Anders sieht es bei Quantozertifikaten auf japanische oder schweizerische Aktien aus. Hier kostet das Quanto kein Geld, sondern bringt sogar noch zusätzlichen Gewinn. Die Emittenten sichern mögliche Währungsschwankungen am Terminmarkt nicht über Devisenoptionen ab, sondern über Zinspapiere. Jörg Kukies von Goldman Sachs nennt die Faustregel: „Ist das ausländische Zinsniveau höher als dasjenige in der Euro-Zone, kostet die Währungsabsicherung Geld. Ist das Zinsniveau niedriger, können sogar Quanto-Gewinne anfallen.“
Apropos Kosten: Dieser Faktor ist oft die große Unbekannte bei der Preisbildung von Zertifikaten. Denn anders als bei Indexzertifikaten, bei denen sich die Wertentwicklung des Zertifikats direkt mit der Wertentwicklung des Basiswertes vergleichen lässt, lassen sich bei den meisten der rund 130 000 Papieren allein schon durch die geringere Transparenz leicht Kosten verstecken – auffälligerweise umso mehr, je weniger Konkurrenten vergleichbare Produkte auf denselben Basiswert anbieten und je komplexer die Struktur ist.
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„Wie hoch die tatsächlichen Kosten bei einem Zertifikat sind, lässt sich allerdings oft nicht so leicht allein aus einem Vergleich der Performances der Zertifikate herleiten, denn die Emittenten achten darauf, dass die Parameter sich von den Produkten der Konkurrenz unterscheiden“, sagt Marcus Jendraszek, Zertifikate-Fondsmanager bei der Vermögensverwaltung Dahl & Partner. So gibt es beispielsweise derzeit fast keine direkt miteinander vergleichbaren Bonuszertifikate: Die Emittenten variieren den Bonuslevel, die Barriere und die Laufzeit. Kennziffern wie die erzielbare jährliche Bonusrendite sind dann selbst bei identischen Basiswerten schwer vergleichbar.
Bei der mit Abstand beliebtesten Zertifikatekategorie, den Garantieprodukten, sind zwar Merkmale wie der garantierte Mindestzins oder die Laufzeit durchaus vergleichbar. Garantiezertifikate auf gängige Aktienindizes wie Dax, Euro Stoxx 50 und Co. sind allerdings eine Rarität. Hingegen kennt der Einfallsreichtum der Emittenten bei der Kreation von Basiswerten für Garantieprodukte keine Grenzen: Aktienkörbe, Rohstoffe und selbst die Zinsdifferenz von Bundesanleihen dienen als Basiswert. Das Phänomen fällt auch bei Express-, Sprint, Outperformance- und anderen Zertifikatetypen auf. Markus Straub, Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) hat eine Erklärung dafür: „Je komplizierter ein Zertifikat ist, und je weniger der Anleger nachvollziehen kann, wie sich der Preis eines Zertifikats zusammensetzt, desto besser lassen sich Preisaufschläge verstecken“. Emittenten von Zertifikaten haben es allerdings in Deutschland auch besonders leicht, beim Anleger abzukassieren. „Der Zugang zu einem transparenten Terminmarkt, der allein durch Nachfrage und Angebot geregelt wird, bleibt privaten Anlegern weitestgehend verschlossen“, erklärt Markus Straub.
Denn bei Zertifikaten machen die Emittenten den Preis, nicht der Markt. Sie nutzen unter anderem Optionen der Terminbörse Eurex als Bauteile. Die vielen Zertifikaten zugrunde liegenden exotischen Optionen steuert die eigene Handelsabteilung bei. Aus diesen Bauteilen und den Basiswerten selbst werden Komplettpakete geschnürt und den Anlegern mit einem Preisaufschlag als Zertifikate verkauft. Wie hoch der Preisaufschlag gegenüber den Herstellungskosten an der Terminbörse ist, das bestimmen zunächst die Emittenten selbst und dann der Anleger, indem er kauft oder eben nicht. Gerade bei Indexprodukten ist das Angebot der Konkurrenz eine Preisbremse. Im Rahmen von neuen Märkten kann es lohnen, zunächst zu warten, ob die Konkurrenz ein ähnliches Produkt lanciert. Denn auch in der Zertifikatebranche gilt manchmal: Lieber gut kopiert als schlecht erfunden.
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