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16.04.2008 
Geldanlage

Bonuszertifikate als Baukasten

von Marc Pawlak

Bonuszertifikate sind eine beliebte Anlageform in unruhigen Zeiten. Anspruchsvolle Investoren können Produkte durch Optionssscheine auch selbst konstruieren: Ein Zertifikat nach Maß, mit passgenauem Chance-Risiko-Profil.

DÜSSELDORF. Das Börsengeschehen dieser Tage ist durch starke Kurskorrekturen geprägt. Es herrscht erhöhte Volatilität und Unsicherheit bei den Anlegern. Zu den beliebtesten Instrumenten, mit denen Anleger in solchen Marktphasen dennoch attraktive Renditen erzielen können, zählen Bonuszertifikate. Die Beliebtheit dieser Papiere wird durch die monatliche Statistik des Deutschen Derivate Verbandes (DDV) belegt: Rund 22 Prozent (20,4 Mrd. Euro) des gesamten von Privatanlegern in Derivate investierten Vermögens entfallen auf Bonus- und Teilschutzzertifikate. Besonders interessant für Anleger: Eine Umfrage des DDV zu Beginn des Jahres hat ergeben, dass trotz Kurseinbrüchen 90 Prozent des investierten Vermögens weiterhin durch Sicherheitspuffer geschützt sind.


Tabelle  Infografik: Auszahlungsprofil von Bonus-Zertifikaten


Die Auswahl einer geeigneten Kombination von Sicherheitsschwelle und Bonuslevel ist entscheidend, um die Renditechancen zu optimieren und Risiken zu minimieren. Allerdings werden die für den Anleger erhältlichen Kombinationen aus Barriere und Bonuslevel von den Emittenten meist von vornherein vorgegeben. Das ist sehr gut geeignet für Privatanleger, die eine Komplettlösung erwerben wollen.

Für anspruchsvollere Anleger, die eine individuelle Lösung benötigen, sowie für Vermögensverwalter gibt es seit Kurzem allerdings auch die Möglichkeit, sich ein maßgeschneidertes Bonuszertifikat je nach Risikoappetit selbst zu konstruieren. Realisiert wird dies durch ein Angebot einzelner Optionsscheine. Gemeinhin bekannt sind Optionsscheine als Portfolio-Absicherung oder auch als spekulatives Hebelpapier. Dabei verschmelzen zwei unterschiedliche Optionsscheine – bei einer richtigen Kombination – zu einem maßgeschneiderten Bonuszertifikat.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ein Self-Made-Zertifikat je nach Risikoappetit

Der Anleger erwirbt dazu zunächst einen klassischen Call-Optionsschein (Long Call), dessen Basispreis (Strike) bei nahezu null liegt. Dieser lässt ihn, abzüglich Dividenden, an der Performance des Basiswerts nahezu eins zu eins teilnehmen. Zusätzlich wird ein Optionsschein des Typs Down-and-Out-Put mit einem Strike in Höhe des Bonuslevels und einer Barriere in Höhe der Kursschwelle erworben. Der Down-and-Out-Put sichert also den Bonuslevel bis zur Barriere ab. Unterschreitet der Basiswert dagegen die Barriere, so erlischt das Optionsrecht und der Anleger partizipiert nun über den Long-Call eins zu eins an der Entwicklung des Basiswertes. Durch Kombination der beiden Papiere ergibt sich also exakt das von Bonuszertifikaten bekannte Auszahlungsprofil – bei gleichzeitig viel größerer Auswahl bei Sicherheitspuffer und Bonuslevel.

Wichtig ist, dass der Anleger stets beide Komponenten erwirbt, da sonst die Bonusstruktur verloren geht und möglicherweise ein erheblich höheres Anlagerisiko entsteht. Anders sieht das bei Investoren aus, die ohnehin den Basiswert besitzen. Sie können bereits mit dem Erwerb des Down-and-Out-Puts eine Bonusstruktur schaffen, mit der sie auch in Seitwärtsmärkten profitieren können.

Der Hauptvorteil der kombinierten Optionsscheine gegenüber dem klassischen Zertifikat liegt auf der Hand: Durch ein Mehr an Wahlfreiheit kann sich der Anleger ein Bonuszertifikat zusammenbauen, das auf sein eigenes Chance-Risiko-Profil genau zugeschnitten ist. Die Kehrseite der Flexibilität: Die Komponenten müssen im Gegensatz zum Zertifikat einzeln erworben werden, sodass höhere Transaktionskosten anfallen können. Geeignet sind die neuen Produkte vor allem für erfahrene Anleger sowie für Vermögensverwalter, die ihren Kunden ein an ihre Bedürfnisse angepasstes Anlageprodukt bieten wollen. Im Gegensatz zu einem Zertifikat, das eigens für den Kunden aufgelegt wird, ist der Mindesteinsatz hier allerdings niedriger: Bereits ab einem Stück können Anleger in die Produkte investieren, sodass ein Investment mit weit unter hundert Euro möglich ist.


Marc Pawlak ist Leiter Produktmanagement Zertifikate bei der WestLB.


Die Funktionsweise

Seitwärtsrendite

Bonuszertifikate bieten bei seitwärts tendierenden Kursen die Chance auf überproportionale Gewinne. Bewegt sich der Basiswert während der Laufzeit immer zwischen Kursschwelle und Bonusniveau, erhält der Anleger bei Fälligkeit einen vorab festgelegten Bonus.

Volle Partizipation

Steigt der Basiswert bis zum Fälligkeitstag über das Bonusniveau hinaus, erhält der Anleger den Schlusskurs des Basiswertes ausgezahlt. Der Investor nimmt also bei einem klassischen Bonus-Zertifikat unbegrenzt an einer positiven Wertentwicklung des Basiswertes teil.

Verluste möglich

Sinkt der Basiswert während der Laufzeit mindestens einmal unter die Kursschwelle, erlischt der Bonus. Der Anleger nimmt dann eins zu eins – also auch negativ – an der Wertentwicklung des Basiswertes teil. Gewinne sind noch möglich, wenn sich der Basiswert erholt.

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