Eine ähnliche Wette können Investoren übrigens auch mit völlig unterschiedlichen Indizes eingehen, wie zum Beispiel mit demEuro Stoxx Select Dividend 30, dem europäischen Pendant zum DivDax, mit dem Anleger auf eine Outperformance gegen den Dax wetten können.
Das entsprechende Zertifikat der Barclays Bank (WKN: BC0EK8) bietet aufgrund der Kapitalgarantie derzeit die Perspektive auf bis zu fast 20 Prozent Rendite.
Das Zertifikat ist allerdings nicht wirklich ein „Alpha“, wie Jürgen Bulling, Leiter des Zertifikate- Retail-Geschäfts in Deutschland von Merrill Lynch erklärt. „Unter dem Namen Alpha werden leider auch Produkte verkauft, die gar nichts mit der Definition von Alpha zu tun haben. Alpha bedeutet nämlich die risikoangepasste Outperformance einer Strategie oder eines Index gegenüber eines Vergleichsindex aus der gleichen Aktiengruppe."
Dow Jones Euro Stoxx oder ATX gegen Dax seien zwar interessante Finanzmarktwetten. Doch mit Alpha habe das nichts zu tun. „Der Vorteil von Alpha-Zertifikaten liegt ja gerade darin, dass der Anleger keine Marktmeinung haben muss“, so Bulling. „Wer dagegen mit einer Indexwette auf der falschen Seite steht, kann auch dann Geld verlieren, wenn die Kurse steigen.“
Beispiel: Ein Anleger setzt darauf, dass der japanische Nikkei besser läuft als der US-amerikanische S&P 500. Würden in der Folge beide Indizes an Wert gewinnen, der Nikkei fünfzehn Prozent und der S&P 25 Prozent, dann würde das für ein Nikkei/S&P-Alpha-Zertifikat einen Verlust von zehn Prozent bedeuten - trotz haussierender Börsen.
Private Investoren, die nicht täglich Börsenberichte lesen, laufen schnell Gefahr, sich mit Long/Short-Strategien auf verschiedene Märkte zu verkalkulieren. Bulling rät unerfahrenen Anlegern deshalb dazu, auf professionelles Research zu vertrauen und in Alpha- Zertifikate zu investieren, bei denen ein aktiv gemanagter Aktienkorb mit einem Standard-Index aus demselben Aktienmarkt verglichen wird.
Beispiel: das Alpha Europe 1 Zertifikat von Merrill Lynch (WKN: A0GNH9). Hier werden der hauseigene ML Europe 1-Index und der Dow Jones STOXX 50 Return Index miteinander verglichen. Der ML Europe 1-Index basiert auf Aktienempfehlungen des Merrill Lynch-Research-Teams. Die Analysten sorgen dafür, dass stets die ihrer Meinung nach 15 bis 30 aussichtsreichsten europäischen Unternehmenmit einer Kapitalisierung von mindestens einer Milliarde Euro indemIndex-Korb abgebildet werden. Aktives Management wird bei Merrill Lynch hier sehr wörtlich genommen: Monatlich werden durchschnittlich drei Werte ausgetauscht. Eine Garantie auf Gewinne ist das allerdings nicht. Das Zertifikat verlor in den vergangenen 12 Monaten gut 4% an Wert.
Fazit: Alpha-Zertifikate mit Long/Short-Strategie können als Depotbeimischung dann Sinn machen, wenn das Zertifikat über eine Kapitalgarantie verfügt und unterhalb seines Ausgabepreises notiert. Somit wird wenigstens eine Mindestrendite erwirtschaftet. Noch besser ist ein zusätzlicher Lock-In-Mechanismus, der einmal erreichte Gewinne als Mindestrückzahlung fixiert.
So sind auch Renditen oberhalb dessen möglich, was risikoscheue Anleger mit Bundesanleihen erzielen würden. Alpha-Express-Zertifikate mit Kapitalgarantie spielen ihre Stärke dann aus, wenn der Emittent die Dividendendifferenz zwischen Kurs- und Performanceindex in der Berechnung berücksichtigt.
Dann ist auch eine hohe jährliche Rendite möglich, die höher als bei Long/ Short-Strategien ausfallen kann. Nichtsdestotrotz sind sie kein Wunderheilmittel gegen eine Börsenbaisse und eignen sich bestenfalls als Depotbeimischung.
Dieser Artikel ist der Ausgabe 04/2008 des kostenlosen Handelsblatt Zertifikate-Newsletters entnommen. Abonnieren Sie die ZertifikateNews und Sie erhalten alle 14 Tage die aktuelle Ausgabe kostenlos in Ihr E-Mail-Postfach geliefert. Zwei Tage, bevor sie zum Download angeboten wird.
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