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06.02.2008 
Investmentidee

Discounter sind nun für Börsianer attraktiv

von Jürgen Röder

Der Crash sorgt für steigende Volatilitäten und dadurch auch für höhere Rabatte bei Discountzertifikaten. Profis steigen derzeit verstärkt ein, denn Discounter sind vielfältig einsetzbar - selbst als steuerfreier „Festgeldersatz“. Die tägliche Investmentidee auf Handelsblatt.com.

Wie geht es nun weiter? Für fast alle Experten ist der seit 2003 anhaltende Aufwärtstrend beendet. Lupe

Wie geht es nun weiter? Für fast alle Experten ist der seit 2003 anhaltende Aufwärtstrend beendet.

Der Crash an den Aktienmärkten hat offenbar die Gewichtung innerhalb der Börsenlandschaft verschoben. Ohne dass die Leitbörsen in den USA eine schwache Vorgabe geliefert hatten, gingen die Indizes am Montag vergangener Woche weltweit in die Knie. Beim Nikkei stand ein Minus von fünf Prozent zum Handelsschluss auf der Anzeigetafel, der Dax gab sieben Prozent ab. Noch mehr verloren chinesische Indizes. In Indien musste der Handel aufgrund der panikartigen Verkäufe zeitweilig unterbrochen werden. Dabei hatten die US-Börsen an diesem "schwarzen Montag" geschlossen.

Wie geht es nun weiter? Für fast alle Experten ist der seit 2003 anhaltende Aufwärtstrend beendet. Die Frage ist nun: kommt eine lang anhaltende Konsolidierung oder steht eine Baisse wie zwischen 2000 und Anfang 2003 bevor? Die Stimmung spricht eher für eine Seitwärtsbewegung.


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Vor knapp acht Jahren wurden die Rückschläge in vielen Medien als Kaufgelegenheit gesehen, heute stehen die Risiken im Vordergrund. "Wenn ich jetzt Aktien habe, ich würde Sie verkaufen", empfahl ZDF-Börsen -Reporter Frank Zink vergangene Woche im "Heute Journal". Einige ältere Anleger dürften sich da an mehrere Tagesschau-Sendungen Ende der 70er Jahre erinnert haben, in denen über die Gold-Hausse berichtet wurde - der Anfang einer 20-jährigen Gold-Baisse.

Auch der so genannte "Bild-Zeitungs-Indikator" fehlte nicht. Parallel zum Niedergang des Neuen Marktes berichtete "Bild" 2000 über die vorherrschende Goldgräberstimmung und leitete die Baisse ein. Am Montag vergangener Woche titelte das Blatt: Börsen-Crash - was nun zu tun ist.

Für Börsenspekulanten ist das ein markttechnisches Signal, das eher auf eine Trendwende als auf eine Fortsetzung des aktuellen Trends hindeutet. Auch die Fundamentaldaten wie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von nur zehn für den Dax laut Durchschnittsprognose der Analysten für die Gewinne 2008 sprechen eher für eine längere Seitwärtsphase, die durchaus kräftige Schwankungen in beide Richtungen aufweisen könnte. In solchen Phasen sollten Anleger einen Blick auf Discountzertifikate werfen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Das Nervenbarometer des deutschen Aktienmarktes.

Denn parallel zum Kursrutsch der meisten Börsen ist ein Marktindex kräftig gestiegen. Der VDax new, der als Nervenbarometer des deutschen Aktienmarktes gilt, ist seitdem von 20 auf über 30 gestiegen - und damit auf den höchsten Stand seit Ende 2003. Dieser Index zeigt die erwartete Dax-Schwankungsbreite (implizite Volatilität) für die nächsten 30 Tage. Er wird aus den an der Terminbörse gehandelten Optionen berechnet.

Für Halter und Käufer von Discount-Zertifikaten ist der VDax von großer Bedeutung, weil hohe Volatilitäten hohe Discounts (Rabatte) gegenüber dem direkten Kauf des Basiswertes - und höhere Maximalrenditen ermöglichen. Die Kehrseite: Discountzertifikate, die bereits im Depot sind, verlieren bei steigender Volatilität tendenziell eher an Wert, bei fallenden Kurse sowieso.

Vor einem Kauf sollten Anleger eine klare Meinung über die künftige Entwicklung der Märkte haben. Denn Discounter spielen ihre Stärken bei seitwärts tendierenden oder leicht fallenden Kursen aus. Das hat auch eine Studie der Deutschen Bank 2006 ergeben. Untersucht wurden 4 400 eigene Discount-Zertifikate, wobei sowohl die Baisse nach 2000 als auch die anschließende starke Aufwärtsbewegung in den Untersuchungszeitraum fiel. Fazit: Vier Fünftel der Discount-Papiere hatten eine positive Wertentwicklung. Knapp die Hälfte der Zertifikate entwickelte sich besser als die Basiswerte.


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Einige Marktteilnehmer haben bereits reagiert. "Discount-Zertifikate werden verstärkt nachgefragt", sagt Funda Tarhan, Zertifikateexpertin der ABN Amro. Käufer hoffen auch, dass sich der Markt wieder beruhigt. "Normalisiert sich die Volatilität wieder, dann steigen die Preise für Discount-Zertifikate wieder", sagt Tarhan, "ohne dass sich der Kurs des Basiswert ändern muss". Was man im Gegenzug natürlich nicht verschweigen sollte: Sollte allein die Volatilität weiter ansteigen und der Basiswert stagnieren, fällt der Kurs des Discounters automatisch mit. Dieser Fall ist aber eher unwahrscheinlich, da steigende "Volas" meist mit fallenden Kursen einhergehen.

Auch Profis kaufen zu. Das zeigen unter anderem die aktuellen Top-Zertifikate-Käufe der Vermögensverwalter, die von der unabhängigen Ratingagentur Firstfive ermittelt und in jeder Ausgabe von ZertifikateNews veröffentlicht und ausgewertet werden (siehe Seite 15). "Diese Tendenz ist in schöner Regelmäßigkeit zu beobachten", sagt Uwe Raab von Firstfive. "Steigen die Volatilitäten an, kaufen Vermögensprofis verstärkt Discounter".

Lesen Sie weiter auf Seite 3: UBS beobachtet Renditechancen und Höhe des Caps.-

Die UBS beobachtet kontinuierlich sowohl Renditechancen ihrer Discountpapiere als auch Höhe des Caps, den Anleger auswählen. Das täglich aktualisierte UBS-Discount -Barometer zeigt die Renditechancen der eigenen "Rabattpapiere" anhand unterschiedlich hoher Caps. Dieses Barometer notiert derzeit auf Rekordniveau. So sind bei einem Höchstbetrag, der 30 Prozent unterhalb der aktuellen Dax-Notierung liegt, derzeit Renditen von mehr als 6 Prozent p.a. möglich. Die Laufzeit beträgt stets ein Jahr. Bei der Wahl des Caps mit dem Dax als Basiswert agierten Investoren im vergangenen Jahr eher defensiv. Sie wählten bei den UBS -Discountern im Dezember 2007 einen Höchstbetrag, der 39,3 Prozent unter dem aktuellen Stand lag. Dies entspräche aktuell einem Cap von rund 4 200 Zählern. Auf diesem Niveau stand der deutsche Leitindex zuletzt Mitte 2005. Eine Erklärung für die defensive Wahl des Höchstbetrages: Viele Anleger wählen Discounter als steuerfreien Festgeldersatz. Voraussetzung: Das Derivat muss ein Jahr lang im Depot bleiben und noch vor dem 1. Juli 2009 verkauft werden. Solange der Dax zum Laufzeitende oberhalb von 4 200 Punkten notiert, sind derzeit steuerfreie Renditen von mehr als 5,3 Prozent möglich.

Für Anleger, die keinen weiteren Einbruch mehr an den Aktienmärkten erwarten, ist die Marke von 6 200 Punkten als wichtige charttechnische Unterstützungslinie interessant. "Wir halten den Dax in diesem Bereich fundamental und charttechnisch für gut abgesichert", sagt beispielsweise Ulrich Hähner, Leiter der Düsseldorfer Niederlassung von Delbrück Bethmann Maffei. Er hat für den Zertifikatefonds der Bank ein entsprechendes Zertifikat ausgewählt, allerdings nur mit Laufzeit bis Juli 2008 (WKN: DB0QEY). Gewinne müssten Anleger entsprechend versteuern. Im Zertifikatefonds können Gewinne aufgrund des sogenannten Fondsprivilegs dagegen steuerfrei vereinnahmt werden. Die maximale Rendite des Dax-Discounters beträgt mehr als 10 Prozent.

Neben den Discountern auf Indizes lohnt sich natürlich auch ein Blick auf "Rabattpapiere" mit einzelnen Aktien als Basiswerten. Die sind aufgrund ihrer höheren Volatilität risikoreicher, bieten im Gegenzug attraktivere Konditionen. Hähner hat drei, nach seiner Ansicht empfehlenswerte Produkte ausgewählt (siehe Tabelle), die für den Zertifikatefonds der Bank gekauft worden sind oder auf der Watchlist stehen. Ein Basiswert ist die Aktie der Deutschen Börse. Denn das Unternehmen dürfte von dem derzeit hohen Handelsvolumen profitieren. Das Zertifikat (WKN: BN0G5W) hat einen Discount von mehr als 30 Prozent. Die Aktie des Frankfurter Unternehmens kann noch um rund 30 Prozent fallen, ohne dass die Rückzahlung des Höchstbetrages von 80 Euro gefährdet ist. Auf den ersten Blick keine attraktive Konditionen bietet der Discounter auf AWD (WKN: DB0LAK). Die Aktie notiert mit 28,00 Euro knapp unter dem Höchstbetrag von 30 Euro, was angesichts des turbulenten Börsenumfeldes viel zu risikoreich wäre. Doch der AWD -Vorstand hat ein Übernahmenangebot des Konkurrenten Swiss Life in Höhe von 30 Euro je Aktie bereits angenommen. Die Frist für die Aktionäre lauft bis zum 22. Februar. Hähner hat deswegen eine kurze Laufzeit bis Ende Juni gewählt. Er hält den Kurs bis dahin für gut abgesichert.


» Dax-Prognosen 2008: Welche Entwicklung Experten erwarten

Auch eine Aktie eines Finanzdienstleisters steht auf der Liste der Bank. Das Research von Delbrück Bethmann Maffei empfiehlt die Aktie von Axa zum Kauf. Dazu hat Hähner ein Produkt mit einem Discount rund 30 Prozent ausgewählt (WKN: BN1D5D). Laufzeitende ist Ende März 2009. Dadurch besteht - im Gegensatz zu den beiden vorherigen Produkten - die Möglichkeit auf steuerfreie Gewinne.

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