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12.10.2008 
Zertifikate

Abgeltungsteuer: Zeit zum Handeln

von Ralf Drescher

Steuerfreie Gewinne aus Zertifikaten sind nur noch bei Käufen vor dem 30. Juni diesen Jahres möglich. Banken lassen sich allerhand einfallen, um ihre Produkte bis dahin an den Mann zu bringen - nicht immer zur Freude des Finanzministeriums.

Peer Steinbrück setzt mit der neuen Abgeltungssteuer die Zertifikate-Branche unter Zeitdruck. Foto: dpaLupe

Peer Steinbrück setzt mit der neuen Abgeltungssteuer die Zertifikate-Branche unter Zeitdruck. Foto: dpa

FRANKFURT. Den 1. Januar 2009 sollten sich Anleger dick im Kalender markieren. An diesem Tag tritt in Deutschland die Abgeltungsteuer in Kraft. Für Erträge aus Aktien, Anleihen, Fonds und Zertifikaten gilt dann ein einheitlicher Steuersatz von 25 Prozent plus Solidarzuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.

Zertifikatekäufer müssen daneben zwei weitere Termine berücksichtigen, wenn sie die Steuer in ihre Anlageentscheidungen einbinden wollen. Auf Grund einer Sonderregelung des Gesetzgebers gilt für Derivate eine besondere Übergangsfrist, die sie im Vergleich zu Fonds oder Aktien vorübergehend schlechter stellt. Während die Abgeltungsteuer hier erst bei Neuengagements ab 2009 ansetzt und Altbestände außen vor bleiben, ist der Bestandsschutz bei Zertifikaten eingeschränkt. Die Pauschalsteuer greift hier bereits dann, wenn die Zertifikate nach dem 15. März 2007 gekauft wurden und über den 30. Juni 2009 hinaus gehalten werden.

Konkret bedeutet das für Zertifikate-Anleger, dass sie nur noch bis 30. Juni dieses Jahres die Chance haben, sich steuerfreie Erträge zu sichern. Bei einem späteren Einstieg unterliegen mögliche Kursgewinne entweder der Abgeltungsteuer oder es greift die Spekulationssteuer, sofern die Papiere innerhalb eines Jahres verkauft werden.


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In der Derivate-Branche hat die Ungleichbehandlung 2007 für viel Wirbel gesorgt, der bis heute nicht ganz abgeebbt ist. "Das Ganze ist in hohem Maße ärgerlich und befremdlich", sagt Hartmut Knüppel, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Derivate Verbandes (DDV). "Anstatt mehr Klarheit und Gleichbehandlung schaffen die Ausnahmeregelungen zusätzliche Verunsicherung." Inzwischen richtet Knüppel den Blick aber nach vorne: "Ich kann nicht ausschließen, dass dem Zertifikatemarkt 2008 eine Verschnaufpause droht, 2009 ist aber wieder mit höheren Wachstumsraten zu rechnen." Derivate würden dann ihre Vorteile ausspielen.

Abgesehen von der Übergangsregelung kommen Zertifikate bei dem Systemwechsel zur Steuerreform auch gar nicht so schlecht weg. Zwar entfällt bei einigen beliebten Produktklassen wie Bonus- oder Discountzertifikaten die Möglichkeit, Kursgewinne nach Ablauf der Spekulationsfrist von einem Jahr steuerfrei zu vereinnahmen. Diese Regelung gilt für Aktien und Fonds, die grundsätzlich die gleichen Anleger ansprechen wie Zertifikate, aber ebenso. » Gegenüber einer Direktanlage in Aktien bieten diese Zertifikate ab 2009 sogar einige Vorteile.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ministerium pfeift Banken zurück

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