Für Anleger birgt diese Entwicklung erhebliche Risiken: Je weiter die Börse der tatsächlichen Entwicklung der Unternehmensgewinne vorausläuft, desto höher ist die Gefahr von deutlichen Kursrückschlägen. Zwei kurze, aber heftige Rücksetzer im Dezember und Februar, als Gerüchte um staatliche Kapitalkontrollen in Vietnam die Runde machten, machten das deutlich.
„Wer in exotische Länder investiert, sollte sich immer bewusst sein, dass nicht nur die Chancen, sondern auch die Risiken deutlich höher sind als auf etablierten Märkten“, sagt Mathias Schölzel, Derivate-Experte der Deutschen Bank. Wie schnell eine solche Spekulation nach hinten losgehen kann, hat die Bank selbst im vergangenen Jahr mit ihrem Dubai Top Select Zertifikat erlebt. Seit der Auflage des Papiers im Herbst 2005 ging es an der Wüsten-Börse fast nur abwärts.
Zeitweise waren die Ausschläge so hoch, dass der Handel ausgesetzt wurde. Insgesamt verlor das Dubai Top Select Zertifikat mehr als die Hälfte seines Wertes. Inzwischen hat sich der Markt in Dubai beruhigt. Und weil Experten optimistisch für die Wachstumsaussichten sind, hat die Deutsche Bank Anfang des Jahres mit dem S-Box Dubai Index Zertifikat ein zweites Papier auf das Emirat an den Markt gebracht. Vergleichsweise stabil hält sich derzeit das Mitte 2006 lancierte Middle-East-Zertifikat von ABN Amro.
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Oft hängt die Frage, ob ein Emittent Zertifikate auf ein Land begibt, auch daran, ob er einen Marktzugang und die nötige Expertise für die Region hat. In anderen Fällen macht die geringe Marktkapitalisierung der Börsen den Banken einen Strich durch die Rechnung. Schließlich wollen die Gelder, die die Anleger in Zertifikate stecken, auch investiert werden. „Wenn am Tag nur einige wenige Aktien am Markt umgehen, können wir das nicht garantieren“, sagt Schölzel.
Und doch legen die Banken – getrieben vom Wettbewerb – immer neue Exotenzertifikate auf, auch wenn es am jeweiligen Markt nur eine Hand voll liquider Aktien gibt. Dem Interesse des Kunden dient das meist nicht: „Wenn der Zugang zum Markt schwierig ist, sind viele Produkte darauf nicht so ausgereift, dass sie eine angemessene Risikostreuung erlauben“, sagt Barclays-Experte Uwe Becker. Das gilt vor allem für Papiere auf Indizes oder Aktienkörbe aus nicht mehr als vier oder fünf Unternehmen. Hier trägt der Anleger ein enormes Klumpenrisiko, weil Kursbewegungen von Einzelwerten stark auf die Gesamtentwicklung durchschlagen. Der komplizierte Marktzugang hat für Anleger noch einen Nachteil. Weil die Banken meist auf lokale Broker angewiesen sind und die Abwicklung der Börsengeschäfte teuer ist, steigen die Kosten der Zertifikate. Ihren Einsatz vor Ort lassen sich die Emittenten mit Managementgebühren von 1,5 bis 2,5 Prozent bezahlen. Die Spanne zwischen An- und Verkaufspreis (Spread) liegt oft ebenso hoch – zusätzlich. Angesichts der hohen Chancen und Risiken fallen diese Gebühren langfristig zwar kaum ins Gewicht. Risikoaverse Anleger lassen aber besser Vorsicht bei den Exoten walten.
Lesen Sie weiter auf Seite 3: Auf einen Blick: Worauf Anleger im Rahmen von Exoteninvestments achten sollten.



