Der Goldpreis wird auf lange Sicht wohl weiter steigen. Dennoch konnten Privatanleger bisher nur bedingt vom Boom dieses und anderer Edelmetalle profitieren. Mit so genannten Exchange Traded Commodities könnte sich das allerdings jetzt ändern. Diese Form der Geldanlage ist so einfach wie bei Zertifikaten, aber so sicher wie bei Fonds.
Goldbarren in Tokio: Mit der richtigen Strategie können Anleger teure Schließfachgebühren und hohe Kurs-Spannungen vermeiden. Foto: Reuters
FRANKFURT. Für den Goldkurs ist die Marke von 1 000 Dollar pro Unze nicht in unerreichbare Ferne gerückt. Denn nach Meinung von Experten wird der Preis auf lange Sicht gesehen weiter steigen, da es ein endlicher Rohstoff auf unserer Erde ist. Nach Angaben des US Geological Survey betragen die abbaubaren Goldreserven noch 42 000 Tonnen - damit stehen nach Berechnungen von Marktbeobachtern weltweit nur noch etwa 250 000 Tonnen zur Verfügung.
"In den nächsten Tagen werden wir wohl wieder den Preis von 1 000 Dollar sehen", meint Thorsten Proettel, Edelmetall-Analyst der Landesbank Baden-Württemberg. Andere Marktbeobachter sehen die Feinunze (31,1 Gramm) bis Ende des Jahres sogar bei 1 100 US-Dollar. Zumal auch der Preis für Öl steigt.
Der Preis für das gelbe Edelmetall orientiert sich seit jeher an dem des "schwarzen Goldes". Außerdem ist die Nachfrage nach Goldschmuck insbesondere in arabischen Ländern, in Indien und China sehr hoch. Aber auch andere Edelmetalle sind gefragt - beispielsweise Platin, welches vor allem von der Automobilindustrie für Katalysatoren gebraucht wird. Hier ist Proettel ebenfalls optimistisch, da der Hauptlieferant Südafrika, das immerhin auf einen Marktanteil von 80 Prozent kommt, wegen Energieproblemen weniger fördert.
Doch vom Goldboom und anderer Edelmetalle konnten Privatanleger bisher nur bedingt profitieren: Die physische Verwahrung im Schließfach ist teuer und die hohe Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs mindert die Rendite ebenfalls. Zertifikate sind eine einfache Alternative, doch hier droht mit einer möglichen Insolvenz des Emittenten ein Totalverlust. Anders sieht es in diesem Punkt mit so genannten Exchange Traded Commodities (ETCs) aus.
Im Unterschied zu Zertifikaten verbriefen vor allem die abgesicherte ETCs nicht einen Zahlungsanspruch, sondern auch die Lieferung einer Ware. In diesem Fall lagert der Basiswert - etwa ein Goldbestand - bei einem Treuhänder. Der Emittent kann pleite gehen, der Anleger bekommt dennoch sein Gold.
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Aus diesem Grunde bieten diese Papiere auch einen Steuervorteil: Da ETCs einen Anspruch auf Lieferung einer Ware verbriefen, stehe deren Erwerb im Vordergrund und nicht der Handel mit Wertpapieren. Dadurch würde die Abgeltungsteuer anders als bei Zertifikaten nicht gelten, so zumindest die Ansicht der Deutschen Börse
Commodities GmbH (DBC), einem Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen Börse
AG und Banken.
Andere Steuerexperten teilen die Ansicht, dass ETCs nicht der Abgeltungssteuer unterliegen - aber wohl nur bei Lieferung des Goldes und nicht bei einer Barauszahlung. "Bei solch steuerlich strittigen Fragen sollten Investoren immer einen Steuerberater hinzuziehen", empfiehlt Stefan Arndt, Fachanwalt für Steuerrecht insbesondere professionellen Investoren. Ähnlich äußern sich auch andere ETC-Experten.
Beim von DBC emittierten ETC-Papier "Xetra-Gold" haben Anleger Anspruch auf ein Gramm Gold pro Anteilsschein. "Seit Dezember 2007 haben wir über fünf Tonnen an Gold über unser Papier verkauft", erzählt Martina Gruber, Geschäftsführerin des Unternehmens. Der Großteil dieser Menge lagert nun bei der Tochter Clearstream Banking AG in Frankfurt. Ein kleiner Rest von fünf Prozent besteht aus Forderungen an den Goldlieferanten Umicore.
Wenn der Anleger will, kann er sich das Gold ausliefern oder den Gegenwert auszahlen lassen. Dabei ist letztere Variante eindeutig kostengünstiger.
Die ETC-Idee stammt aus den USA. "Dort dürfen Pensionsfonds nur in physisch hinterlegte Produkte investieren", weiß Thomas Meyer zu Drewer, Deutschlandchef von Lyxor International Asset Management, eine Tochter der Société Générale.
Sie gab Ende April 2007 ihr Lyxor Gold Bullion heraus. Der Anteil ist zwar optisch teurer als bei "Xetra-Gold", er verbrieft aber auch einen Anspruch auf entsprechend mehr Gold, nämlich eine zehntel Unze. Die physische Auslieferung kostet pauschal 750 US-Dollar, sie lohnt daher nur für größere Mengen.
Lyxor hat bisher in Europa 128 Tonnen Gold verkauft; weltweit über Partner sogar mehr als 800 Tonnen. Gegenwärtig verwahrt HSBC
USA den Bestand. "Gemessen daran wäre das die siebtgrößte Zentralbank der Welt", erzählt Meyer zu Drewer.
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Mischform
Physisch hinterlegten ETCs sind juristisch gesehen Inhaberschuldverschreibungen ohne Laufzeitbegrenzung (ähnlich wie Open-End-Zertifikate); doch weniger streng sind sie eine Mischform zwischen Zertifikaten und börsengehandelten Indexfonds. Letzter heißen im Fachjargon Exchange Traded Funds (ETFs). Wohl daher kommt auch der fälschliche Begriff „Gold-ETF“.
Handel
Derzeit werden in Xetra 48 ETCs gehandelt – physisch mit Edelmetallen unterlegte jedoch nur sieben Stück. Die meisten stammen von ETF Securities, einem der Pioniere auf dem ETC-Markt. Er gab 2003 das weltweit erste Gold-ETC heraus.
Währungrisiko beachten
Eines jedoch sollten Anleger bedenken: Eine Währungsabsicherung wie sie beispielsweise einige Zertifikate anbieten, besteht nicht. ETCs werden zwar in Euro gehandelt, doch Edelmetalle werden in US-Dollar gehandelt. Der Dollar verliert derzeit jedoch an Wert, was die Rendite des Goldinvestments mindert.



