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02.01.2008 
Investmentidee

Anlegerschutz in luftiger Höhe

von Christian Kirchner

Im aktuellen Marktumfeld sind vor allem defensive Anlagestrategien gefragt. Bonuszertifikate mit großem Puffer sind daher erste Wahl für Nachsteuerrenditen von viereinhalb Prozent und mehr bei zugleich vollen Kurschancen.

DÜSSELDORF. Es gibt einen simplen Grund für die immense Popularität von Zertifikaten bei Privatanlegern: Diese Produkte lösen das klassische Problem der „Long-Falle“. Während man mit Aktien und den meisten Fonds nur Geld verdient, wenn die Märkte auch steigen, ist das Chance-/Risikoprofil mit Zertifikaten grundlegend anders. Für jede Markterwartung gibt es inzwischen ein Zertifikat, mit der Anleger die Marktmeinung gewinnbringend umsetzen können, egal ob sie steigende, stagnierende oder fallende Kurse erwarten.

Aktuell sind die Prognosen selbst für Fachleute schwierig. Die Bullen unter den Börsianern haben Angst, nahe den Höchstkursen einzusteigen, denn die Hausse an den Märkten währt nun fast fünf Jahre. Und die Bären lagen mit Crashprognosen zuletzt auch daneben, denn die Bewertungen sind alles andere als teuer.

Statt auf konkrete Kursrichtungen zu setzen, ist da eine spezielle Gattung von Zertifikaten eine spannende Alternative. Dabei handelt es sich um die sogenannten Deep-Bonuszertifikate. Sie funktionieren wie klassische Bonuszertifikate. Anleger erhalten eine Bonuszahlung in einer festgelegten Höhe, wenn der gewählte Basiswert des Bonuszertifikats – meist eine Aktie oder ein Index – während der Laufzeit eine bestimmte Barriere nicht unterschreitet.

Von Kurssteigerungen profitieren sie ohne Begrenzung; sie verzichten während der Laufzeit lediglich auf die Dividendenzahlungen, die Aktionäre, nicht aber Halter des Bonuszertifikats kassieren. Die Risiken sind dabei nicht größer als mit der Aktie oder dem Index selbst. Sollte die untere Barriere reißen, erhalten Anleger zum Laufzeitende den dann aktuellen Kurs des Basiswerts eins zu eins ausgezahlt.

Welche Rolle spielt der Begriff Deep im Denglish-Wortungetüm Deep-Bonuszertifikat? Eine feste Definition gibt es dafür, wie so häufig im Zertifikatemarkt, nicht. Der Begriff „Deep“ deutet aber darauf hin, dass zwischen dem aktuellen Kurs des gewählten Basiswerts und der unteren Barriere eines Bonuszertifikats ein großer Puffer von mindestens 30, besser 40 oder mehr Prozent vor Verlusten schützt.


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Die Bonuszahlung kassieren Anleger immer dann, wenn der Basiswert die Barriere nie berührt. Anleger können so auch eine Negativ-Meinung umsetzen wie: Über das weitere Kursverhalten bin ich mir nicht im klaren, ich kann aber mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen, dass der Basiswert des Zertifikats unter die Barriere fällt.

Behalten sie Recht – und diese Wahrscheinlichkeit ist bei üppig gewählten Puffern von 35 Prozent und mehr zwischen Kurs und Barriere eines Bonuszertifikats groß – winkt ihnen eine Bonuszahlung. Geht der Kurs durch die Decke, partizipieren sie ebenfalls eins zu eins von Kurssteigerungen über den Bonusbetrag hinaus. Sie verzichten nur auf die Dividenden.

Daher verwundert es auch nicht, dass derzeit bei Aktien mit hoher Dividendenrendite besonders attraktive Bonusrenditen möglich sind. Zur besseren Vergleichbarkeit setzen Experten immer den möglichen Ertrag eines Bonuszertifikats – also die Differenz zwischen aktuellem Kurs und Bonuszahlung – ins Verhältnis zur Restlaufzeit des Zertifikats.

Das Ergebnis ist dann die Bonusrendite pro Jahr, die es, wie eine Analyse zeigt, selbst bei einem Puffer von 35 Prozent gegen mögliche Kursrückschläge locker mit festverzinslichen Anleihen aufnehmen kann – und zusätzlich Steuervorteile bietet. Denn bei mindestens einem Jahr Haltedauer und einem Verkauf bis 30.6.2009 sind Erträge aus einer Anlage in Bonuszertifikate steuerfrei. Für Zinsanlagen greift der Fiskus hingegen jenseits der Freibeträge mit dem persönlichen Steuersatz zu.

So notiert die Aktie der Deutschen Telekom derzeit bei rund 15 Euro. Mit einem Deep-Bonuszertifikat mit einer Barriere von 9,5 Euro lassen sich so derzeit Renditen von annualisiert knapp fünf Prozent verdienen. Diese Renditen hätten Anleger mit Deep-Bonuszertifikaten also auch dann sicher, wenn die Aktie der Deutschen Telekom drastisch, aber nicht mehr als 36 Prozent einbricht.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ausgewählte Deep-Bonuszertifikate

Tabelle: Ausgewählte Deep-Bonuszertifikate. Quelle: Handelsblatt ZertifikateNews.Lupe

Tabelle: Ausgewählte Deep-Bonuszertifikate. Quelle: Handelsblatt ZertifikateNews.

Wer die steuerliche Betrachtung ignoriert, kann vergleichbare Jahresrenditen zwischen fünf und acht Prozent sogar über vier Jahre einstreichen und den Basiswerten einen Puffer von 45 Prozent zubilligen. Im Klartext: Die Aktie oder der Index dürfen sich maximal knapp halbieren, und Anleger kämen dennoch in den Genuss der Bonuszahlung.

Zwar muten diese Renditen nicht überragend an. Abstriche gegenüber einem Direktengagement müssen Anleger jedoch nur bei den Dividendenzahlungen machen, die für sie entfallen. Nach oben sind die Kurschancen unbegrenzt, sollten die Aktien also in den kommenden Jahren ihren Höhenflug fortsetzen.

Der Grund für die im Vergleich zum Direktengagement derzeit attraktiven Konditionen der Deep-Papiere ist der natürliche Feind vieler Zertifikatehalter: Die von den Marktteilnehmern erwartete Volatilität. Das sind die künftigen Schwankungen von Wertpapieren. Je höher die erwartete Volatilität, desto höher ist auch das rechnerische Risiko, dass im Zuge starker Schwankungen die untere Barriere eines Bonuszertifikats verletzt wird.


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Eben jene erwartete Volatilität ist an den Märkten in den vergangenen Monaten nach Jahren der besinnlichen Ruhe und moderaten Kurssteigerungen wieder deutlich gestiegen. Das schlägt sich in besseren Konditionen der Bonuszertifikate nieder, da ja die Halter der Zertifikate letztlich das Risiko eines Schwellenriss tragen.

Der Nachteil: Klassische Deep-Bonuszertifikate auf den mit Abstand populärsten Basiswert in Deutschland, den Aktienindex Dax, gibt es nicht, da der Dax als Performanceindex berechnet wird, in den alle Dividenden einfließen. So fehlt die für Emittenten wichtige Finanzierungsquelle der Bonusstruktur. Bonuszertifikate auf den Dax sind daher stets mit einem „Cap“ ausgestattet, das heißt, die maximale Rückzahlung ist mit diesen Bonus Cap-Zertifikaten vor vorneherein im Gegensatz zu den klassischen Zertifikaten begrenzt.


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