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06.04.2008 

Das zeigt: Bei der Agraranlage reicht es nicht, allein die Marktpreise und den Dollar-Kurs im Auge zu behalten. Der Grund: Die Produkte beziehen sich auf Rohstoff-Futures. Das sind standardisierte Verträge, die genau regeln, zu welchem Zeitpunkt, zu welchem Preis, in welcher Menge und Qualität der entsprechende Rohstoff geliefert oder abgenommen werden muss. Doch an dem vereinbarten Liefertermin will natürlich kaum jemand Säcke voll Weizen ins Haus geliefert bekommen. Deshalb verkaufen die Indexanbieter den Future in der Regel kurz vor dem Ende der Laufzeit wieder. Der Verkaufserlös wird direkt in einen neuen Future mit späterer Fälligkeit investiert. Ohne diesen regelmäßigen Wechsel, im Fachjargon Rollen genannt, könnten die Banken keine Rohstoffpapiere ohne Laufzeitgrenze anbieten.

Liegen nun beim Rollen die Preise der länger laufenden Kontrakte über denen der früher fälligen, erhält man über einer Zeitachse eine steigende Terminmarktkurve, auch Contango genannt. In dieser Konstellation handelt man sich sogenannte Rollverluste ein. Aktuelles Beispiel: Ein Pound (454 Gramm) Zucker der Sorte Sugar No. 11 zur Lieferung im Mai 2008 notiert an der New Yorker Terminbörse NYBoT aktuell bei 13,47 US-Cent. Die Terminkurve für Zucker steigt bis zum Mai 2009 weiter bis auf 14,64 Cent an.

Zertifikateanbieter, die ihre Papiere weiter laufen lassen, müssen demnächst vom billigeren Kontrakt in den teureren wechseln. Gemessen an den derzeitigen Preisunterschieden wäre das ein Aufpreis von 8,6 Prozent. Um diesen Wert müsst der Spotpreis mindestens steigen, damit Anleger keine Verluste machen. Bei den kurzen Laufzeiten bis zu einem Jahr ist bei Agrarrohstoffen Contango der Normalfall. Weil in diesem Spektrum des Future-Handels am meisten los ist, rollen die Indexanbieter bisher vor allem dort.


» Interaktive Grafik: Das internationale Rohstoffmonopoly


Im umgekehrten, eher seltenen Fall (Backwardation genannt, die Terminmarktkurve fällt) winken Rollgewinne. Auch dazu ein aktuelles Beispiel: Ein Scheffel (27,2155 Kilogramm) Weizen zur Lieferung im Mai 2008 kostet an der CBoT in Chicago derzeit 11,90 Dollar, der Kontrakt für Juli 2008 dagegen liegt bei 11,27 Dollar, also rund drei Prozent weniger. Mit Weizen bleiben Anleger in der Gewinnzone, solange der Spotpreis für Weizen nicht um mehr als drei Prozent fällt. Selbst bei gleichbleibenden Spotpreisen entstehen so je nach Verlauf der Terminmarktkurve Gewinne oder Verluste.

Unter dem Strich garantiert Backwardation ebenso wenig Gewinne, wie Contango immer Verluste bedeuten. Dass die Terminkurven gerade bei Weizen und Sojabohnen im unterjährigen Laufzeitspektrum fallen, deutet auf kurzfristig orientierte Spekulanten hin. Beide Rohstoffe gehörten zuletzt zu den Highflyern vom Acker. Steigen die Zocker aus, sind drei Prozent Puffer bei Weizen binnen Minuten futsch.


» Special: Was Analysten meinen, wenn sie „kaufen“ sagen


Lesen Sie weiter auf Seite 3: Fundamentale Trends

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