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20.06.2008 
Innovative Angebote srogen für Belebung

Infrastruktur-Zertifikate: Auf den Zug aufspringen

von Christian Kirchner

Zertifikate auf Infrastrukturprojekte haben ihre erste Bewährungsprobe bestanden. Sie liefern ein Indiz dafür, dass hinter dem Anlagemotiv mehr steckt als nur ein eilig ausgerufener und dann schnell vergessener Megatrend. Für Investoren öffnen sich neue Betätigungsfelder.

Infrastrukturprojekte bieten ein interessantes Betätigungsfeld für Investoren.Lupe

Infrastrukturprojekte bieten ein interessantes Betätigungsfeld für Investoren.

DÜSSELDORF. Wenn es um das Thema Investieren in Infrastruktur geht, haben viele Anleger das Bild von maroden Straßen und übervollen Zügen in Indien oder China vor ihrem geistigen Auge: Wer einmal eines der vier Bric-Staaten bereist hat, kann sich bildhaft vorstellen, dass der Investitionsbedarf in Infrastrukturprojekte extrem hoch ist.

Doch kaum jemand weiß, dass der Investitionsbedarf in Straßen und Schienen in Industrieländern den der Entwicklungsländern in den kommenden Jahren weit übersteigen wird. Alleine für den Erhalt des Status quo der Infrastruktur in Deutschland ist bis zum Jahr 2020 ist eine Summe von 220 Mrd. Euro notwendig, wie das Beratungsunternehmen McKinsey in einer Anfang Mai veröffentlichten Studie ermittelt hat. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sorgt sich angesichts einer Investitionslücke von rund drei Mrd. Euro pro Jahr bei Straßen- und Schienenprojekten derart um die deutsche Infrastruktur, dass er Ende Mai mit einem Infrastrukturgipfel das Thema ganz oben auf die politische Agenda rücken will.

Wie bei vielen anderen Investitionsideen auch ist das Thema Infrastruktur verbunden mit dem Jonglieren mit Milliardenprognosen: Rund 500 Mrd. Euro pro Jahr kostet der Erhalt und Ausbau der Infrastruktur von Stromnetzen, Straßen, Schienen, Wasserleitungen und Telekom-Netzen - glaubt die Weltbank. Kein Wunder, dass auch die Emittenten von Zertifikaten längst auf den Zug aufgesprungen sind und eine Fülle von Themenzertifikaten emittiert haben.

Gut ein Jahr nachdem die Emissionstätigkeit der Banken in Sachen Infrastruktur ihren Höhepunkt erreicht hat, lohnt ein Blick auf die bisherige Kursentwicklung der Zertifikate. So betrug der maximale Verlust eines Infrastruktur-Zertifikats über ein Jahr 12,4 Prozent, das beste Zertifikat konnte über ein Jahr sogar ein schmales Plus erzielen. Demgegenüber steht ein Kursverlust des Weltaktienindex MSCI World im gleichen Zeitraum von 16,5 Prozent. Ihre erste Bewährungsprobe haben die Zertifikate bestanden und liefern ein Indiz, dass hinter dem Anlagemotiv mehr steckt als nur ein eilig ausgerufener und dann schnell vergessener Megatrend, dessen Existenzberechtigung sich aus windigen Rückrechnungen ableitet, wie ein Zertifikat in den vergangenen Jahren abgeschnitten hätte. Mit der vergleichsweise stabilen Kursentwicklung unterstreichen die Infrastrukturwerte auch, dass ihre Kursentwicklung historisch nur schwach mit dem Gesamtmarkt korreliert.

Investieren in Infrastrukturprojekte: Verschiedene Anbieter stehen zur Auswahl. Grafik: HBLupe

Investieren in Infrastrukturprojekte: Verschiedene Anbieter stehen zur Auswahl. Grafik: HB

Nachdem die großen Emittenten inzwischen eine solide Auswahl an weltweiten Anlagezertifikaten mit attraktiven Ausstattungsmerkmalen zur Verfügung gestellt haben - volle Dividendenberücksichtigung, ohne Laufzeitbegrenzung und mit aktiver oder semiaktiver Anpassung des Korbs - richtet sich das Augenmerk vieler Anbieter inzwischen auf Spezialitäten im Bereich Infrastruktur. So verbrieft die DWS Go den Zugang zu russischen Infrastrukturwerten über ein Zertifikat, Goldman Sachs lancierte jüngst ein Zertifikat für chinesische Infrastrukturwerte.

Noch exotischer gehen ABN Amro und die Deutsche Bank vor: Sie bieten mit zwei Zertifikaten den Zugang zu den Infrastrukturwerten in Dubai und dem Mittleren Osten an. Die lokale Wirtschaft rund um den Golf erlebt - getrieben vor allem von massiven Überschüssen durch Ölexporte - einen regelrechten Investitionsboom. Grob geschätzt fließen rund zehn Prozent der preisbedingt immer höheren Öleinnahmen in neue Infrastrukturprojekte vor Ort. Die Zertifikate eignen sich auf Grund ihres kleinen und hochvolatilen Anlagespektrums aber nur für wagemutige Investoren mit einem hohen Maß an Risikobereitschaft.

Für Belebung im Markt für innovative Anlagen sorgte vor gut einem Monat der Indexfonds-Anbieter EasyETF, ein Gemeinschaftsprojekt von Axa Investmentmanagers und BNP Paribas. Die Franzosen bieten für eine jährliche Verwaltungsgebühr von 0,5 Prozent zwei Strategie-Indexfonds auf einen europäischen und weltweiten Natural-Monopoly-Index (NMX) an. Darin enthalten sind Unternehmen aus dem Infrastruktursektor, die über natürliche Monopole in ihrer jeweiligen Branche verfügen. Auch dieses Anlagekonzept dürfte künftig weiter verfeinert werden: Die NMX-Indexfamilie umfasst bereits Indizes für Straßenbetreiber, Netzbetreiber sowie diverse Länder- und Sektorenindizes, auf die bald schon Anlagevehikel folgen werden.

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