Alpha-Zertifikate sollen auch bei fallenden Kursen Gewinne ermöglichen – was aber in der Vergangenheit oft nicht funktioniert hat. Doch einige Alpha-Produkte mit Kapitalgarantie sind nun attraktiv.
Den Wunsch nach risikolosen, hohen Renditen gibt es wohl schon so lange, wie es Geld und Zinsen gibt. Je nach Börsensituation erfindet die Zertifikate-Branche seit Jahren immer wieder neue Produkte, die der Erfüllung dieses Wunsches nahe kommen sollen. Das Problem dabei:Mit jeder Erhöhung der Performance-Chance steigt auch das Risiko - und umgekehrt. Es gibt eben kein Finanzprodukt, mit dem sich die Marktgesetze aushebeln ließen. Das liegt in der Natur der Sache.
Deshalb verwundert es nicht, dass auch die Kurse vieler Alpha-Zertifikate in den vergangenen Monaten unter die Räder gekommen sind, obwohl sie als „marktneutrale“ Produkte verkauft werden, es also egal sein sollte, ob die Kurse an den Börsen steigen oder fallen. Das Prinzip klingt zunächst einleuchtend: Bei Alpha-Produkten kommtes nicht darauf an, ob die Kurse eines bestimmten Basiswertes absolut steigen oder fallen, sondern ob sie relativ im Vergleich zu einer Benchmark - also einem zweiten Basiswert - besser oder schlechter abschneiden.
Entwickelt sich der Basiswert besser als die Benchmark, steigt der Wert des Zertifikats - und zwar unabhängig davon, ob die Kurse der beiden Vergleichswerte jeweils gestiegen oder gefallen sind. Schneidet der Basiswert im direkten Vergleich zur Benchmark dagegen schlechter ab, verliert das Zertifikat an Wert.
Der Vorteil dieser Anlageidee liegt auf der Hand: „Mit Alpha- Zertifikaten können Anleger auch in schwachen Börsenphasen Geld verdienen. Denn es kommt ja nicht auf absolut steigende Kurse an, sondern nur auf die Relation zweier Werte zueinander“, erklärt Nicole Plieth von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Das Risiko, dass die Rechnung nicht aufgeht, ist allerdings aktuell zu sehen. Viele Alpha-Zertifikate notieren derzeit unter ihrem Ausgabepreis.
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So auch das Alpha-Zertifikat der LBBW (WKN: LBW793), das die beiden Indizes DivDax und Dax miteinander vergleicht. Monatlich werden die Kursentwicklungen der beiden Indizes gegeneinander gehalten. Performt der Dividenden- Index DivDax besser als der Dax, gewinnt das Zertifikat an Wert. Vorteil dieses Papiers: Das Zertifikat hat einen Kock-In-Mechanismus. Wird bei der monatlichen Betrachtung des Indexpaares ein neuer Höchststand erreicht erreicht, so wird dieser als Mindestauszahlung fixiert. Die Voraussetzungen für ein Durchstarten des Zertifikats klingen auf dem Papier zunächst gut. Schließlich schneidet der DivDax, der die 15 dividendenstärksten Titel des Dax abbildet, im Performance-Vergleich zum Dax meist etwas besser ab. Trotzdem hat sich das Zertifikat seit der Auflegung Ende August 2007 - ebenso wie andere DivDax/Dax-Alpha- Zertifikate - nicht besonders gut entwickelt.
Und das liegt an einer Besonderheit, die Anleger bei dieser Index-Paarung beachten sollten: Als Alpha-Basiswert wird nämlich in der Regel nicht der Performance-DivDax sondern der Kurs-DivDax verwendet. „Während der Performanceindex die Dividendenzahlungen der in ihm enthaltenen Unternehmen mit einschließt, wird im Kursindex ausschließlich die Entwicklung der enthaltenen Aktien abgebildet. Zwischen DivDax und Dax beträgt die Dividendendifferenz derzeit etwa zweieinhalb Prozent.
Der Kursindex muss also bei dem Duell diese Differenz im Jahresverlauf aufholen", erklärt Bodo Gauer von der Credit Suisse. Das Indexpaar ist also alles andere als ein Selbstläufer. Damit der Kursindex DivDax eine gute Chance hat, den Performance-Index Dax zu schlagen, benötigt er eine kleine Starthilfe. Deshalb bieten einige Zertifikate eine Art Berechnungsrabatt.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ein Alpha-Zertifikat der LBB mit einer Prämie in Höhe von 10 Prozent.
Tabelle: Alphazertifikate mit Kapitalgarantie. Zur Vollansicht bitte anklicken. Quelle: Handelsblatt ZertifikateNews.
Wie zum Beispiel das Alpha-Zertifikat von der Landesbank Berlin (WKN: LBB11L). Frank Klingelhöfer von der Landesbank Berlin erklärt das Prinzip: „Am Laufzeitende im März 2009 werden die Kursentwicklungen der beiden Basiswerte DivDax und Dax miteinander verglichen. Sofern der DivDax nicht mehr als zwei Prozentpunkte schlechter abschneidet als der Dax, wird das Zertifikat plus einer Prämie von 10% zurückgezahlt. Andernfalls greift die Kapitalgarantie.“
Der Div- Dax kann hier also sogar etwas schwächer performen als der Dax und das Papier dann trotzdem noch knapp 10% Rendite bringen. Das Zertifikat notiert deshalb auch nicht unterhalb, sondern etwa in Höhe seines Ausgabepreises. Verluste sind mit diesem Papier nur in sehr begrenztem Umfang möglich. Das gilt auch für vergleichbare Produkte der Landesbank Baden Württemberg.
Einen umgekehrten Weg geht JP Morgan. Das DivDax/ Dax-Zertifikat (WKN: JPM1YB) gewährt keinen Berechnungsrabatt, sondern zahlt jährlich einen Mindestkupon von drei Prozent aus. Am abschließenden Bewertungstag am 2. Januar 2012 wird der Schlussstand beider Indizes mit ihren Ausgangspreisen vom November 2007 verglichen. Ist die Wertentwicklung des DivDax höher als jene des Dax, partizipiert der Anleger zu 100% an dieser Differenz. Ansonsten greift die Kapitalgarantie.
Die oben genannten Beispiele erklären auch, warum andere Alpha-Zertifikate mit Kapitalgarantie leicht unterhalb ihres Ausgabepreises notieren - trotz- dem können auch diese sich derzeit gut rechnen. Denn die Rückzahlung des Ausgabepreises am Laufzeitende ist ja garantiert. Die Differenz zwischen Kaufkurs und Rückzahlungsgarantie gibt es obendrauf. So werden insbesondere mit Express-Zertifikaten, wenn es gut läuft, zweistellige Renditen möglich.
Die DZ Bank beispielsweise hat eine ganze Palette mit Alpha-Express- Garantie-Zertifikaten auf DivDax und Dax, die allesamt eine jährliche Bonuszahlung von zwölf Prozent offerieren. Diese Papiere sind bereits ausverkauft. Die hohe anvisierte Rendite lockt scharenweise Kunden an, die darauf spekulieren, dass der DivDax es in den kommenden Jahren schafft, bis zum Berechnungs-Stichtag den Dividendennachteil aufzuholen.
Lesen Sie weiter auf Seite 3: Ähnliche Wetten funktionieren auch mit anderen Indizes.
Eine ähnliche Wette können Investoren übrigens auch mit völlig unterschiedlichen Indizes eingehen, wie zum Beispiel mit demEuro Stoxx Select Dividend 30, dem europäischen Pendant zum DivDax, mit dem Anleger auf eine Outperformance gegen den Dax wetten können.
Das entsprechende Zertifikat der Barclays Bank (WKN: BC0EK8) bietet aufgrund der Kapitalgarantie derzeit die Perspektive auf bis zu fast 20 Prozent Rendite.
Das Zertifikat ist allerdings nicht wirklich ein „Alpha“, wie Jürgen Bulling, Leiter des Zertifikate- Retail-Geschäfts in Deutschland von Merrill Lynch erklärt. „Unter dem Namen Alpha werden leider auch Produkte verkauft, die gar nichts mit der Definition von Alpha zu tun haben. Alpha bedeutet nämlich die risikoangepasste Outperformance einer Strategie oder eines Index gegenüber eines Vergleichsindex aus der gleichen Aktiengruppe."
Dow Jones Euro Stoxx oder ATX gegen Dax seien zwar interessante Finanzmarktwetten. Doch mit Alpha habe das nichts zu tun. „Der Vorteil von Alpha-Zertifikaten liegt ja gerade darin, dass der Anleger keine Marktmeinung haben muss“, so Bulling. „Wer dagegen mit einer Indexwette auf der falschen Seite steht, kann auch dann Geld verlieren, wenn die Kurse steigen.“
Beispiel: Ein Anleger setzt darauf, dass der japanische Nikkei besser läuft als der US-amerikanische S&P 500. Würden in der Folge beide Indizes an Wert gewinnen, der Nikkei fünfzehn Prozent und der S&P 25 Prozent, dann würde das für ein Nikkei/S&P-Alpha-Zertifikat einen Verlust von zehn Prozent bedeuten - trotz haussierender Börsen.
Private Investoren, die nicht täglich Börsenberichte lesen, laufen schnell Gefahr, sich mit Long/Short-Strategien auf verschiedene Märkte zu verkalkulieren. Bulling rät unerfahrenen Anlegern deshalb dazu, auf professionelles Research zu vertrauen und in Alpha- Zertifikate zu investieren, bei denen ein aktiv gemanagter Aktienkorb mit einem Standard-Index aus demselben Aktienmarkt verglichen wird.
Beispiel: das Alpha Europe 1 Zertifikat von Merrill Lynch (WKN: A0GNH9). Hier werden der hauseigene ML Europe 1-Index und der Dow Jones STOXX 50 Return Index miteinander verglichen. Der ML Europe 1-Index basiert auf Aktienempfehlungen des Merrill Lynch-Research-Teams. Die Analysten sorgen dafür, dass stets die ihrer Meinung nach 15 bis 30 aussichtsreichsten europäischen Unternehmenmit einer Kapitalisierung von mindestens einer Milliarde Euro indemIndex-Korb abgebildet werden. Aktives Management wird bei Merrill Lynch hier sehr wörtlich genommen: Monatlich werden durchschnittlich drei Werte ausgetauscht. Eine Garantie auf Gewinne ist das allerdings nicht. Das Zertifikat verlor in den vergangenen 12 Monaten gut 4% an Wert.
Fazit: Alpha-Zertifikate mit Long/Short-Strategie können als Depotbeimischung dann Sinn machen, wenn das Zertifikat über eine Kapitalgarantie verfügt und unterhalb seines Ausgabepreises notiert. Somit wird wenigstens eine Mindestrendite erwirtschaftet. Noch besser ist ein zusätzlicher Lock-In-Mechanismus, der einmal erreichte Gewinne als Mindestrückzahlung fixiert.
So sind auch Renditen oberhalb dessen möglich, was risikoscheue Anleger mit Bundesanleihen erzielen würden. Alpha-Express-Zertifikate mit Kapitalgarantie spielen ihre Stärke dann aus, wenn der Emittent die Dividendendifferenz zwischen Kurs- und Performanceindex in der Berechnung berücksichtigt.
Dann ist auch eine hohe jährliche Rendite möglich, die höher als bei Long/ Short-Strategien ausfallen kann. Nichtsdestotrotz sind sie kein Wunderheilmittel gegen eine Börsenbaisse und eignen sich bestenfalls als Depotbeimischung.
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