es sich doch eigentlich um Van Goghs: Verluste gäbe es nicht, und alle wären glücklich. Genau das versuchen der globale Bankenverband IIF und sein Vorsitzender Josef Ackermann.

Sicherlich: Die marktnahe Bewertung hat die Krise verstärkt, die Märkte neigen zur Übertreibung. Klar ist auch, dass die Orientierung an Marktpreisen zu deutlich schwankenderen Ergebnissen führt. Doch verglichen mit einer Aufweichung der Bilanzierungsstandards erscheint das als das kleinere Übel. Das hat auch Goldman Sachs erkannt und sich gegen den IIF gestellt. Das ist erst einmal ein geschickter PR-Schachzug. Vor allem aber auch ein Hinweis auf die wirkliche Lehre der Krise: Intransparenz bei den Produkten kann nicht durch Intransparenz bei der Bilanzierung wettgemacht werden. Zu groß wäre das Risiko, dass gefälschte Van Goghs in den Büchern ständen.

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