Von diesen Terminmarkt-Effekten zu unterscheiden sind die fundamentalen Trends. Dafür, dass die Preise der Agrarrohstoffe auf lange Sicht weiter steigen, gibt es eine Menge schlüssiger fundamentaler Argumente. Die Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) rechnet bis 2030 mit einem weiteren Anstieg der Weltbevölkerung auf 8,3 Milliarden Menschen. Um die zusätzliche Versorgung von rund zwei Milliarden Menschen zu sichern, muss das Angebot an Agrarrohstoffen in diesem Zeitraum um etwa ein Drittel steigen.
Allein in China und Indien leben fast 40 Prozent der Weltbevölkerung. Der steigende Wohlstand dort führt nicht nur zu einer Zunahme der absoluten Verbrauchsmengen. Auch die Essgewohnheiten wandeln sich. Jochen Hitzfeld, Rohstoffanalyst bei Unicredit in München: "In China hat sich der Konsum von Schweinefleisch seit 1980 mehr als vervierfacht." Mit wachsenden Einkommen zieht tendenziell der Konsum von fetthaltigen Produkten sowie Ölen, Fisch und Fleisch an.
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Mit dem wachsenden Fleischkonsum in den Schwellenländern steigt der Bedarf an Weidegrund, was tendenziell zulasten von Ackerland geht. Dieses aber wird benötigt für den Anbau von Tierfutter. Statistisch werden acht Kilogramm Futtergetreide benötigt, um ein zusätzliches Kilo Fleisch zu produzieren. Bei Fisch liegt die Quote bei 1,5 zu 1. "Doch wegen der Überfischung der Meere werden die Proteine zunehmend auf dem Land erzeugt", sagt Analyst Hitzfeld. Das kurbele die Getreidenachfrage zusätzlich an. Hinzu kommt der verstärkte Einsatz von Nutzpflanzen für Energiezwecke. Die Produktion von Biokraftstoffen konkurriert mit der Nahrungsmittelproduktion um das knappe Gut Boden.
Das Angebot kann mit der stetig zunehmenden Nachfrage kaum mithalten. Neue Felder bringen wegen schlechterer Bodenqualität weniger Ertrag pro Fläche, gleichzeitig gehen nach Schätzung der Vereinten Nationen pro Jahr etwa 0,5 Prozent der bestehenden Anbaufläche durch Urbanisierung und Bodenschäden verloren. Schon heute wäre ohne künstliche Bewässerung auf etwa einem Sechstel der weltweiten Anbaufläche keine Landwirtschaft mehr möglich. Gut zwei Drittel des weltweiten Wasserangebots saugt die Landwirtschaft auf. Wasser ist eine knappe Ressource. Zwar ist durch den verstärkten Einsatz von Pestiziden, Düngern, Landmaschinen und die Massentierhaltung die Produktivität in Ackerbau und Viehzucht in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen. Doch die Zuwachsraten der Ernteerträge nehmen inzwischen ab.
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Das Klimaphänomen El Niño wälzt seit 150 Jahren alle zwei bis sieben Jahre das Klima im südpazifischen Raum um. Klimaforscher sagen eine Zunahme von Dürreperioden, Überschwemmungen und Naturkatastrophen voraus, begleitet von Ernteausfällen und Transportunterbrechungen. Allein wegen dieser Gefahren werden die Preise vieler Agrargüter auf absehbare Zeit nicht ins Bodenlose fallen.
Auf Dauer wird wohl kein Weg an der Gentechnik vorbeiführen, um die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Doch ehe die Rolle der Gentechnik in der Agrarproduktion weltweit anerkannt wird, muss der Leidensdruck noch größer werden – durch einen weiteren Anstieg der Agrarpreise. Zuvor aber sollte der Agrarsektor spekulativen Dampf ablassen.
Langfristanleger wählen dann Papiere auf Rohstoffindizes, die den sogenannten Total Return (TR) berechnen. Bei ihnen fließen neben den Spotpreisen und den Rollerträgen auch Zinserträge ein. Da beim Future-Kauf über die Terminbörse nur ein geringer Prozentsatz der Anlagesumme hinterlegt werden muss, kann der Rest zinsbringend angelegt werden. Dieses Zubrot kassiert sonst der Anbieter. Diese Zinskomponente war die wichtigste Renditequelle für Rohstoffanleger seit Berechnung der Rohstoffindizes von Goldman Sachs in den Siebzigerjahren.
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