Wasser, Sonne, neue Kraftstoffe, Biotech - Märkte von morgen versprechen glänzende Gewinne. Welche Papiere davon profitieren.
Dieser Artikel ist der aktuellen Ausgabe 19/2006 des kostenlosen Handelsblatt Zertifikate-Newsletters entnommen. Illustration: Adja Schwietring.
Die Zahl wirkt harmlos: Im Schnitt verbraucht jeder Deutsche 130 Liter Wasser am Tag, so die offizielle Statistik. Doch die ist nur die halbe Wahrheit. Ein Mittagessen aus einem Steak mit Pommes frites und Tomatensalat, danach eine Tasse Espresso - schon sieht die Bilanz ganz anders aus: Wasser in den Trögen der Rinder, über den Futterpflanzen wie Soja, über Tomatensträuchern und Kaffeeplantagen, das macht für eine einzige Mahlzeit einen globalen Wasserverbrauch von 3000 Litern, berechneten Forscher der Universität Twente.
Wasser ist knapp und kostbar. Die Vereinten Nationen rechnen damit, dass sich der globale Süßwasserverbrauch in den nächsten 30 Jahren verdreifacht. In den Industrieländern Europas und Nordamerikas gibt es einen immensen Investitionsbedarf in marode Wasserleitungen. Die Weltbank spricht von einem Aufwand für Infrastruktur bis 2015 von 600 Milliarden Dollar. Nach Prognose der Investmentbank Goldman Sachs hat Wasser das ökonomische Potenzial, zum Öl des 21. Jahrhunderts zu avancieren. Dienstleistungen von Unternehmen der Wasserbranche dürften auf Jahr hinaus gefragt sein.
Da war es absehbar, dass die Zertifikatebranche das Thema aufgreift. Mit einem der ersten Papiere (WKN: 696260) zahlte sich der Megatrend bereits für Anleger aus. In dem Zertifikat stecken die Aktien der zehn größten Unternehmen aus den Branchen Wasserversorgung und Wassertechnik. Mit dabei etwa Hersteller von Aufbereitungsanlagen wie die japanische Kurita Water Industries oder die österreichische Christ Water Technology, aber auch bekannte Versorger wie die französische Suez. Deren Technik und Services sind angesichts des globalen Dursts nach Süßwasser für Landwirtschaft, Industrie und Konsum immer stärker gefragt. In den vergangenen drei Jahren kletterte das Zertifikat um 91 Prozent.
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Zertifikate auf Bioenergie und Wassertechnik. Zur Vollansicht bitte anklicken. Quelle: Handelsblatt Zertifikate-Newsletter.
Inzwischen kamen weitere Zertifikate auf den Markt, auch Papiere ohne Laufzeitgrenze (WKN: ABN7B3 sowie UB0WAS). Die jährlichen Gebühren betragen rund ein Prozent. Dafür fließen in beide Zertifikate die Ausschüttungen der Wasseraktien mit ein. Und das lohnt sich: Die durchschnittliche Dividendenrendite des vom Indexanbieter Standard & Poor's berechneten Index für die zehn größten Aktien der Branche beträgt derzeit 2,4 Prozent pro Jahr.
Eine ganze Zukunftsbranche in nur einem Papier - das ist das Versprechen der Banken, wenn sie Zertifikate auf die Märkte von morgen anpreisen: auf Wasser, auf regenerative Energien und neue Technologien. Das kommt an bei deutschen Anlegern. Von den sieben Milliarden Euro, die derzeit in Themen- und Strategiezertifikaten angelegt sind, steckt ein großer Teil in Papieren auf die vorgeblichen Zukunftsmärkte. Meist werden die Zertifikate aus 10 bis 15 Aktien einer Branche aufgebaut.
Damit bergen die Papiere höhere Chancen, aber auch höhere Risiken als ein vergleichbarer Branchenfonds, der das verwaltete Vermögen meist auf 30 bis 50 Einzelaktien streut. Welche Werte beim Zertifikat genau in den Korb kommen, das bestimmt die Bank, oft in Kooperation mit einem Indexdienstleister. Entscheidend sind Kriterien wie Unternehmensumsatz oder Börsenwert der Aktien. Vorteil für Anleger: Die Streuung der Investition über verschiedene Einzelwerte senkt im Vergleich zum Kauf einzelner Aktien das Risiko, wahrt aber die Chance, an der Entwicklung eines aussichtsreichen Marktes teilzunehmen.
Zukunftszertifikate eignen sich vor allem für Anleger, die vom grundsätzlichen Wachstum einer Branche überzeugt sind, sich selbst aber die Auswahl einzelner Titel nicht zutrauen. Zudem lässt sich schon mit Beträgen von wenigen Tausend Euro ein solches Investment aufbauen. Bei den meisten Papieren passen die Banken die Aktienauswahl regelmäßig an und kassieren dafür im Gegenzug eine Managementgebühr » oder behalten Dividendenausschüttungen ein. Zu den heißen Zukunftsmärkten zählen angesichts hoher Ölpreise die Aktien aus Boombranchen wie der regenerativen Energien oder Biokraftstoffe. Bei den grünen Alternativen zum Öl rechnen Experten in den nächsten Jahren mit hohen Wachstumsraten.
So kann der auf Basis von Agrarrohstoffen wie Raps, Mais oder Zucker hergestellte Biokraftstoff mit einem Anteil von bis zu zehn Prozent herkömmlichem Benzin beigemischt werden. Synthetisch hergestellter Biodiesel kann den klassischen Dieselkraftstoff sogar vollständig ersetzen. In einem Agrarland wie Brasilien haben Biokraftstoffe schon heute einen Marktanteil von zwölf Prozent an allen Treibstoffen.
In Deutschland verabschiedete das Bundeskabinett gerade eine Biokraftstoffquote: Bis 2010 müssen sechs Prozent des Sprits auf Basis erneuerbarer Rohstoffe hergestellt sein. Derzeit ist es etwa ein Prozent.
Davon profitierten Zertifikate mit Aktienkörben (etwa TB0D2B) von Unternehmen, die an der Herstellung von Bioenergie beteiligt sind. Gebühren fallen hier keine an, Dividenden kassiert die Bank zu 50 Prozent, die andere Hälfte fließt ins Zertifikat. Allerdings ist die Laufzeit des Papiers begrenzt bis März 2008. Doch es ist absehbar, dass sich auch hier Endloszertifikate durchsetzen, etwa das Biofuel-Commodity-Zertifikat (WKN: ABN7B3), in das die Preise mehrerer Agrarrohstoffe einfließen, die für die Herstellung von Biokraftstoffen verwendet werden.
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Zertifikate auf regenerative Energien und Biotechnologie. Zur Vollansicht bitte anklicken. Quelle: Handelsblatt Zertifikate-Newsletter.
Seit sich die Kurse von Aktien wie Solarworld oder Conergy vervielfacht haben, ist die regenerative Energie ins Blickfeld vieler Anleger gerückt. Die 15 größten Titel dieser Branche spiegelt seit Kurzem der Alternative-Energy-Index der Deutschen Börse wider. Die Zusammensetzung wird jährlich überprüft. Gebührenfreie Indexzertifikate ohne Laufzeitende sind auch schon auf dem Markt (WKN: DB6GHS). Allerdings kassiert hier die Bank die Dividenden der Unternehmen für sich.
Wer auf Wind- und Sonnenenergie setzt, wird auch fündig mit Zertifikaten auf den European Renewable Energy Index (Erix). Für diese Papiere (WKN: SG1ERX) fällt zwar eine jährliche Managementgebühr von 0,85 Prozent an, dafür fließen die Dividenden der Unternehmen mit ins Zertifikat und damit an den Anleger. Die Zahl der Aktien, die Dow Jones Stoxx auswählt, ist auf zehn europäische Unternehmen beschränkt. Größte Werte im Erix sind derzeit die dänische Vestas und die spanische Gamesa, beides Hersteller von Windkraftanlagen; knapp dahinter folgt der österreichische Energiekonzern Verbund. Für die spekulative Würze sorgen die drei im Index enthaltenen deutschen Solartitel Conergy, Solarworld und Q-Cells. Bisher ging die Strategie auf: Seit dem Start im Oktober 2005 legte das Zertifikat um 35 Prozent zu.
Angesichts des deutlichen Kursanstiegs vieler grüner Aktien bergen die Zertifikate inzwischen aber erhöhte Risiken. Entsprechend vorsichtig sollten Anleger disponieren: keine zu großen Beträge investieren und lieber zwischenzeitliche Schwächephasen abwarten. Für geduldige Investoren sollte sich das auszahlen. So kam der Alternative-Energy-Index der Deutschen Börse in der Rückrechnung auf 400 Prozent Kursgewinn in drei Jahren. Er konnte sich aber auch - wie viele Boombranchen - nicht vollständig vom Abwärtstrend der Börsen in den Jahren 2001 bis 2003 abkoppeln.
Lesen Sie weiter auf Seite 4: Ein Wachstumsmarkt ist nach wie vor die Biotechnologie-Branche
Die Entwicklung ausgewählter Anlagezertifikate im Vergleich. Zur Vollansicht bitte anklicken. Quelle: Handelsblatt Zertifikate-Newsletter.
Ein Wachstumsmarkt ist nach wie vor die in den vergangenen Monaten wenig beachtete Biotechnologie-Branche. Dabei profitieren die Unternehmen zunehmend von ihrer immer wichtigeren Rolle im Entwickeln neuer Produkte für die Pharmakonzerne; der Gewinn der Biotechs » klettert doppelt so schnell wie der etablierter Unternehmen. Rund 250 Wirkstoffe aus der Schmiede von Biotech-Unternehmen sind derzeit in der klinischen Testphase. In den kommenden fünf Jahren dürfte der Anteil der Biotech-Anbieter an allen Medikamentenumsätzen auf bis zu einem Drittel steigen.
Die langjährige Entwicklung des wichtigen Index Amex Biotech zeigt: Anleger brauchen für eine nachhaltige Rendite mit Zertifikaten auf Boombranchen Geduld. In den vergangenen zehn Jahren legte der Amex Biotech - trotz vorübergehender Übertreibungen in beide Richtungen - um durchschnittlich 18 Prozent pro Jahr zu. Damit holte der Index die herben Verluste nach dem Platzen der Biotech-Blase im Jahr 2000 wieder auf. Neben gebührenfreien Zertifikaten (WKN: 787363) auf die amerikanische Amex-Kurskurve gibt es auch währungsgeschützte Varianten (WKN: A0AB88) ohne Laufzeitende.
Lesen Sie weiter auf Seite 5: Genau hinschauen sollten Anleger bei Nischenthemen wie Nanotechnologie und Uran
Genau hinschauen sollten Anleger bei neuen Nischenthemen. Dazu zählen etwa die frisch auf den Markt gekommenen Zertifikate auf Uranförderer (WKN: UB1URA) oder Zertifikate auf Nanotechnologie-Aktien (WKN: 699688 sowie A0DG92). Diese Zertifikate sind mit oft interessanten, allerdings in ihren Kursen stark schwankenden Nebenwerten bestückt, da die Auswahl an Unternehmen klein ist - gerade bei Uran. Oder weil das Spezialthema nur einen kleinen Teil des gesamten Konzernumsatzes ausmacht.
Wie heikel das werden kann, zeigt das Beispiel des US-Unternehmens Headwaters Technology. Die Aktie fehlt in den wenigsten Zertifikaten zum Thema Nanotechnologie. Gleichzeitig gilt das Unternehmen als grünes Investment, das Ethanol herstellt und deshalb auch im Index für alternative Energien der Deutschen Börse vertreten ist. In den vergangenen sechs Monaten hat sich der Kurs dieser Wunderaktie nahezu halbiert, nachdem die Euphorie abgekühlt ist. Selbst risikofreudige Anleger sollten solche Nischenprodukte nur in homöopathischen Dosen ins Depot nehmen - zumal angesichts der Inflation an Megatrends auch Erinnerungen an den Börsenhype des Jahres 2000 aufkommen: Damals warfen die Banken massenhaft Zertifikate auf den Markt, die mit vermeintlichen Megatrends warben. Weder markige Trends noch illustre Namen wie Asia Tsunami, Internet B2B oder Web & Wap schützten Investoren vor den nachfolgenden Kursverlusten von bis zu 90 Prozent.
Um solche Erfahrungen in Zukunft zu vermeiden, sollten Anleger auf die Konstruktion der Zertifikate achten. Wichtig ist die Frage, ob die Bank die Zusammensetzung des Zertifikats regelmäßig überprüft und anpasst. So stellen Anleger einerseits sicher, dass sie immer an den wichtigsten Aktien einer Branche beteiligt sind. Andererseits senkt eine regelmäßige Anpassung das Risiko, dass sich einzelne im Zertifikat enthaltene Aktien besonders schlecht entwickeln und die Rendite des gesamten Zertifikats verhageln.
Ein weiterer Blick sollte den Gebühren gelten: Eine Managementgebühr von bis zu einem Prozent pro Jahr ist für ein solches Zertifikat nur dann akzeptabel, wenn die Bank im Gegenzug die Dividenden an die Anleger weitergibt. Haben Investoren die Wahl zwischen einem gebührenfreien Zertifikat und einem gebührenpflichtigen inklusive Dividenden, schneidet meist das Papier mit den Dividenden besser ab. Und letztlich sollte - Zukunftspapier hin, Megatrend her - auch bei solchen Zertifikaten eine Verlustbegrenzung (Stoppkurs festlegen) vor den finanziellen Folgen einer Fehleinschätzung schützen. Schließlich war schon so mancher tolle Trend plötzlich vorbei.


